Eyad Hadrous hat es sich zur Aufgabe gemacht, „zu einem besseren Verständnis des Islams als Lehre und Lebensweise beizutragen“. Auf seiner, laut Impressum, in Berlin registrierten Homepage beantwortet er öffentlich und auf Deutsch Fragen aus der muslimischen Community. Zum Beispiel die nach der Zulässigkeit der Spirale zur Empfängnisverhütung. Hadrous’ antwortet mit Zitaten aus dem Fundus des 2001 verstorbenen Predigers Muhammad ibn Sālih al-Uthaymīn, einem der höchsten Religionsgelehrten Saudi-Arabiens.

Viele Ehefrauen, viele Kinder

Zum Thema Spirale lehrte al-Uthaymīn, dass diese nur erlaubt sei, wenn die Frau einen schwachen Körper hat oder sehr oft krank wird. Ansonsten aber gilt, was auf hadrous.de nachzulesen ist: „Was die islamische Ummah (Gemeinschaft, Anm.) tun sollte, ist ihre Nachkommen zu mehren. Ich rate euch daher viele Kinder auf die Welt zu setzen und viel zu heiraten. Ich meine, dass derjenige, der eine Ehefrau hat und in der Lage ist, eine zweite zu heiraten, der soll dies tun, wenn er eine starke Manneskraft hat, ausreichend Geld für eine weitere Frau und ein gerechter Mann ist. Eine zweite, eine dritte oder eine vierte zu heiraten, damit die Nachkommen mehr werden und die Ummah größer wird.“

Unterwäscheregel

Die Frauen sollten sich zwecks Erhöhung der Reproduktionsquote auch anderweitig ins Zeug legen, wie die Beantwortung dieser Frage erahnen lässt: „Ein Mann wünscht sich von seiner Ehefrau das Anziehen bestimmter Kleidung, Unterwäsche, etc. Die Ehefrau ignoriert den Wunsch des Ehemannes, was ihn zürnt und die Laune verdirbt. Was sagt die islamische Rechtsprechung (Scharia) darüber?“

Die Antwort an die „geehrte Schwester im Islam. Dein Ehemann hat dich ausgesucht, um mit Dir sein Leben zu verschönern. … Was meinst Du ist es für ein Gefühl, wenn der Mann auf dem Weg zur Arbeit und wieder zurück an so vielen Frauen vorbeigeht, die sehr attraktiv gekleidet sind und dann nach Hause kommt und seine Frau im schmuddeligen abgetragenen Pyjama vorfindet? … Die islamische Rechtsprechung gebietet einer Ehefrau sich für ihren Ehemann durch Kleidung, Düfte und anderes schön zu machen. … Wenn er dies von ihr verlangt und sie dem nicht nachkommt, gilt sie als ungehorsame Ehefrau, die eine Missetat begeht und sie wird dafür zur Rechenschaft gezogen.“

Sexmuffel verflucht

Ebenfalls dem Vermehrungszweck unterzuordnen hat sich die Frau beim Thema Sex: „Wenn der Mann seine Frau zu Bett bittet, sie sich aber weigert und er mit Ärger über sie einschläft, verfluchen sie die Engel bis zum nächsten Tag“, heißt es auf hadrous.de. Und das wird sogar ausdrücklich als Wahrung des Selbstbestimmungsrechtes verkauft, „denn vor der Eheschließung erklärten sich beide Partner bereit, eine islamische Ehe führen zu wollen und die Rechte des Partners zu achten“.

Zum Download angeboten wird zudem das Buch „Dinge, die eine rechtschaffene Ehefrau vermeiden sollte“. In einer Vorbemerkung des Autors erklärt Hadrous das Motiv für diesen Ratgeber: „In diesem kleinen Büchlein will ich hauptsächlich über die Eigenschaften der ungerechten Ehefrau schreiben. Der Grund dafür ist, dass viele Ehefrauen dazu neigen, sich selbst in die Opferrolle zu bringen und somit die eigentlichen Gründe für das Misslingen ihrer eigenen Ehe nicht bei sich selbst suchen, sondern immer nur bei ihrem Ehemann.“ Thematisiert werden das „grimmige Gesicht“ mancher Ehefrauen am Morgen, „die fehlenden, schönen Düfte“, wiederum die „nicht attraktive Kleidung“, die  „nicht gesenkte Stimme“ im Umgang mit dem Ehemann und vor allem: „Die ungerechte Gleichstellung“. Die Ehefrau nutze „jede Situation aus, um ihrem Ehemann zu zeigen, dass sie ihm ebenbürtig ist und dieselben Rechte hat wie er. Das deutet von starker Unwissenheit und Torheit zugleich.“

Eyad Hadrous: Glaube der Frau an Gleichberechtigung zeugt von Unwissenheit und Torheit.
Eyad Hadrous: Glaube der Frau an Gleichberechtigung zeugt von Unwissenheit und Torheit.

Gleichstellung, na und?

