Radiosender zerstört Jesus-Statue: Angriffe auf Islam seien „unangebracht“
Ein Videoausschnitt eines belgischen öffentlich-rechtlichen Radiosenders sorgte für Wellen der Empörung: Dort wurden zwei Jesus- und Marienfiguren mit einem Hammer zertrümmert. Die Moderatoren sagen, mit Symbolen anderer Religionen würden sie so nicht umgehen.
Eine unbedachte Aktion um schlechte Stimmung abzubauen, löste eine Welle der Kritik aus. Sogar die belgische Medienministerin äußerte sich zu dem Fall, der viele Christen verletzte.Screenshot / RDE / exxpress-Collage
Eigentlich sollte die Aktion lustig sein und für gute Laune sorgen. Doch ein Ausschnitt aus dem Live-Video des belgischen öffentlich-rechtlichen Radiosenders Studio Brussels, der vor allem Programm für junge Leute macht, führte zu Aufruhr in den sozialen Netzwerken. Dort zerstören die Moderatoren neben Geschirr und anderen Gegenständen eine Jesus- und Marienfigur. Nun entschuldigte sich der Sender.
Der umstrittene Clip entstand anlässlich des sogenannten „Blue Monday“ – dem dritten Montag im Jänner, der als deprimierendster Tag des Jahres gilt. In vielen Ländern wird dieser Tag mit Aktionen begleitet, die Frust und Stress symbolisch abbauen sollen.
Doch die Aktion des Radiosenders Studio Brussels, einem Sender des öffentlich-rechtlichen belgischen Rundfunksenders VRT, ging vielen anscheinend zu weit.
In dem Live-Video wurden verschiedene Gegenstände in einer Art „Wut-Raum“ mit einem Hammer zerschlagen – darunter auch eine Jesus- und eine Marien-Statue.
Katholischer Journalist stellt unbequeme Fragen
Bei den internationalen „Radiodays Europe“, einer Konferenz für Radio und Podcast, die vom 22. bis zum 24. März in Riga stattfand, hatte der katholische EWTN-Journalist Colm Flynn die Gelegenheit, die Moderatoren der „Blue Monday“-Sendung mit der Zerstör-Aktion zu konfrontieren.
Flynn fragte die zuständigen Moderatoren, ob sie nachvollziehen können, dass das Zerschlagen der heiligen Statuen die religiösen Gefühle vieler gläubiger Zuseher verletzte. „Das ist eine sehr gute Frage“, sagt Sam De Bruyn, leitender Produzent des öffentlich-rechtlichen Senders. „Es könnte Menschen verletzten, aber nicht in Belgien, weil es kein christliches Land mehr ist. Die Hörer von Studio Brussels verletzt es definitiv nicht“, erklärt er.
„In einem anderen Land würde ich vorsichtiger vorgehen“
Die Moderatoren sagen, dass alle zerstörten Gegenstände davor schon beschädigt waren – auch die beiden christlichen Statuen.
Bruyn gibt allerdings zu: „In einem anderen Land würde ich vorsichtiger vorgehen“.
Dann fragt der irisch-katholische Journalist die entscheidende Frage: „Wenn ihr das Video noch einmal machen würdet: Würdet ihr auch ein Symbol des Propheten Mohammed zertrümmern?“.
„Das ist eine sehr gefährliche Frage“, sagt der Produzent. Die Moderatorin Eva De Roo beantwortet die Frage mit einem klaren „Nein“. „Das wäre unangebracht“, meint sie. Ihr Begründung: In Belgien würden viele Muslime leben. Der Interviewer wirft daraufhin ein, dass auch Christen in Belgien leben und der Papst erst kürzlich das Land besucht habe.
Zertrümmern der Statuen sei ein „über sich selbst lachen“
De Roo antwortet: „Wir sind alle mit christlichen Traditionen aufgewachsen, deshalb ist das Zerschlagen einer Jesus-Statue auch eine Art, uns selbst auf die Schippe zu nehmen”. Deshalb sei das Zertrümmern der Statuen eine Art „über sich selbst lachen“. Das würde sie mit anderen Religionen nicht machen.
Gefragt, ob er einen jüdischen Davidsstern zerstören würde, antwortet auch der zweite Moderator mit einem „Nein“.
Journalist Flynn merkt an, dass es manche als heuchlerisch empfinden, wenn das Christentum attackiert werden, nie aber der Islam oder das Judentum. Außerdem habe der Sender auch christliche Zuseher und werde mit Steuergeldern finanziert.
Der Produzent verweist darauf, dass jeder Sender sein eigenes Publikum habe. Er würde eine Sendung, in der christliche Statuen zerschlagen werden, nicht auf anderen Kanälen zeigen. Studio Brussels sei „sehr alternativ“.
„Wir haben nicht wirklich darüber nachgedacht“
Am Ende des Interviews räumt De Roo ein: „Nach diesem Gespräch wurde mir bewusst: Es tut mir so leid, wir hätten es nicht machen sollen“. Sie gibt zu: „Wir haben nicht wirklich darüber nachgedacht. Wir zerstören alle möglichen Sachen und zufällig waren darunter auch diese alten Statuen dabei.“
Sender entschuldigt sich offiziell
In einer Stellungnahme räumte Yasmine Van der Borght, Sprecherin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks VRT, ein, dass Studio Brussel den umstrittenen „Blue Monday“-Sketch falsch eingeschätzt habe. Das berichtet das Onlinemedium Brussels Signal.
„Eva und Dries entschuldigen sich. Das Video war als humorvoller Beitrag gedacht, und sie haben unterschätzt, wie sensibel religiöse Symbole sein können. Sie verstehen, dass dies für manche Menschen beleidigend war und würden heute anders handeln“, sagte Van der Borght.
Auch belgische Medienministerin meldet sich zu Wort
Damit gesteht der Sender eine klare Fehleinschätzung ein. Zugleich stellte die VRT-Sprecherin klar, dass es für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zentral sei, allen Religionen mit Respekt und der nötigen Sorgfalt zu begegnen.
Auch aus der Politik kam deutliche Kritik. Medienministerin Cieltje Van Achter der konservativen belgischen Partei „Neue Flämische Allianz“ bezeichnete das Interview als „schmerzhaft“, schreibt Brussels Signal.
Zugleich würdigte sie, dass die Moderatoren inzwischen Reue zeigten. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass in einer offenen Gesellschaft alle Religionen Gegenstand von Spott und Kritik sein dürften.
Das Live-Video ist auf den offiziellen Seiten des Senders jetzt nicht mehr abrufbar.
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