Die US-Regierung hat am Montag eine umstrittene Empfehlung ausgesprochen: Schwangere sollen Paracetamol – in den USA unter dem Markennamen Tylenol bekannt – nur noch im Notfall nehmen. Gleichzeitig kündigte die Arzneimittelbehörde FDA erstmals die Zulassung des Mittels Leucovorin zur Behandlung von Autismus-Symptomen an.

Warnung vor Paracetamol in der Schwangerschaft

Präsident Donald Trump erklärte im Weißen Haus, es gebe eine Verbindung zwischen Paracetamol-Einnahme während der Schwangerschaft und einem erhöhten Autismus-Risiko. Gemeinsam mit Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. riet er Frauen, das Medikament nur in Ausnahmefällen, in möglichst niedriger Dosierung und für kurze Zeit einzunehmen. Ärzte im ganzen Land sollen per Rundschreiben informiert werden, zusätzlich ist eine Informationskampagne geplant.

Medizinische Fachgesellschaften verweisen seit Jahren darauf, dass Paracetamol bei Schwangeren bislang als Mittel der Wahl gilt, weil Alternativen wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen mit Fehlbildungen in Verbindung gebracht werden. Der Hersteller Kenvue, 2023 aus Johnson & Johnson hervorgegangen, wies die Vorwürfe zurück. Man sehe keine wissenschaftliche Grundlage für den behaupteten Zusammenhang.

FDA setzt auf neues Medikament

Wissenschaftlich ist der Zusammenhang zwischen Paracetamol und Autismus nicht eindeutig belegt. Eine Harvard-Analyse mehrerer Studien deutete zuletzt auf ein mögliches erhöhtes Risiko hin. Andere Forschergruppen, darunter Teams aus Europa und Israel, widersprachen und verwiesen auf methodische Mängel.

Parallel stellte die Regierung ein neues Therapiekonzept vor. Die FDA erteilte Leucovorin eine Zulassung zur Linderung von Autismus-Symptomen. Das Mittel stammt ursprünglich aus der Krebstherapie und gehört zur Familie der Folate. Studien zeigen, dass manche Kinder mit Autismus Folat-Stoffwechselstörungen aufweisen und von einer Behandlung mit Leucovorin profitieren könnten. FDA-Chef Marty Makary sprach von „Hunderttausenden Kindern“, die dadurch Hilfe erhalten könnten. Auch die staatlichen Krankenversicherungen Medicare und Medicaid sollen die Kosten übernehmen.

Politische Debatte um Impfungen und Ursachen

Die Suche nach den Ursachen von Autismus bleibt umstritten. Präsident Trump warnte erneut vor einer „Überlastung“ von Babys durch zu viele Impfungen in den ersten Lebensmonaten und sprach sich für eine Verschiebung des Hepatitis-B-Impfschutzes aus. Fachgesellschaften widersprechen dieser Sicht, da gerade eine frühe Impfung vor einer Übertragung durch die Mutter schützt und schwere Leberschäden verhindern kann.

Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. betont seit Jahren die Rolle von Umweltfaktoren. Er wirft den zuständigen Forschungsbehörden vor, zu einseitig auf genetische Ursachen zu setzen und mögliche Umweltgifte oder Medikamente nicht ausreichend untersucht zu haben. „Das wäre, als würde man die genetischen Ursachen von Lungenkrebs erforschen, ohne die Rolle des Rauchens zu beachten“, sagte Kennedy. Damit fordert er, die Autismus-Forschung breiter aufzustellen – von der Genetik über Umwelteinflüsse bis hin zu medizinischen Faktoren.