Die Passage ist versehen mit einer Fußnote, in der Hadrous auf die deutsche Rechtslage hinweist: „Laut deutscher Rechtsprechung gilt die Gleichstellung der Geschlechter. An dieser Stelle möchte ich aber darauf hinweisen, dass sich ein Ehepaar selbst aussuchen kann und darf, nach welchen Kriterien sie miteinander ihr Leben leben wollen. Dementsprechend stehen solche Entscheidung nicht gegen die hiesige Rechtsordnung. Es mag sein, dass es für bestimmte Ohren sehr befremdlich klingt, jedoch ist das eine Entscheidung, die jeder Muslim und jede Muslima für sich selbst trifft.“

Der Islamist ist sich offenbar der Problematik des von ihm verbreiteten Gedankengutes bewusst. Deshalb hat er gleich an den Beginn des Buches diesen Haftungsausschluss gestellt: „Alle Veröffentlichungen … können über gewisse Praktiken eines islamischen Staates mit islamischer Rechtsprechung berichten, was durchaus nach deutschen Maßstäben missverstanden werden könnte. Keineswegs soll dies ein Aufruf dazu sein, vielmehr ist es eine Aufklärungsarbeit, um Missverständnisse und Vorurteile abzubauen.“

Blutige Sühne

Ähnlich vorsichtig geht Hadrous auch bei einem anderen Buch vor, von dem er eine deutschsprachige Übersetzung herausgibt: „Die Krankheit und die Heilung”, basierend auf aus dem 14. Jahrhundert überlieferten Lehren des salafistischen Theologen Ibn al-Qayyim al-Jawziyya. Es handelt sich freilich nicht um einen Gesundheitsratgeber, sondern um einen ausführlichen Sünden-Sühne-Katalog. Es geht um verbotene Liebe, Ehebruch, sexuelle Obsessionen und Moral – und um die Strafen, die Allah dafür parat hat. Al-Jawziyya, der als Urahn des modernen Salafismus und Wahhabismus gilt, propagierte das Abhacken der Hand eines Diebes, die Steinigung von Ehebrechern und die Todesstrafe für homosexuelle Handlungen.

Das auch von der türkischen Buchhandlung Aiziye Kitabevi in Rudolfsheim-Fünfhaus und vom Al Hamra-Verlag in Wien-Liesing angebotene, vom Lifestyle-Shop Zahraa in Wien-Meidling sogar als „absolutes Muss für das Herz” angepriesene Buch wurde in der deutschsprachigen Printversion um die allerschrecklichsten Passagen gekürzt. Allerdings können Leser auf der Homepage des Herausgebers Hadrous die ausgesparten Passagen anhören, ebenfalls wieder in Verbindung mit einer Art Haftungsausschluss, die offenbar einer strafrechtlichen Verfolgung vorbeugen soll.

Worum es geht, erläutert Hadrous in einem abrufbaren Audiofile wörtlich so: „Diejenigen, die (in dem Buch, Anm.) auf Seite 315 angekommen sind, müssen jetzt leider deutlich zuhören, denn der Ausschnitt, der jetzt vorgetragen wird, befindet sich nicht in diesem Buch … damit es nicht in diesem Land zu Schwierigkeiten führt.“

Ein paar Sätze weiter wird klar, was die Schwierigkeiten auslösen würde: „Da die Verderbtheit des Geschlechtsaktes unter Männern zu den schlimmsten Formen der Verderbtheit zählt, gehört die Bestrafung dafür zu den heftigsten Strafen im Diesseits und im Jenseits“, erläutert Hadrous und beschreibt, wie die Todesstrafe zu vollziehen ist: „Man sucht nach der höchsten Stelle im Dorf und schmeißt ihn (den Homosexuellen., Anm.) herunter und bewirft ihn mit Steinen.“

Homosexuelle von der höchsten Stelle im Dorf stürzen: Eyad Hadrous findet, dass man das so sagen darf.
Homosexuelle von der höchsten Stelle im Dorf stürzen: Eyad Hadrous findet, dass man das so sagen darf.

„Das darf man sagen"

Auch hier mogelt sich Hadrous aus der Verantwortung, indem er darauf verweist, dass die vor 700 Jahren getroffen Aussagen „natürlich mit dem Gesetz in Deutschland nicht vereinbar” seien. Aber man dürfe „sagen, dass der Islam das so sieht“ Er mache nur  „von unserem Zitatrecht, Meinungsrecht“ Gebrauch. Dass es nicht bloß um eine historische Betrachtung geht, sondern durchaus um die Perspektive auf eine künftige Umsetzung der mittelalterlichen Islam-Strafen, verrät der Islamistenprediger mit diesem Satz: „…wir verdeutlichen, was wäre, wenn wir in einem islamischen Staat leben würden und dort auch islamische Rechtsurteile umgesetzt würden, was würde auf einen zukommen, damit man das weiß.“

Ja, die Menschen sollten wissen, was auf sie zukommt, wenn Leute wie Hadrous mehr Einfluss erlangen – und die Politik den von Islamisten bereits ausgehenden Einfluss unterschätzt.