In „exxpress live“ wurde am Donnerstag intensiv über mögliche Schläferzellen in Europa und die Sicherheitslage in Österreich diskutiert. Zu Gast waren heute Unternehmensberater Martin Engelberg und Autor Werner Reichel. Themen der Debatte waren die Terrorgefahr, die Verteidigungsfähigkeit Europas und politische Fehlentscheidungen im Umgang mit dem Iran.

Reichel: „Wenn es Schläfer gibt, können sie relativ leicht zuschlagen“

Autor Werner Reichel sieht eine ernste Gefahr für Europa. Jüdische Einrichtungen oder amerikanische Ziele könnten demnach im Fokus möglicher Anschläge stehen. „Die Anschlagsziele wären eher Synagogen oder amerikanische Einrichtungen“, erklärte Reichel. Gleichzeitig warnte er vor massiven Defiziten der Sicherheitsbehörden. Europa und Österreich hätten sich über Jahre hinweg auf andere Bedrohungen konzentriert. „Unsere Behörden haben sich jahrzehntelang auf den Kampf gegen Rechts konzentriert – den Islamismus haben wir verharmlost“, kritisierte er. Deshalb stehe Europa heute „ziemlich nackt da“, wenn tatsächlich Schläferzellen aktiv würden.

Auch der Terroranschlag in Wien im Jahr 2020 sei ein Beispiel dafür gewesen, dass Warnsignale nicht ernst genug genommen wurden.

Engelberg: „Wegducken hat sich bei Terrorismus noch nie bewährt“

Der Unternehmensberater Martin Engelberg betrachtet das Problem jedoch breiter. Europa habe sich politisch selbst geschwächt und wirke international zunehmend irrelevant. Er kritisierte vor allem die Reaktion europäischer Politiker auf die Eskalation im Nahen Osten. Appelle zu neuen Verhandlungen seien realitätsfern. „Diese Zurückhaltung kann zwei Gründe haben: wirtschaftliche Interessen oder die Angst vor Schläfern in Europa“, sagte Engelberg.

Seiner Ansicht nach hätte Europa viel früher klare Schritte unternehmen müssen, etwa indem die iranischen Revolutionsgarden auf die Terrorliste gesetzt worden wären. Dies sei jedoch jahrelang aus politischen Gründen blockiert worden.

Reichel: „Europa spielt in diesem Konflikt überhaupt keine Rolle“

Reichel fiel sein Urteil über Europas militärische Fähigkeiten besonders hart aus. Der Konflikt um den Iran zeige brutal, wie abhängig Europa von anderen Mächten geworden sei. „Wir können uns weder militärisch verteidigen noch im Inneren gegen Anschläge“, sagte er. Europa sei politisch und militärisch „komplett handlungsunfähig“.

Engelberg widersprach teilweise: Zwar müsse Europa sich stärker aufrüsten, doch auch künftig könne es sich nicht allein verteidigen. Sicherheit sei nur im Rahmen der NATO und gemeinsam mit den USA möglich.

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