„Politik ist kein Fast Food“: Babler liefert im ORF Ausreden statt Antworten
Große Worte, nichts dahinter? In der ZIB 2 versucht sich Andreas Babler als Weltpolitiker und Krisenmanager. Doch bei Teuerung, Energie und Industrie bleibt er oft gänzlich Antworten schuldig. Die Kritik in der Bevölkerung ist groß.
ZIB-2-Auftritt mit Nachhall: Andreas Babler erntete nach seinem Interview rasch heftige Kritik auf X.ORF ON/ORF ON
Der Vizekanzler wollte Souveränität ausstrahlen, doch im Studio wirkte vieles wie ein auswendig gelerntes Programm. Erst Weltpolitik mit großen Worten, dann die harte Innenpolitik-Frage: Warum bekommt die Regierung die Teuerung nicht in den Griff? Babler konterte mit „Politik ist kein Fast Food“ und verwies auf Maßnahmen aus der Vergangenheit – während Moderatorin Margit Laufer bei der ZIB2 am Dienstag mehrfach nachhakte. Nutzer auf X zeigen sich wenig begeistert von Bablers Auftritt.
Babler versucht sich an Weltpolitik
Zunächst ging es in der Sendung um den US-Angriff auf Venezuela. Babler versuchte, ausgewogen zu argumentieren: „Ich finde es nicht gut, was Maduro im venezolanischen Staatsgebiet veranstaltet hat. Ich kritisiere diese Entwicklungen scharf, aber gleichzeitig muss man klar sagen, dass hier Völkerrecht gebrochen wurde und das Gewaltverbot der UN ausgehebelt wurde.“
Konsequenzen? Babler forderte vor allem europäische Geschlossenheit und wirtschaftliche Stärke: „Wir sind mit 450 Millionen Menschen ein großer Binnenmarkt und haben wirtschaftliche Stärke, die wir zeigen müssen.“ Konkret kündigte er einen „Grönland-Katalog“ an, um „scharfe Sanktionen gegen US-Tech-Giganten auch in Europa aussprechen zu können“. Was genau darinstehen soll, blieb offen.
Auch bei der Frage einer möglichen US-Annexion Grönlands gab sich Babler kämpferisch, aber allgemein: „Wir werden nicht zuschauen, wie jemand völkerrechtswidrig annektiert, das Selbstbestimmungsrecht Grönlands untergräbt oder europäisches Hoheitsgebiet angreift – das ist nicht akzeptabel.“
„Politik ist kein Fast Food“ – Antworten bleiben dünn
Danach wollte Moderatorin Laufer von Babler wissen, warum die Regierung die Teuerung nicht in den Griff bekomme. Bablers Antwort wurde schnell zum Zitat des Abends: „Politik ist kein Fast Food.“
Er verwies auf ein Maßnahmenbündel, etwa die ausgefallene Mieterhöhung im April des Vorjahres, durch die „einige hundert Euro“ erspart worden seien, sowie auf weitere Beschlüsse zum Jahresbeginn. Ein Zeitplan oder konkrete neue Maßnahmen? Fehlanzeige. Stattdessen gab er die folgende Ankündigung ab: „Wir werden dafür sorgen, dass die Teuerung sinkt. Das werden wir in den nächsten Monaten sehen.“
Beim Thema Industrie wich Babler Fragen weitgehend aus. Stattdessen sprach er über Energie: Einen Sozialtarif von 6 Cent, von dem künftig 600.000 Menschen profitieren sollen, sowie einen vorbereiteten Energiekrisenmechanismus. Konkrete Beschlüsse vor der Regierungsklausur wollte er jedoch nicht nennen: „Sie können nicht von mir verlangen, dass ich die Ergebnisse einer Regierungsklausur vorwegnehme, wenn ich hier in einem Fernsehstudio sitze.“
X reagiert gnadenlos – „spult wie ein Roboter seine Rede runter“
Während Babler im Studio argumentierte, wurde er auf X bereits heftig kritisiert. Ein Nutzer schreibt: „Was für ein stilloser Auftritt.“ Ein anderer legt nach: „Absolut irre dieser @AndiBabler, denn das Problem ist: er versteht die Fragestellung ja gar nicht! #zib2“
Absolut irre dieser @AndiBabler, denn das Problem ist: er versteht die Fragestellung ja gar nicht!.#zib2
— Walter Wutzl (@WWuzi9) January 7, 2026
Besonders oft fiel der Vorwurf, Babler gehe an den Fragen vorbei. Ein Kommentar bringt es so auf den Punkt: „Vizekanzler #Babler spult wie ein Roboter seine Rede runter (“das steht nicht im Koalitionsprogramm”). Von Margit Laufer wird er mehrfach darauf hingewiesen, dass er keine Fragen beantwortet … er spult seine Rede weiter ab. Sehr mühsam zum Zuhören.“
Auch Spott war reichlich dabei: „Bitte Herrn Babler bei eingeübten Sätzen nicht zu unterbrechen, weil dies eine Fortsetzung des Gedanken verunmöglichen könnte….“ Und knapp, aber eindeutig: „Dr. Babler bablert vor sich her…“
Dr. Babler bablert vor sich her… #zib2
— andreas (@grbhr) January 6, 2026
Der wohl härteste und zugleich grundlegendste Kommentar kam von Kommunikationsberaterin Nina Hoppe: „Ich finde es ja irgendwie ernüchternd, dass wir in diesen Zeiten ein politisches Spitzen-Personal haben, das zum Großteil diesen Zeiten nicht gewachsen ist.“
Ich finde es ja irgendwie ernüchternd, dass wir in diesen Zeiten ein politisches SpitzenPersonal haben, das zum Großteil diesen Zeiten nicht gewachsen ist. #zib2
— 🇪🇺 Nina Hoppe (@hoppenina) January 6, 2026
„Wir haben für Ordnung gesorgt“ – Verantwortung umgedreht
Auch beim Thema Budgetdefizit zeigte sich Babler wenig selbstkritisch. Auf die Einschätzung von Fiskalratschef Christoph Badelt, der von einem Loch von fünf Milliarden Euro sprach, entgegnete er knapp, die Regierung habe „für Ordnung gesorgt“.
„Wir sind auf gutem Kurs.“ Gleichzeitig erklärte er, man übernehme Verantwortung „für Versäumnisse, die in den letzten Regierungen stattgefunden haben”.
Innerparteilich gab sich Babler ebenfalls gelassen. Eine Kampfabstimmung beim SPÖ-Parteitag am 7. März erwartet er nicht: „Ich gehe davon aus, dass es keine Abstimmung gibt.“ Die Kritiker seien nur „einige wenige“, die nicht erkannt hätten, dass Debatten der Partei schaden würden.
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