Die Joseph-Beuys-Gesamtschule in Kleve schmückt sich mit den Titeln „Schule mit Courage“ und „Schule der Vielfalt“. Wie Bild berichtet, ist hier allerdings von Courage nur noch wenig zu spüren. Seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan wurde dort laut dem Blatt eine Anweisung erlassen, der zufolge Kinder sich beim Essen ihres Pausenbrots wegdrehen sollen – weil sich ihre fastenden muslimischen Klassenkameraden daran stören könnten.

„Die ‚Regel‘, sich wegzudrehen, für alle Kinder“

Eine Mutter berichtet gegenüber Bild: „Die muslimischen Kinder haben meiner Tochter und ihrer Freundin gesagt: Wir haben Ramadan, du musst jetzt fasten und dein Brot in die Tonne werfen! Als die Mädchen dann zum Lehrer gingen, sagte er, unsere Kinder sollen sich beim Essen wegdrehen.“ Daraufhin habe sie der Klassenlehrerin geschrieben: „Ich habe ja viel Verständnis, aber das geht definitiv zu weit.“

Die Lehrerin antwortete: „Wir haben gemeinsam darüber gesprochen, dass Trinken und Essen in den Pausen weiterhin vollkommen in Ordnung ist, aber, dass die Kinder, die nicht fasten, nicht mit ihrem Essen o.ä. provozieren sollen, da auch das vorgefallen ist. Die Kinder sollen sich im besten Fall gegenseitig nicht beim Essen oder Nichtessen beobachten, sodass die ‚Regel‘, sich wegzudrehen, für alle Kinder gilt.“

21 Kinder von 10 bis 12 Jahren besuchen die Klasse des betroffenen Mädchens. Davon haben 17 Schüler einen Migrationshintergrund, mehrere von ihnen fasten. Ein Junge, so berichtet Bild, habe die Schule bereits verlassen, weil er sich gemobbt gefühlt haben soll. Eltern berichten, dass einige dieser Schüler „Würge- und Kotzgeräusche“ gemacht hätten, wenn andere Kinder etwas aßen.

Als „hässliches deutsches Mädchen“ gemobbt

Eine Schülerin soll als „hässliches deutsches Mädchen“ gemobbt worden sein. Ein anderes Mädchen wird von ihrer Mutter zur Schule gebracht und abgeholt. Eine weitere Mutter zu Bild: „Im Gespräch mit dem Lehrer hat meine Tochter unter Tränen geschildert, dass sie sich im Klassenverband ausgegrenzt und diskriminiert fühlt. Insbesondere in den Pausen wird sie von Mitschülerinnen mit der Begründung, sie sei ‚deutsch‘, ausgeschlossen. Von unserer Tochter zu verlangen, sich beim Essen und Trinken wegzudrehen oder dies zu verbergen, stellt eine Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit dar.“

Die Schule befindet sich in Kleve in Nordrhein-Westfalen.NIUS/NIUS

Die beiden Mütter berichten, dass es in der Schule bislang keine gemeinsame Weihnachtsfeier gab, am 27. Februar wurde aber per Rundschreiben zum „Iftar“, dem täglichen gemeinsamen Fastenbrechen während Ramadan nach Sonnenuntergang, in der Schule eingeladen. „Dieses besondere Ereignis möchten wir wieder an unserer Schule gemeinsam mit Schülern, Lehrern und Eltern feiern“, soll in dem Brief stehen.

Dieser Beitrag ist ursprünglich bei unserem Partner-Portal NiUS erschienen.