Frankreich erlebt einen historischen Absturz: Mehr als jeder vierte Franzose will sein Land dauerhaft verlassen – so viele wie seit fast 20 Jahren nicht. Der Grund: ein massiver Vertrauensverlust in Politik, Staat und Institutionen. Das zeigt eine Gallup-Studie, über die Euronews berichtet.

Binnen nur eines Jahres ist der Anteil der Auswanderungswilligen von 11 auf 27 Prozent explodiert. International ist ein solcher Sprung nahezu einzigartig.

Regierung, Justiz, Banken: Vertrauen im freien Fall

Besonders alarmierend: Das Vertrauen in die französische Regierung ist auf 29 Prozent abgestürzt – ein Minus von 13 Punkten in nur zwölf Monaten. Auch Justiz (50 Prozent) und Finanzinstitutionen (42 Prozent) verlieren massiv an Rückhalt. Kein anderer EU-Staat verzeichnet derzeit einen vergleichbaren Einbruch.

Ein Gallup-Redakteur spricht von einem beispiellosen Crash: Alle Fortschritte seit 2017 seien „innerhalb eines Jahres ausgelöscht“ worden.

Politisches Chaos, wirtschaftliche Angst

Seit der überraschenden Auflösung des Parlaments 2024 hangelt sich Frankreich von Regierung zu Regierung – ohne stabile Mehrheit, mit blockierten Budgets und permanenten Misstrauensanträgen. Die Folge: politische Lähmung.

Auch wirtschaftlich herrscht Endzeitstimmung. 67 Prozent der Franzosen glauben, dass sich ihre persönliche Lage verschlechtert. Nur 21 Prozent sehen Licht am Ende des Tunnels. Frankreich gehört seit Jahren zu den pessimistischsten OECD-Ländern.

„Monströse Steuern, Hass, keine Zukunft“

Die persönlichen Berichte sind drastisch: Unternehmer klagen über eine „monströse Steuerlast“, einen „Mangel an Chancen“ und eine „sehr schlechte Atmosphäre“. Kunden bleiben aus, das Geld reicht nicht mehr.

Andere sprechen offen von sozialer Kälte: In Frankreich herrsche „viel Hass zwischen den Menschen“. Statt einander zu helfen, ziehe man sich gegenseitig nach unten.

Selbst gut ausgebildete Fachkräfte sehen keine Perspektive mehr. Trotz Management-Karriere sei es ohne Erbe unmöglich, eine Wohnung zu kaufen – oder überhaupt noch in der eigenen Heimatstadt zu leben.

Spaltung, Angst, Repression

Viele blicken mit Sorge auf die Präsidentschaftswahl 2027. Das politische Klima sei „ultra-düster“, sagen Betroffene. Andere berichten von Angst vor staatlicher Repression bei Demonstrationen – Erlebnisse, die den Bruch mit Frankreich endgültig gemacht hätten.

Wer dem Staat nicht mehr vertraut, will weg

Die Gallup-Zahlen zeigen einen klaren Zusammenhang: Fast die Hälfte jener Franzosen, die dem Staat nicht mehr vertrauen, will das Land verlassen. Bei Menschen mit hohem Vertrauen ist der Anteil deutlich geringer.

Frankreich steht vor einer Zerreißprobe. Mit dem Ende der Amtszeit Macrons 2027 bleibt eine Frage offen: Kann das Vertrauen überhaupt noch repariert werden – oder stimmt das Land mit den Füßen ab?