Mit einem Posting auf X sorgt Hannes Jarolim für Aufsehen. Der frühere SPÖ-Justizsprecher erklärt das Attentat auf Donald Trump kurzerhand zum „billigen Fake“.

Sein Aufhänger: ein Bericht über mutmaßliche russische Wahlkampfpläne in Ungarn. Darin ist die Rede davon, dass im Kreml sogar über die Inszenierung eines Attentats auf Viktor Orbán nachgedacht worden sein soll – offenbar mit Blick auf die politische Wirkung des gescheiterten Anschlags auf Trump im US-Wahlkampf. Moskau, so die Darstellung, wollte Orbán damit im Wahlkampf helfen. Schon an dieser Geschichte kann man Zweifel haben. Noch bemerkenswerter ist jedoch der Schluss, den Jarolim daraus zieht.

Der langjährige Ex-Nationalratsabgeordnete findet das „großartig“, denn: „Jetzt ist’s bestätigt, was ohnedies alle gedacht haben: Das lächerliche Attentat auf Trump war billiger Fake.“ Das Problem: Genau das steht in dem von Jarolim geteilten Bericht nicht.

Acht Schüsse, ein Toter – was wirklich geschah

Am 13. Juli 2024 fällt in Butler, Pennsylvania, ein Mann mit einem halbautomatischen Gewehr über eine Wahlkampfveranstaltung her. Es ist kein Gerücht, keine Deutung, kein Narrativ – es ist vielfach dokumentiert. Der Täter: Thomas Matthew Crooks.

Er schießt achtmal. Eine Kugel trifft Donald Trump am Ohr. Ein Zuschauer wird getroffen und stirbt, zwei weitere werden schwer verletzt. Nach gut 15 Sekunden erschießt ein Scharfschütze des Secret Service den Angreifer.

Das FBI stuft den Vorfall von Beginn an als Attentatsversuch und möglichen Inlandsterrorismus ein.

Donald Trump bei seiner Nominierungsrede auf dem Parteitag der Republikaner in Milwaukee – wenige Tage nach dem Attentat, bei dem er am Ohr getroffen wurde.APA/AFP/ANGELA WEISS

Extrem knapp – und real

Wie knapp es war, lässt sich nicht auf Zentimeter genau berechnen. Fest steht: Trump wurde am Ohr von einem Projektil aus der Waffe des Täters verletzt. Das FBI spricht von einer Kugel – „ob ganz oder fragmentiert“. Wer hier von „Fake“ spricht, stellt sich nicht gegen Interpretationen, sondern gegen dokumentierte Realität.

Keine Spur für die These

Auch die Ermittlungen geben Jarolims Aussage keinen Halt. Bekannt ist, wer geschossen hat. Nicht bekannt ist ein Hintermann.

Das FBI erklärt ausdrücklich, es gebe keine glaubwürdigen Hinweise auf Mitverschwörer und keinen Hinweis auf eine ausländische Steuerung. Ein Motiv bleibt unklar. Aber: Nichts deutet auf eine Inszenierung hin.

Johannes Jarolim (SPÖ) im Nationalrat (2018) – der frühere Justizsprecher bezeichnete das Attentat auf Donald Trump als „Fake“.APA/HANS PUNZ

Geplant, nicht spontan

Was man weiß, spricht für das genaue Gegenteil eines „Fake“.

Crooks bereitete die Tat gezielt vor. Er recherchierte frühere Attentate, analysierte das Gelände, setzte eine Drohne ein und beschäftigte sich mit ballistischen Berechnungen. Er beobachtete Veranstaltungen und wählte Butler bewusst als Gelegenheit.

Das war kein Zufall. Und schon gar keine Show.

Der eigentliche Skandal

Wenn es einen belegten Skandal gibt, dann liegt er nicht in einer angeblichen Inszenierung. Sondern im Versagen der Sicherheitsbehörden.

Untersuchungen des US-Kongresses sprechen von gravierenden, vermeidbaren Fehlern bei Planung und Absicherung. Genau diese Lücken machten den Angriff überhaupt erst möglich.

Ein Satz – und seine Bedeutung

Vor diesem Hintergrund wirkt Jarolims Aussage besonders entlarvend. Er nennt ein Attentat, bei dem ein Mensch starb, zwei weitere schwer verletzt wurden und Donald Trump am Ohr getroffen wurde, allen Ernstes „lächerlich“. Dann legt er nach: Das sei „ohnehin das gewesen, was alle gedacht haben“ – also ein Fake.

Gerade dieser Satz sagt viel. Er deutet auf ein Umfeld hin, in dem solche Spekulationen offenbar von Anfang an kursierten und für glaubwürdig gehalten wurden – obwohl es dafür keinerlei belastbare Beweise gab.

Scharfe Reaktion

Der Politologe Ralph Schöllhammer widerspricht öffentlich und unmissverständlich: „Nichts von dem steht im Artikel.“ Und weiter: „Hier wird also glatt die Unwahrheit verbreitet – oder es mangelt an der Fähigkeit, sinnerfassend zu lesen“, kommentiert er auf X.