Steuersenkung nur für Vegetarier? Bablers Lebensmittelliste sorgt für Aufruhr!
Apfel wird billiger, Fleisch bleibt teuer: Vizekanzler Andreas Babler hat seine Lebensmittelliste zur Steuersenkung präsentiert – und die fällt auffällig vegetarisch aus. Entlastet werden vor allem Käufer von Milch, Gemüse, Brot & Co., während Fleischesser praktisch leer ausgehen. Unterm Strich bleibt die versprochene Ersparnis für viele Haushalte überschaubar..
Vizekanzler Andreas Babler präsentierte seine Lebensmittelliste – Fleisch und Fisch fehlen darauf komplett.APA/HANS KLAUS TECHT
Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die große Maßnahme gegen die Teuerung als sehr selektive Entlastung. In der ORF-Pressestunde hat Vizekanzler Andreas Babler erstmals bekannt gegeben, welche Lebensmittel ab Juli nur noch fünf Prozent Mehrwertsteuer kosten sollen. Das Ergebnis der Liste: Gemüse, Getreide und Milchprodukte werden billiger– von Fleisch und Fisch fehlt jedoch jede Spur. Kritiker sprechen von einer Steuersenkung mit klarer Schlagseite.
Billiger einkaufen – aber kein Fleisch
Milch, Eier, Kartoffeln, Gemüse, Brot, Nudeln und Salz: Die von Babler präsentierte Liste liest sich wie ein klassischer vegetarischer Einkaufszettel. Zwar ist auch Obst enthalten, jedoch nur heimisches: Äpfel ja, Bananen nein. Fleisch- und Fischprodukte fehlen hingegen vollständig.
Der Vizekanzler begründet diese Auswahl mit Budgetdisziplin und dem Ziel, die heimische Produktion zu stärken. Ab Juli soll die Mehrwertsteuer für diese Produkte auf fünf Prozent sinken. Die Maßnahme richte sich an jene, „die vor dem Einkauf zuerst ins Onlinebanking schauen müssen”.
Die Babler-Liste im Überblick
Von der Steuersenkung erfasst sind laut Regierung folgende Lebensmittel:
– Milch, Milcherzeugnisse und Eier:
Milch (inkl. laktosefreie tierische Milch), Butter, Eier
– Gemüse (frisch, gekühlt und gefroren):
Kartoffeln, Tomaten, Zwiebel, Knoblauch, Lauch, Karfiol, Kohlrabi, Salate, Karotten, Rüben, Knollensellerie, Gurken, Bohnen, Erbsen, Kürbis, Paprika, Spargel sowie gefrorenes Gemüse wie Erbsen oder Spinat
– Obst:
Frische Äpfel und Birnen, frisches Steinobst wie Marillen oder Kirschen
– Getreide und Backwaren:
Reis, Weizenmehl, Weizengrieß, Nudeln ohne Füllung, Brot und Gebäck (auch glutenfrei) sowie Speisesalz
Besonders auffällt: Wer Fleisch und Fisch kauft, geht bei Bablers Liste leer aus.
8 Euro pro Monat – und viele bleiben außen vor
Laut Babler betrifft die Steuersenkung rund ein Drittel des täglichen Einkaufs. Pro Haushalt sollen dadurch jährlich knapp 100 Euro eingespart werden, das sind etwa acht Euro pro Monat. Für viele klingt das nach wenig, vor allem angesichts weiter steigender Preise bei Energie, Wohnen und Fleisch.
Die Maßnahme kostet insgesamt rund 400 Millionen Euro, davon 200 Millionen noch in diesem Jahr. Finanziert werden soll sie überwiegend durch die Paket- und Plastiksteuer. „Ich bin sehr stolz auf das Paket“, erklärte Babler, obwohl die SPÖ ursprünglich deutlich weitergehende Forderungen gestellt hatte.
Große Worte, kleine Wirkung
Es gibt nicht nur Kritik an der Höhe der Entlastung, sondern auch an ihrer Ausrichtung. Während vegetarische Grundnahrungsmittel profitieren, bleiben klassische Alltagsprodukte vieler Haushalte außen vor. Die Steuersenkung wirkt somit weniger wie ein umfassender Schritt gegen die Teuerung, sondern eher wie ein gezielt geschnürtes Paket mit klaren Grenzen.
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