So soll der „Österreich-Aufschlag“ jetzt endlich fallen
Gleiche Produkte, deutlich höhere Preise: Internationale Konzerne kassieren in Österreich kräftig ab. Nun soll der umstrittene „Österreich-Aufschlag” wegfallen – schon im Februar könnte sich etwas tun.
Identische Produkte, massive Preisunterschiede: Österreichs Konsumenten zahlen im EU-Vergleich deutlich mehr.APA/HANS KLAUS TECHT
Jahr für Jahr zahlen österreichische Konsumenten drauf – und das nicht wegen höherer Qualität, sondern aufgrund gezielter Preisstrategien großer Markenhersteller. Während identische Produkte in Deutschland deutlich billiger sind, müssen Händler hierzulande teurer einkaufen. Das Resultat sind Mehrkosten von bis zu 1000 Euro pro Haushalt und Jahr für Lebensmittel. Doch jetzt mehren sich die politischen Signale, dass der „Österreich-Aufschlag” endlich Geschichte sein könnte, so die Krone.
Gleiche Ware, drastisch höhere Preise
Ursache für die Preisunterschiede sind sogenannte territoriale Lieferbeschränkungen. Große Konzerne zwingen den österreichischen Handel dazu, Waren ausschließlich über ihre heimischen Ableger zu beziehen – selbst dann, wenn dieselben Produkte im EU-Ausland deutlich günstiger angeboten werden.
Die Bundeswettbewerbsbehörde geht von einem durchschnittlichen „Österreich-Aufschlag“ von rund acht Prozent aus. Ein Preisvergleich der Arbeiterkammer zeigt, wie massiv die Unterschiede tatsächlich sind:
– Cremissimo-Eis: 5,99 € (Ö) vs. 2,89 € (D) – +107 %
– Crunchips Paprika: 2,79 € (Ö) vs. 1,55 € (D) – +80 %
– Tomaten Dose (Oro di Parma): 2,19 € (Ö) vs. 1,55 € (D) – +41 %
– Gesichtswasser (Garnier): 6,13 € (Ö) vs. 2,67 € (D) – +129 %
– Flüssigseife (Palmolive): 2,59 € (Ö) vs. 1,33 € (D) – +95 %
– Klarspüler (Somat): 4,11 € (Ö) vs. 2,35 € (D) – +75 %
Besonders bei Drogerieprodukten zahlen Österreicher laut Arbeiterkammer bei rund 90 Prozent der Produkte mehr als deutsche Konsumenten.
Kanzler will Aufschlag noch heuer abschaffen
SPÖ-Klubvize Julia Herr spricht von einer „absoluten Frechheit, die abgestellt werden muss“. Sie betont: „Die Österreicherinnen und Österreicher könnten sich beim jährlichen Lebensmitteleinkauf rund acht Prozent sparen, wenn sich auch internationale Konzerne endlich an die Regeln halten müssten.“
Rückendeckung kommt auch vom Bundeskanzler. Bereits im Dezember versicherte Kanzler Stocker im EU-Hauptausschuss, dass sich Österreich für die Abschaffung des Aufschlags einsetzen werde. In der ORF-„Pressestunde“ unterstrich er dieses Ziel erneut: „Ich wünsche mir dafür mehr Möglichkeiten im EU-Rat, dem ich ja angehöre.“
Beim Neujahrsauftakt der ÖVP plädierte Stocker zudem dafür, dem EU-Rat ein Initiativrecht für Gesetzesvorschläge zu geben: „Die Beseitigung dieses Österreich-Aufschlags würde sich da für eine erste Initiative anbieten.“
Februar wird zum Schicksalsmonat
Um den Druck zu erhöhen, fordert Herr […] das Thema gleich bei zwei EU-Wettbewerbsratssitzungen im Februar auf die Agenda zu setzen. Am 2. Februar findet ein informelles Treffen auf Zypern statt und am 26. Februar eine formelle Sitzung in Brüssel. Die Tagesordnung ist zwar noch offen, doch Herr macht klar: „Der Österreich-Aufschlag gehört auch hier auf die Tagesordnung. Österreich muss jede Gelegenheit auf EU-Ebene nutzen, um den Österreich-Aufschlag abzuschaffen.“
Unterstützung kommt von mehreren EU-Staaten. Neben Österreich sind auch Belgien, Tschechien, Luxemburg, die Niederlande, Kroatien, Griechenland und Slowenien betroffen. Auch die Arbeiterkammer, der Handelsverband sowie Politiker unterschiedlicher Parteien ziehen dabei an einem Strang. Die EU-Kommission prüft inzwischen, ob diese Praxis künftig untersagt werden soll.
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