Jubel in Venezuela – Shitstorm in Österreich: Nicolás Maduro ist gestürzt und festgenommen – in Venezuela selbst und in zahlreichen Diaspora-Gemeinschaften herrscht Jubel. Weltweit kommt es zu Freudenkundgebungen. Auf Social Media äußern sich viele Venezolaner erleichtert, darunter auch Frauen, die seit Jahren über Repression, Haft und Misshandlungen berichten.

Parallel dazu entwickelt sich in Österreich eine andere Dynamik: Ein Social-Media-Posting der SPÖ-Frauen löst eine Welle an Kritik aus. Nicht nur wegen dessen, was dort gesagt wird – sondern vor allem wegen dessen, was fehlt.

Was die SPÖ-Frauen schreiben

In ihrer Stellungnahme verurteilen die SPÖ-Frauen das Vorgehen der USA gegen Venezuela. Sie erklären, Frauenbewegungen seien Friedensbewegungen und stünden auf der Seite von Frieden, Völkerverständigung und Zusammenhalt. Als Grundlage nennen sie Völkerrecht und Menschenrechte. Zugleich beziehen sie „klar Stellung gegen männliche Kriegstreiberei“.

Diese Aussagen werden derzeit auf Social Media zerrissen. Auslöser ist vor allem der thematische Rahmen, den das Posting setzt.

„Kein Wort darüber“ – der Kern der Kritik

Dass das Posting keine Erwähnung international dokumentierter Gewalt gegen Frauen in Venezuela enthält, sorgt in zahlreichen Reaktionen, Kommentaren und geteilten Screenshots für Erheiterung bis Empörung. Kritiker verweisen auf Berichte von UN-Untersuchungsmissionen und Menschenrechtsorganisationen, die seit Jahren über systematische Misshandlungen berichten.

Internationale Beobachter halten fest: Staatliche Sicherheitsorgane im Maduro-System haben Folter, Misshandlung und sexualisierte Gewalt als Mittel der Repression eingesetzt – gerade auch gegen Frauen, teils in Haft, teils im Zuge politischer Verfolgung.

Die Menschenrechtsorganisation Washington Office on Latin America (WOLA) beschreibt sexualisierte Gewalt in Haft als Instrument von Einschüchterung und Zwang. Genannt werden unter anderem erzwungene Nacktheit, sexualisierte Demütigungen, invasive „Kontrollen“ sowie Übergriffe durch Sicherheitskräfte. Die venezolanische NGO Foro Penal berichtet: Zwischen Jänner 2014 und März 2023 wurden 15.792 politisch motivierte Inhaftierungen dokumentiert – darunter zahlreiche Frauen.

Thomas Walach (Bild), früher in der SPÖ-Kommunikation tätig, kritisierte das Posting der SPÖ-Frauen scharf.APA/HANS PUNZ

EX-SPÖ-Mann Thomas Walach schießt nach

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält die Debatte durch eine Wortmeldung von Thomas Walach, der von 2022 bis 2023 Chef vom Dienst der digitalen Kommunikation der SPÖ-Bundespartei und des SPÖ-Parlamentsklubs war. Seine scharfe Kritik erntet wegen ihrer drastischen Worte auch Gegenreaktionen, die ihm Respektlosigkeit vorwerfen. Walach kontert: „Respektlos ist: Im Namen der Frauen ein Regime zu verteidigen, das Vergewaltigung von Frauen systematisch zur Unterdrückung einsetzt.“

Walach blieb mit seiner Einschätzung nicht allein. Unter seinem Posting finden sich auch zahlreiche zustimmende Reaktionen, die seine Empörung teilen.

X/Screenshot
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Ein Shitstorm in Wellen

Der Konflikt spielte sich nicht nur in Reposts ab – er entzündete sich bereits direkt unter dem Facebook-Posting der SPÖ-Frauen. In den Kommentaren prallen zwei Linien aufeinander: Während einige das Statement verteidigen und den Fokus auf Völkerrecht legen, kritisieren andere die Einseitigkeit und das Schweigen über ein repressives Regime und die dortige sexualisierte Gewalt gegen Frauen.

SPÖ Frauen/Facebook/Screenshot
SPÖ Frauen/Facebook/Screenshot

Unterdessen geht die Debatte auf X weiter.