In einem Instagram-Clip greift das Ministerium einen viralen Social-Media-Trend auf und inszeniert sich selbst als „Beschützer“ der Österreicher im Ausland. Doch statt Applaus hagelt es in den Kommentaren Kritik – viele Nutzer werfen der Behörde Selbstinszenierung vor, während noch immer Landsleute in der Krisenregion festsitzen.

Die erneute militärische Eskalation zwischen den USA und Israel auf der einen sowie dem Iran auf der anderen Seite hat den internationalen Flugverkehr in der Region massiv durcheinandergebracht. Zahlreiche Staaten haben ihren Luftraum aus Sicherheitsgründen geschlossen, wodurch der zivile Flugverkehr im Nahen Osten weitgehend zum Erliegen gekommen ist. Besonders an den großen Drehkreuzen Dubai und Abu Dhabi sitzen derzeit zahlreiche Reisende fest, viele davon auf der Durchreise zwischen Europa, Asien und Australien.

Unser "Beschützer"

Im Zuge der Rückholaktionen österreichischer Staatsbürger nutzte das Außenministerium die Gelegenheit, sich medial selbst zu belobigen. Dafür wurde ein aktueller Social-Media-Trend nachgespielt.

Zur Erklärung: Dubai-Influencer veröffentlichten zu Beginn des Nahost-Kriegs Postings auf ihren Kanälen, in denen Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum als “Beschützer” der Menschen gepriesen wird. Prompt folgten derartige Videos zu anderen Ländern, die jedoch oft mit einer humorvollen Wendung enden.

Berichte von E-Mails: "Keine weiteren Evakuierungsflüge geplant"

Im nachgemachten Video des österreichischen Außenministeriums wird in gewohnter Manier nachgefragt: “Hast du keine Angst? Du bist ja Österreicher im Ausland.” “Nein, denn ich weiß wer uns beschützt”, lautet die Antwort – während im Hintergrund Aufnahmen von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und ihrem Team laufen. In den Kommentaren hagelt es Kritik. “Ausreichend Evakuierungsflüge für Instavideos gemacht…Aufgabe erfüllt”, schreibt eine Userin. Ein weiterer User äußert ebenfalls seinen Unmut: “Ist das euer Ernst? Ich schäme mich!” Auch bei der Songwahl hat man kein glückliches Händchen bewiesen. Der Song “Papaoutai” handelt nämlich von Stromaes persönlicher Auseinandersetzung mit dem Verlust seines Vaters, der 1994 während des Völkermords in Ruanda ums Leben kam.

Außerdem berichten österreichische Bürger, die offenbar noch im Konflikt-Gebiet festsitzen, von E-Mails, die das Außenministerium an sie versendet haben soll. Darin heißt es: “Liebe Österreicherinnen und Österreicher, zum jetzigen Zeitpunkt sind keine weiteren Evakuierungsflüge geplant. Sollten Sie sich weiterhin in den Vereinigten Arabischen Emiraten befinden, ersuchen wir Sie, sich direkt mit den Fluglinien oder Reiseveranstaltern/Reisebüros in Verbindung zu setzen, um alternative Reiserouten oder Umbuchungsmöglichkeiten zu prüfen. Sollten Sie bereits ausgereist sein, bitten wir Sie, Ihre Reiseregistrierung entsprechend anzupassen. Die Österreichische Botschaft Abu Dhabi können Sie jederzeit unter (+971) 50 66 69 728 erreichen.”