In der zweiten Stunde von „exxpress live“ diskutierte Salzburgs FPÖ-Landeshauptmann-Stellvertreterin Marlene Svazek mit exxpress-Herausgeberin Eva Schütz. Dabei wurde kontrovers, grundlegend und emotional über Identität, Migration, Kinderlosigkeit und die Aufarbeitung der Corona-Krise geredet.

„Religionsfreiheit ja – Herrschaftsanspruch nein“

Ausgangspunkt war ein Salzburger Lokal, in dem Kopfbedeckungen – inklusive Kopftuch – verboten waren. Für Svazek ist das eine Frage der unternehmerischen Freiheit. „Ein Wirt darf Hausregeln aufstellen. Wenn das nicht mehr möglich ist, sind wir weit gekommen.“

Doch die Debatte ging weiter: Muezzinruf in deutschen Städten, Kalifat-Parolen auf Demonstrationen, sichtbare kulturelle Verschiebungen. Svazek warnt vor einer schleichenden Normalisierung: „Ich möchte nicht, dass das zur Selbstverständlichkeit wird.“

Für Schütz liegt das Problem nicht im privaten Glauben, sondern im politischen Anspruch. „Es geht nicht um Religion, sondern um gesellschaftspolitische Vorstellungen, die wir hier nicht haben wollen.“ Der entscheidende Unterschied zu anderen Religionen sei der Machtanspruch radikaler Strömungen.

Svazek ergänzt, dass Integration funktioniere, solange die Mehrheitsverhältnisse stabil seien. „Aber was passiert, wenn sie kippen?“ Eine Frage, die im Studio spürbar im Raum stand.

Kinderloses Österreich – „So geht sich das nicht aus“

Noch grundsätzlicher wurde es beim Thema Geburtenrate. Österreich liegt bei rund 1,3 Kindern pro Frau – weit unter dem notwendigen Bestandserhalt.

Für Svazek ist das „ein demografisches Rechenproblem“. Wer nur auf Zuwanderung setze, greife zu kurz. „Qualifizierte Zuwanderung heißt: Menschen kommen mit Job und Integrationswillen. Das hat mit Sozialmigration nichts zu tun.“

Schütz sieht einen wirtschaftlichen Kern: Hohe Abgaben, geringe Netto-Einkommen, unsichere Zukunftsperspektiven. „Wenn jungen Paaren kaum etwas bleibt, überlegen sie sich dreimal, ob sie ein Kind bekommen.“

Svazek kritisiert den gesellschaftlichen Druck auf Frauen: Karriere, perfekte Mutterrolle, Selbstverwirklichung – alles gleichzeitig. „Das geht sich nicht aus.“ Familienpolitik dürfe nicht zur reinen Arbeitsmarktpolitik verkommen.

Und dann das ungelöste Kapitel Corona: Sechs Jahre nach dem ersten Lockdown sei vieles nicht aufgearbeitet. Für Schütz sind zwei Punkte zentral: „Die massive Einschränkung der Meinungsfreiheit – und wie schnell Grundrechte außer Kraft gesetzt wurden.“ Svazek fordert eine echte Fehlerkultur: „Man muss auch einmal sagen können: Das war falsch.“

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