Mit seinem „Plan Z“ will NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr das österreichische Schulsystem fit für die Gegenwart machen. Ab dem Schuljahr 2027/28 sollen in der AHS-Oberstufe Lateinstunden gekürzt und durch neue Inhalte wie Künstliche Intelligenz sowie Demokratie- und Medienbildung ersetzt werden. Während sich der Minister auf eine groß angelegte Umfrage beruft, die ihm Rückenwind bescheinigt, wächst der Widerstand – bis hinein in die oberste Liga der heimischen Geistes- und Wissenschaftselite, so der Kurier.

Weniger Latein, mehr KI

Konkret plant Wiederkehr, die Anzahl der Lateinwochenstunden in der Oberstufe von derzeit zwölf auf acht zu reduzieren, was einer Wochenstunde weniger pro Schuljahr entspricht. Die frei werdenden Kapazitäten sollen für neue Fächer genutzt werden. Das Ziel besteht darin, den Lehrplan zu „entrümpeln“ und an gesellschaftliche Veränderungen anzupassen.

„Es ist den Schülerinnen und Schülern und uns als Gesellschaft nicht zumutbar, dass wir hier jahrzehntelang der gesellschaftlichen Veränderung hinterherhinken“, erklärte der Minister.

Umfrage soll Reform legitimieren

Am Dienstag präsentierte Wiederkehr eine Umfrage des Instituts „Public Opinion Strategies“, für die im Januar 45.000 Schüler, Eltern und Lehrer befragt wurden. Der Minister sieht die Ergebnisse als klare Bestätigung seines Kurses: 83 Prozent der Schüler, 74 Prozent der Eltern und 71 Prozent der Lehrer sprechen sich dafür aus, Inhalte bestehender Fächer zu kürzen, um Platz für neue Themen zu schaffen.

Studienautor Peter Hajek sprach von einer insgesamt nur „mittelprächtigen” Zufriedenheit mit dem Bildungssystem. Der Wunsch nach Reformen, die soziale Kompetenzen und kritisches Denken stärken, sei jedoch breit verankert.

Prominente Front gegen den Minister

Doch der Widerstand ist massiv. In einem offenen Brief und einer Petition fordern zahlreiche Prominente den „uneingeschränkten Erhalt von Latein als vollwertiges Unterrichtsfach“ mit mindestens zwölf Wochenstunden. Zu den Unterzeichnern zählen die Literaten Peter Handke und Elfriede Jelinek sowie der Physiker Anton Zeilinger, drei österreichische Nobelpreisträger. Auch der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer, der ehemalige Kanzler Franz Vranitzky und der Genetiker Markus Hengstschläger unterstützen das Anliegen.

In einer Aussendung heißt es, wer glaube, man könne „lateinisches Denken“ in kürzerer Zeit vermitteln, „betreibt entweder Ignoranz oder bewusste Täuschung“. Latein sei die „Grundschule des Denkens Europas“ und fördere strukturiertes Denken, sprachliche Präzision und historische Urteilskraft.

Bildungskonflikt mit offenem Ausgang

Die Kritiker betonen zudem, dass Latein und Künstliche Intelligenz keine Gegensätze sind. Ohne historisch und logisch geschultes Denken werde KI zur „Black Box für Unmündige“. Sie fordern eine Rückkehr der Literatur in die Lehrpläne und warnen vor einer Reduktion von Bildung auf bloße Verwertbarkeit.

Wiederkehr will seinen „Plan Z“ nun mit Bürgerforen weiterentwickeln. Als größtes Problem im Schulalltag nannten Eltern und Lehrer in einer Umfrage übrigens den Einfluss sozialer Medien – noch vor Bürokratie, psychischen Belastungen oder Zuwanderung.