Nach der Tötung von Irans Staatsoberhaupt Ali Chamenei wächst in Europa die Angst vor Vergeltung. In Deutschland schlagen Spitzenpolitiker Alarm – und warnen offen vor iranischen „Schläferzellen“.

„Vergeltungsmaßnahmen, auch durch iranische Schläferzellen in Europa, sind nicht auszuschließen“, sagte Marc Henrichmann (CDU), Vorsitzender des Bundestags-Gremiums zur Kontrolle der Geheimdienste, gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Seine Einschätzung: Das iranische Regime befinde sich „aktuell im absoluten Überlebenskampf“. Und weiter: „Das iranische Regime hat in der Vergangenheit wiederholt gezeigt, dass es seinen Terror auch außerhalb der eigenen Grenzen austrägt.“ Daher sei jetzt „Wachsamkeit das Gebot der Stunde.“

Jüdische Einrichtungen im Visier

Auch der deutsche Antisemitismusbeauftragte Felix Klein sieht eine verschärfte Gefahrenlage. Nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran müsse man von einer „gesteigerten Bedrohungslage für jüdisches Leben“ ausgehen, sagte er laut Funke-Mediengruppe.

Wien als geopolitischer Hotspot: Internationale Organisationen und Botschaften machen die Stadt zum Sicherheitsbrennpunkt.APA/Insights/Universal Images Group

Insbesondere nach der Tötung Chameneis sei damit zu rechnen, dass Teheran seine Netzwerke in Europa für Anschläge nutzen könnte. „Den Mechanismus zwischen erhöhten Spannungen im Nahen Osten und verstärkten Angriffen auf jüdisches Leben in Europa haben wir in der Vergangenheit immer wieder gesehen.“ Mehrere deutsche Bundesländer reagieren bereits.

Berlin mobilisierte zusätzliche Polizeikräfte. Hessen spricht von einer „erhöhten abstrakten Gefährdungslage“. Europa steht sichtbar unter Spannung.

Wien: Geheimdienst-Drehscheibe im geopolitischen Spiel

Und Österreich? Wien gilt seit Jahrzehnten als Drehscheibe internationaler Geheimdienste. UNO-City, IAEA und zahlreiche internationale Organisationen machen die Hauptstadt zu einem geopolitischen Hotspot.

Bereits im Juni 2025 warnte Terrorismusexperte Nicolas Stockhammer gegenüber der Krone, Wien sei für Teheran besonders interessant – auch wegen möglicher hybrider Operationen. Die iranische Botschaft zählt zu den größten Europas.

Polizei und Verfassungsschutz stehen im Austausch mit Partnerdiensten im Ausland.GETTYIMAGES/Michael Nguyen/NurPhoto

Stockhammer relativierte zwar, dass nicht zwingend klassische „Schläferzellen“ im Vordergrund stehen müssten. Die Bedrohung sei „multidimensional“ – von Cyberangriffen über Einschüchterung bis hin zu Einflussoperationen.

Österreich bleibt auf Terrorstufe 4

Wie das Innenministerium gegenüber dem exxpress bestätigt, wird die Lage „intensiv beobachtet“. Sicherheitsbehörden und Verfassungsschutz stehen im engen Austausch mit internationalen Partnern. Entscheidend: Seit dem 7. Oktober 2023 gilt in Österreich weiterhin Terrorwarnstufe 4 – die zweithöchste Stufe. Sie umfasst das gesamte Bundesgebiet. Damit gehen sichtbare und verdeckte Schutzmaßnahmen einher.

Zwar betont das BMI, es gebe derzeit „keine konkrete Gefährdung“. Gleichzeitig wurden die Sicherheitsbehörden „sensibilisiert“ und setzen „lageangepasste Maßnahmen“ zum Schutz betroffener Einrichtungen. Weitere Details nennt das Ministerium „aus sicherheitstaktischen Gründen“ nicht.