Sachslehner: „Taskforce klingt gut – aber am Ende passiert nichts“
Der Österreich-Aufschlag und neue EU-Vorgaben treiben die Preise in die Höhe, verursachen Kosten und führen zu großem Unmut in der Bevölkerung. Warum viele Bürger das Vertrauen in die Regierung verlieren und warum Symbolpolitik nicht mehr ausreicht.
In „exxpress live“ diskutierten exxpress-Herausgeberin Eva Schütz und exxpress-Chefredakteurin Laura Sachslehner über steigende Preise, Shrinkflation und neue EU-Regeln. Im Zentrum stand die Frage, warum Einkaufen in Österreich immer teurer wird und ob eine „Taskforce“ daran wirklich etwas ändern kann.
„27 Prozent mehr – und niemand greift ein“
Ob Zahnpasta, Kaffee oder Schokolade: In Österreich kostet vieles deutlich mehr als in Deutschland. Der sogenannte Österreich-Aufschlag beträgt bis zu 27 Prozent. Für Sachslehner ist klar: „Dass man das seit Jahren hinnimmt, versteht draußen keiner mehr.“ Eine Taskforce auf EU-Ebene? Für sie klingt das nach einer Beruhigungspille. „Wenn Experten stundenlang diskutieren, ist das nett, aber noch lange kein politischer Beschluss.“ Nach einem Jahr Regierung müssten mehr als nur Ankündigungen kommen.
Schütz sieht das Kernproblem tiefer: Die Menschen hätten nach rund 30 Prozent Inflation in wenigen Jahren schlicht kein Geld mehr übrig. „Früher war das ein Problem einkommensschwacher Haushalte. Jetzt ist es in der Mittelschicht angekommen.“ Gleichzeitig explodierten die Bürokratie- und Beraterkosten. Ihr Fazit lautet: „Wenn nichts dabei herauskommt, ist das nur teuer und sinnlos.“
Auch beim Thema Shrinkflation – weniger Inhalt zum gleichen Preis – hält sich die Begeisterung in Grenzen. Neue Kennzeichnungspflichten? Für die beiden sind das Bürokratie-Monster ohne echte Wirkung. „Am Ende weiß ich, dass weniger drin ist – und zahle trotzdem mehr“, bringt Sachslehner es auf den Punkt.
EU-Regelwut: „Es geht bis ins Wohnzimmer“
Beim zweiten großen Block mit sieben neuen EU-Vorgaben – von der Gebäudesanierung über das Verbrenner-Aus bis zur Bargeld-Obergrenze – wurde die Debatte noch schärfer.
Für Sachslehner greifen diese Regeln „zutiefst in den persönlichen Lebensbereich“ ein. Sie bestimmen, wie wir wohnen, wie wir heizen und wie wir zahlen. „Ich brauche keine Institution, die mir erklärt, wie ich meinen Alltag zu führen habe.“
Schütz verweist auf die Gebäuderichtlinie mit Sanierungspflichten, CO₂-Vorgaben und höheren Kosten. „Wer soll das zahlen? Menschen, die jetzt schon überlegen, was sie im Supermarkt noch kaufen können?” Die versprochene „Win-win-Situation“ durch niedrigere Energiekosten sei angesichts hoher Strompreise und steigender Abgaben eine gewagte These.
Besonders emotional ist das Thema Bargeld: 71 Prozent der Österreicher zahlen laut aktuellen Zahlen weiterhin bar. Für Schütz geht es dabei nicht um Nostalgie, sondern um Kontrolle. „Die Menschen wollen nicht, dass ihr Konsumverhalten komplett nachvollziehbar wird.“ Der digitale Euro sei kein harmloses Zusatzangebot, sondern eine strukturelle Verschiebung.
Sachslehners Fazit ist deutlich: „Der Vertrauensvorschuss gegenüber der EU ist nicht mehr da.“ Zu oft seien große Projekte – vom Green Deal bis zu Detailregulierungen – an der Lebensrealität vorbeigegangen.
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