Am Wochenende feierte sie Premiere: die neue Babler-Dokumentation „Wahlkampf“ von Regisseur Harald Friedl. Diese begleitet den SPÖ-Chef Andreas Babler durch das „Superwahljahr“ 2024. Die Kamera ist nahezu durchgehend dabei: im Auto, im Wohnmobil, bei internen Besprechungen, TV-Auftritten und auf Wahlkampftour quer durch Österreich. Der Anspruch des Films: zu zeigen, „wie erhält man die meisten Stimmen oder verliert die wenigsten?“, wie es in der Beschreibung heißt.

Das Cover der DokumentationFilmfonds Wien/Filmfonds Wien

Laut Filmtext soll dabei auch deutlich werden, „welcher Anstrengungen es bedarf und mit welchen Widerständen man beim Versuch rechnen muss, Partei wie Gesellschaft zu demokratisieren – und den politischen Diskurs mit Themen zu besetzen, die nicht einer neoliberalen, rechtspopulistischen oder gar libertären Agenda entspringen“.

Vom formulierten Anspruch ist im fertigen Film jedoch wenig zu spüren. Statt kritischer Distanz dominiert ein auffallend wohlwollender Blick. Gleich zu Beginn setzt der Film etwa auf ein „lustiges“ Hoppala, um Nähe zu erzeugen: Auf dem Weg zur Angelobung heißt es plötzlich: „Andi, deine Hose hat einen Riss.“ Auch Sätze wie „Alles gut, was kann schiefgehen?“ verstärken dieses Bild.

Impressionen aus der Dokumentation „Wahlkampf“ÖFI/ÖFI

Projekt kostet den Steuerzahler Hunderttausende Euro

Der größte Skandal liegt jedoch in der Finanzierung – denn diese trägt der Steuerzahler, wie exxpress recherchierte. Für die Produktion flossen mehrere hunderttausend Euro aus öffentlichen Mitteln: 190.000 Euro vom Österreichischen Filminstitut (ÖFI) sowie weitere 158.000 Euro aus Förderprogrammen.

Laut ÖFI-Website erhält das Institut im Jahr 2026 36,5 Millionen Euro aus Bundesmitteln, zusätzlich 2,5 Millionen Euro für ÖFI+. Auf exxpress-Anfrage verwies das Österreichische Filminstitut ebenfalls auf die veröffentlichten Angaben auf der Website.

ÖFI und ÖFI+ sind zwei unterschiedliche Förderschienen des Österreichischen Filminstituts (ÖFI). Während das klassische ÖFI Kinofilme inhaltlich, künstlerisch und wirtschaftlich fördert – von der Projektentwicklung bis zur Verwertung –, handelt es sich bei ÖFI+ um eine automatische Standortförderung nach dem sogenannten Standortprinzip. Diese ist an Ausgaben in Österreich gebunden und soll die Wettbewerbsfähigkeit sowie die Wertschöpfung am Filmstandort Österreich steigern.

Hinzu kommen Gelder des Filmfonds Wien, der von der Stadt Wien 2026 mit 12,5 Millionen Euro gefördert wird, sowie weiterer staatlicher Stellen.

Die tatsächliche Summe dürfte demnach noch deutlich höher sein als die bekannten 348.000 Euro. Der exxpress hat dazu bereits beim Ministerium nachgefragt, die Antworten liegen noch nicht vor.

Die Dokumentation läuft ab 24. April im Kino. (Eindrücke aus der Dokumentation)ÖFI/ÖFI

Zusammengefasst bedeutet das: Ein Film, dessen einziger Zweck es ist, einen SPÖ-Spitzenpolitiker über Monate hinweg zu begleiten, wurde von der öffentlichen Hand finanziert. Nicht nur das: Sowohl das Filminstitut als auch die Diagonale werden vom Kulturministerium gefördert – es entsteht der Eindruck, dass sich Andreas Babler als Kulturminister eine eigene PR-Doku finanziert hat.

Das Wahlplakat wird enthüllt. (Eindrücke aus der Dokumentation)ÖFI/ÖFI

Babler-Team war „nicht super happy“

Es hätte zunächst ein Film ausschließlich über Babler werden sollen, doch bald habe sich gezeigt, dass auch sein Umfeld „spannende Leute“ seien, erklärte Regisseur Harald Friedl nach der Premiere. Aus dem Team Bablers heißt es, man sei anfangs „nicht super-happy“ gewesen, von einem Kamerateam begleitet zu werden – mit der Zeit sei jedoch „Vertrauen entstanden“. Friedl betont zwar, dass der Final Cut allein bei ihm gelegen sei und Babler kein Mitspracherecht gehabt habe. Allerdings: Die Fotos der Premiere zeigen ein auffällig gutes und freundschaftliches Verhältnis zwischen dem jetzigen Vizekanzler und dem Regisseur.

Der Film startet am 24. April 2026 in den Kinos.

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