Schöllhammer: „Der Iran war immer nur sechs Monate von der Atombombe entfernt“
Neue Hinweise auf iranisches Uran für mehrere Atomwaffen schüren die Debatte über den Nahost-Konflikt und seine möglichen Folgen für Europa weiter.
In „exxpress live“ wurde am Mittwoch intensiv über die Eskalation im Nahen Osten und deren geopolitische Folgen diskutiert. Zu Gast waren Politikwissenschaftler Ralph Schöllhammer und Politik-Experte H. C. Strache. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie real die iranische Atomgefahr ist und ob militärische Schritte gegen Teheran nachvollziehbar wären.
„Eine Bedrohung – aber seit Jahren dieselbe“
Auslöser der Debatte sind Aussagen des US-Sondergesandten Steve Witkoff. Demnach sollen iranische Unterhändler offen erklärt haben, über 460 Kilogramm Uran mit einer Anreicherung von 60 Prozent zu verfügen – theoretisch ausreichend für mehrere Atomwaffen.
Schöllhammer warnte jedoch vor vorschnellen Schlüssen: „Die letzten zehn Jahre war der Iran immer sechs Monate von einer Atombombe entfernt.“ Diese Einschätzung sei politisch oft als unmittelbare Gefahr dargestellt worden, habe sich aber nie endgültig bestätigt. Gleichzeitig betonte er, dass der Iran seit Jahren ein undurchsichtiges Nuklearprogramm betreibe. Wenn ein Staat angeblich keine Atombombe entwickeln wolle, stelle sich zwangsläufig die Frage, warum Teile des Programms geheim gehalten würden.
Auch militärisch sieht Schöllhammer eine Dynamik: Mit jedem Tag der Angriffe könnten iranische Raketenbasen weiter geschwächt werden. „Es nützt mir nichts, wenn ich 200 bis 5000 ballistische Raketen besitze, aber nichts habe, von wo ich sie abfeuern kann“, so der Politikwissenschaftler.
Strache: „Der Weg zur Bombe war offensichtlich“
H. C. Strache sieht die Lage deutlich dramatischer. Selbst wenn der Iran noch keine fertigen Atomwaffen habe, sei der Weg dorthin klar erkennbar gewesen. „Die elf Atombomben, die gab es nicht. Aber der Prozess und der Weg dorthin war offensichtlich gegeben“, sagte der ehemalige Vizekanzler. Vor allem die Ideologie des Regimes müsse berücksichtigt werden. Teheran habe wiederholt die Vernichtung Israels propagiert und gleichzeitig Organisationen wie die Hamas oder die Hisbollah unterstützt. Strache stellte daher die zentrale sicherheitspolitische Frage, ob man wirklich warten solle, „bis ein religiös fanatisch geführtes Regime solche Waffen besitzt“.
Schöllhammer wiederum warnte davor, den Konflikt ausschließlich mit dem Atomprogramm zu erklären. Aus seiner Sicht spielten auch geostrategische Interessen eine Rolle, etwa der Versuch der USA, den Einfluss des Irans im Nahen Osten zu begrenzen oder China den Zugang zu iranischem Öl zu erschweren.
Am Ende blieb vor allem eines offen: Wie sich der Konflikt entwickeln wird, lässt sich derzeit kaum abschätzen. Schöllhammer formulierte es nüchtern: „Wir stehen am Anfang – niemand weiß, wie das ausgehen wird.“
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