Die Statue am Kahlenberg zu Ehren des Retters von Wien, Jan III. Sobieski, ist ein schier ewiger Zankapfel. Schon seit 2018 wird im Wiener Rathaus um ein Reiter-Denkmal zu Ehren des polnischen „Türkenbefreiers“ debattiert. Am 12. September 1683 befreite der polnische König mit seinem Entsatzheer die von den Osmanen belagerte Reichshauptstadt.
Schon Ende 2024 scheiterte ein entsprechender Antrag im Wiener Gemeinderat. Die damalige Begründung der Stadt Wien: Man wolle „keine Bühne errichten, die für ausländerfeindliche Hetze und das Schüren von islamfeindlichen und antitürkischen Ressentiments instrumentalisiert werden kann”, teilte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) im November 2024 mit.
SPÖ, Grüne und Neos lehnten das Denkmal ab
Doch die Wiener ÖVP gab nicht auf: Im Februar 2026 reichten sie erneut einen Antrag für ein Sobieski-Denkmal ein. Erneut wurde nichts daraus. ÖVP und FPÖ stimmten dafür, SPÖ, Grüne und Neos lehnten ab.
Die türkischstämmige SPÖ-Gemeinderätin Aslihan Bozatemur stellte in einem Instagram-Eintrag vom 18. Februar klar: „In Wien gibt es keinen Platz für ein Denkmal, das Fremdenfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit oder antitürkische Stimmung fördert.“

„Er kam, um die Stadt zu retten“
Doch wie blickt die polnische Community in Wien und die Polen allgemein auf das nicht genehmigte Denkmal ihres Helden? Dazu hat der exxpress den polnischen Botschafter in Österreich, Zenon Kosiniak-Kamysz, interviewt. Dieser widerspricht den Kritikern des Reiter-Denkmals entschieden.
Sehen Sie hier das Gespräch, das dieses Onlinemedium in der polnischen Botschaft in Wien-Hietzing führte:
Kein Verständnis für Kritik
Für den polnischen Diplomaten ist die historische Rolle Sobieskis eindeutig: „Er kam nicht als Angreifer. Er kam, um die Stadt zu retten, um Europa von einem fremden Angriff zu verteidigen.“
Sobieski führte 1683 das Entsatzheer an, das Wien von der osmanischen Belagerung befreite. Für Kosiniak-Kamysz, der seit Juli 2025 den Posten des Botschafters der Republik Polen innehat, ist klar: Diese Leistung müsse gewürdigt werden. „Ein Teil der Geschichte ist die Schlacht bei Wien und derjenige, der zum Erfolg diese Schlacht beigetragen hat, war König Sobieski“, sagt er.
Wien habe 3.700 registrierte Denkmäler – Paris hingegen lediglich 2.000. Dass bei dieser Anzahl ein Sobieski-Denkmal umstritten ist, kann er nicht nachvollziehen: „Wenn wir sagen, dass sich Vertreter mancher Gruppen beleidigt fühlen würden, weil dort ein Denkmal entsteht, dann verstehe ich das überhaupt nicht.“

„Wir haben ausgezeichnete Beziehungen mit der Türkei“
Die SPÖ hatte argumentiert, ein Denkmal könne islamfeindliche oder fremdenfeindliche Stimmungen fördern. Der Botschafter hält das für unbegründet: „Ich glaube nicht, dass die türkische Diaspora etwas dagegen hätte.“ Er verweist zudem auf die historischen Beziehungen: „Wir haben als Polen ausgezeichnete Beziehungen mit der Türkei“, stellt er fest.
Der Botschafter kritisiert die politische Aufladung der Debatte und fordert einen anderen Zugang: „Es handelt sich um Wien, es handelt sich um Österreich, nicht um einzelne Parteien.“ Die Diskussion, ob man ein Sobieski-Denkmal am Kahlenberg haben wolle, sollte „überparteilich“ stattfinden. Kosiniak-Kamysz erzählt im exxpress-Interview, dass er viele Briefe und Kommentare von Österreichern bekomme, die seine meine Meinung über das Denkmal teilen.
„Er ist auch Europas Held, vor allem Österreichs“
Auf den Einwand, dass manche ein Denkmal für den polnischen Helden ablehnen, weil er auch als Symbol für die Verteidigung des christlichen Abendlands gelten kann, antwortet der Botschafter: „(…) Es wird in der Verfassung, in Gründungsdokumenten (der EU, Anm.) betont, dass Europa christliche Wurzeln hat. Ich glaube, Wien ist auch deshalb so multikulturell, weil wir eine solche Geschichte hatten. Christentum, das hieß damals auch Offenheit gegenüber anderen.“
In Polen ist König Jan III. Sobieski fest im kollektiven Gedächtnis verankert. Dort gelte der Befreier Wiens als Held. In der Schule erfahren die Kinder viel über ihn.
Der Botschafter sagt: „Sobieski ist in unserer Verständigung nicht nur ein ausgezeichneter König und Held Polens, sondern er ist auch Held Europas, vor allem Österreichs.“ Viele Polen würden den Wirbel um das Denkmal nicht nachvollziehen können.
Das Denkmal ist bereits gebaut
Besonders pikant: Das Denkmal existiert bereits. Es steht in Polen fertig zum Abtransport auf den Kahlenberg. Doch: „Wien hat das abgelehnt“, sagt Kosiniak-Kamysz. Er sei allerdings „optimistisch“, dass es in Zukunft zu einer „alternativen Lösung“ kommen werde, denn: „Einen Sockel am Kahlenberg so zu lassen und zu sagen, das sollte ein Denkmal werden, wird von uns nicht akzeptiert“, so der polnische Botschafter.

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