Tausende Pädagogen fehlen: Wiederkehr startet neue Offensive für Kindergärten
Der Personalmangel in Österreichs Kindergärten wird zum Systemproblem. Es fehlen mehrere Tausend qualifizierte Fachkräfte. Öffnungszeiten geraten unter Druck, Gruppen können nicht geführt werden. Jetzt reagiert das Bildungsministerium mit einer neuen Offensive – und setzt erstmals voll auf Elementarpädagogik.
Wiederkehr startet eine Image-Kampagne und fordert einheitliche Mindeststandards in Österreich: „Dass eine Assistenzkraft im Nachbarbundesland nicht arbeiten kann, ist absurd.“EXXPRESS/Stefan Beig
Am Freitag präsentierte Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) eine eigenständige Image- und Ausbildungskampagne, die erstmals den elementarpädagogischen Bereich in den Mittelpunkt rückt.
Zentrale Drehscheibe ist die neue Website www.elementarwichtig.at, die am 8. Jänner 2026 online ging. Dort werden erstmals alle Ausbildungswege, Zugangsvoraussetzungen und Berufsperspektiven übersichtlich gebündelt. „Das ist die erste Kampagne, die Elementarpädagogik nicht nur mitmeint, sondern ins Zentrum stellt“, unterstreicht Wiederkehr.
Millionen für neue Ausbildungsplätze
Trotz Sparzwang greift die Regierung nun tiefer in die Tasche: 32 Millionen Euro sind für rund 4.000 zusätzliche Ausbildungsplätze budgetiert. Für die Kampagne selbst wurden 63.000 Euro aufgebracht.
Ab Herbst 2026 werden die berufsbegleitenden BAFEP-Kollegs flächendeckend ausgebaut – gezielt für 20- bis 45-Jährige, die sich beruflich neu orientieren wollen, auch in ländlichen Regionen. Voraussetzung sind Matura, Berufsreife- oder Studienberechtigungsprüfung.
Neuer Bachelor soll Maturanten anlocken
Ein zentraler Hebel ist außerdem der neue akademische Zugang: Künftig entstehen Bachelorstudiengänge „Elementarpädagogik“ an Pädagogischen Hochschulen. Zielgruppe sind vor allem AHS-Maturanten, etwa der Maturajahrgang 2026.
Neu daran: Absolventen erhalten künftig direkt die Berufsberechtigung als gruppenführende Fachkraft. „Damit öffnen wir den Beruf erstmals systematisch für junge Menschen, die nach der Matura studieren wollen“, unterstreicht Wiederkehr. Das akademische Angebot soll das bestehende System ergänzen, nicht ersetzen.
Imagekampagne mit klarer Bildsprache
Begleitet wird die Offensive von einer modernen Imagekampagne. Vier neue Sujets setzen auf starke Kinderzitate, reduzierte Farben und verzichten bewusst auf klassische Kindergarten-Klischees. Ausgespielt wird die Kampagne vor allem online und als Bewegtbild – bis zum Ende der Anmeldefristen im April 2026.
„Elementarpädagogik ist die Basis unseres Bildungssystems. Wer Kinder in ihren ersten Lebensjahren begleitet, trägt enorme Verantwortung und leistet einen unschätzbaren Beitrag für unsere Gesellschaft“, erklärte der Minister.
Weg vom „Fleckerlteppich“
Parallel zur Kampagne läuft eine Reformpartnerschaft von Bund, Ländern und Gemeinden, deren Ergebnisse bis Ende des Jahres vorliegen sollen. Ziel sind einheitliche Mindeststandards bei Qualifikation, Gruppengrößen, Öffnungszeiten und Qualitätskriterien.
Wiederkehr kritisierte die aktuelle Situation scharf: „Dass eine Assistenzkraft nicht einmal im Nachbarbundesland arbeiten kann, halte ich für absurd – erst recht in einem europäischen Raum der Personenfreizügigkeit.“ Auch bei Bezahlung und der Unterstützung durch multiprofessionelle Teams gebe es Handlungsbedarf.
Klare Absage an neun Bildungssysteme
Angesprochen auf Forderungen einzelner Bundesländer nach mehr Eigenständigkeit erteilte Wiederkehr eine klare Absage: „Was es mit mir nicht geben wird, ist ein Bildungssystem, das in jedem Bundesland anders funktioniert.“
Mit der neuen Offensive soll nicht nur der akute Personalmangel entschärft werden – sondern ein Berufsfeld, das für das gesamte Bildungssystem entscheidend ist, endlich jene Aufmerksamkeit bekommen, die ihm seit Jahren fehlt.
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