Schöllhammer: „Warum immer nach dem Staat rufen? Das ist Aufgabe der Eltern"
Das geplante Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige wirft grundlegende Fragen auf: Wo endet notwendiger Schutz – und wo beginnt staatliche Bevormundung?
In „exxpress live“ wurde am Mittwoch kontrovers über ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige diskutiert. Mit dabei: Polit-Blogger Gerald Markel und Politologe Ralph Schöllhammer.
Kinderschutz oder staatlicher Griff nach der Kontrolle?
Digital-Staatssekretär Alexander Pröll will ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige bereits zum kommenden Schulstart umsetzen. Für Gerald Markel ist das kein Kinderschutz, sondern „eine Mogelpackung“. Sein Kernargument: Das Internet bleibe völlig frei zugänglich – reguliert würden ausgerechnet jene Plattformen, auf denen sich Jugendliche auch politisch informieren.
Markel warnt vor einer schleichenden Einführung von Identitätszwang: „Wie soll das kontrolliert werden, ohne digitale Ausweise, Gesichtserkennung oder Klarnamenpflicht?“ Die Konsequenz wäre das Ende anonymer Meinungsäußerung. Für ihn ist klar: „In Wahrheit geht es den Politikern überhaupt nicht um unsere Kinder. Es geht um die politische Beeinflussung unserer Kinder.“
Psychische Schäden sind real – aber Verbote lösen das Problem nicht
Ralph Schöllhammer widerspricht nicht grundsätzlich der Diagnose, wohl aber der politischen Ableitung. Er verweist auf internationale Studien, die insbesondere bei jungen Mädchen einen Zusammenhang zwischen Social Media und steigenden Raten von Depressionen und Selbstverletzung zeigen. „Das ist Evidenz, die man nicht ignorieren kann“, so Schöllhammer.
Gleichzeitig betont er aber die Grenzen staatlicher Eingriffe. Entscheidend sei nicht ein pauschales Verbot, sondern Verantwortung im Elternhaus. „Wenn ein Kind sechs Stunden täglich am Handy ist, ist das keine Frage für den Gesetzgeber, sondern für die Familie.“
Beide Gäste eint die Skepsis gegenüber Symbolpolitik. Ein Verbot könne leicht umgangen werden, schaffe neue Probleme – und verschiebe Verantwortung vom Privaten auf den Staat. Oder wie Markel es zuspitzt: „Je mehr der Staat erzieht, desto weniger Eltern tun es.“
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