Während Menschenrechtsgruppen von tausenden getöteten und schwer verletzten Demonstranten im Iran berichten, schickt der höchste Mann der UNO warme Worte nach Teheran: UN-Generalsekretär António Guterres gratuliert dem Regime – ausgerechnet zum Jahrestag der Islamischen Revolution.

Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA meldete „wärmste Glückwünsche“ an Präsident Masoud Pezeshkian – verbunden mit Appellen an „Dialog“ und „Solidarität“.

Für viele wirkt das wie blanker Zynismus.

UN-Chef António Guterres gerät zunehmend unter Druck, umstritten ist er schon länger.APA/AFP/ANGELA WEISS

Forderung nach Offenlegung des Schreibens

Der kanadische Anwalt Hillel Neuer, Geschäftsführer der NGO UN Watch in Genf, reagierte umgehend. Er fordert eine Veröffentlichung des vollständigen Briefs, samt Ausladung des iranischen Außenministers Abbas Araghchi vom UN-Menschenrechtsrat, und überdies eine Klärung, wie eine solche Gratulation mit der UN-Charta vereinbar sein soll.

Das Timing nach der brutalen Niederschlagung von Massenprotesten im Iran könnte brisanter kaum sein.

Blut auf den Straßen

Seit Jahresbeginn erschüttern neue Proteste das Land. NGOs berichten von tausenden Toten und zehntausenden Festnahmen. Teheran schaltete das Internet ab, und reagierte mit Schnellverfahren, Drohungen und Hinrichtungen. Selbst UN-Experten sprechen von der schwersten Repressionswelle seit 1979. Und genau jetzt gehen „wärmste Glückwünsche“ nach Teheran.

Der 11. Februar – Startsignal des politischen Islam

Die Islamische Revolution von 1979 war mehr als ein Machtwechsel. Sie machte den Iran zum ersten modernen Staat, in dem eine islamistische Ideologie die vollständige politische Kontrolle übernahm.

Von hier aus begann der staatlich organisierte Export des politischen Islam: Aufbau und Finanzierung militanter Stellvertretergruppen – vom Libanon bis in den Irak, nach Syrien und in den Jemen – und die systematische Verschmelzung von Religion und Staatsmacht. Putsch und neue Ordnung in Teheran inspirierten islamistische Bewegungen weit über die Region hinaus.

Mit KI generierte Bilder attackieren den UNO-General.X/Screenshot

Im Inneren hatte das eine blutige Bilanz: 8.000 bis 9.500 Hinrichtungen in den frühen Revolutionsjahren, systematische Repression gegen Opposition, Frauen und Minderheiten, die Exekution mehrerer tausend politischer Gefangener im Jahr 1988 – und im Jahr 2024 laut UN mindestens 975 Hinrichtungen, ein Höchststand seit Jahren.

Für viele Iraner steht der 11. Februar nicht für Souveränität, sondern für Gefängnisse, Folter und Exil. Und genau zu diesem Datum flattern Glückwünsche aus New York herein.

Auf X schlägt sich die wachsende Abneigung gegen die UNO in zahlreichen Kommentaren nieder.X/Screenshot

Wut-Sturm auf X

Tausende X-User reagierten empört auf Guterres:

„Der moralische Bankrott der UN.“
„Gratulation an die Mörder!“
„Keinen Cent mehr für diese Organisation.“
„Damit wissen wir, wo er steht: im Lager der Islamofaschisten.“
„Der Typ hat seinen moralischen Kompass verloren.“
„Wie kann man einem Regime gratulieren, das auf die eigene Bevölkerung schießt?“

Andere sprechen von einem „Verlust jeder Glaubwürdigkeit“. Auf X kursieren inzwischen Satire-Memes und KI-Karikaturen – der Spott ist ebenso groß wie die Wut.

PR-Desaster und Offenbarungseid

Das diplomatische Schreiben wird zur Briefbombe. Viele fragen sich: Wie kann die UNO dem Westen ständig Moral predigen – zu Menschenrechten, Migration, „Hassrede“ und Terrorgesetzen – und gleichzeitig einem Regime zum Revolutionsjubiläum gratulieren, das seine Bürger verfolgt und den politischen Islam zum Exportschlager gemacht hat? Das ist nicht nur ein PR-Desaster. Es ist ein Offenbarungseid.