Die Dreierkoalition ist noch jung, doch die Geduld vieler Wähler scheint begrenzt zu sein. Eine neue Umfrage von „Unique Research“ für Heute zeigt, wie angespannt die Stimmung im Land ist: Fast die Hälfte der Befragten kann sich ein Weiterregieren bis 2029 kaum vorstellen. Die Zahlen offenbaren tiefe Gräben nach Parteien, Alter und Bildung.

Patt in der Bevölkerung

Vorgezogene Neuwahlen galten in Österreich lange als politisches Tabu. Doch diese Zurückhaltung scheint zu bröckeln. Laut einer aktuellen Umfrage von „Unique Research“ wünschen sich 28 Prozent der Befragten „sehr“ eine vorgezogene Wahl, weitere 15 Prozent sind „eher“ dafür. Damit gibt es exakt ebenso viele Gegner: 23 Prozent sind „sehr“ dagegen, 20 Prozent „eher“ dagegen – ein politisches Patt.

Die Umfrage wurde zwischen dem 5. und 8. Jänner online unter 500 Personen ab 16 Jahren durchgeführt. Die maximale Schwankungsbreite liegt bei ±4,4 Prozent.

FPÖ-Anhänger drängen massiv

Das Ergebnis fällt bei den FPÖ-Wählern besonders deutlich aus. Mit 92 Prozent ist die Zustimmung zu Neuwahlen in dieser Gruppe überwältigend. Nur fünf Prozent dieser Gruppe möchten, dass die Regierung bis zum regulären Ende der Legislaturperiode im Jahr 2029 im Amt bleibt.

Bei den Wählern der Regierungsparteien sieht das Bild ganz anders aus. Dennoch zeigt sich auch hier Unzufriedenheit: Bei den SPÖ-Anhängern sprechen sich immerhin 25 Prozent für eine vorgezogene Wahl aus. Bei ÖVP- und Grün-Wählern sind es jeweils 19 Prozent und bei Neos-Anhängern lediglich 14 Prozent.

Wer will wählen – und wer nicht?

Die Umfrage zeigt deutliche Unterschiede je nach Alter, Bildung und Geschlecht. So sind 41 Prozent der 16- bis 29-Jährigen für Neuwahlen im Jahr 2026, in der Gruppe der 30- bis 59-Jährigen steigt dieser Wert sogar auf 50 Prozent, während 38 Prozent dieser Gruppe dagegen sind. Am skeptischsten sind die über 60-Jährigen. Nur 34 Prozent wollen vorzeitig wählen, während 58 Prozent das ablehnen.

Auch die Bildung spielt eine Rolle: Befragte mit Matura sind zu 58 Prozent gegen eine vorgezogene Wahl, während bei Personen ohne Matura die Befürworter mit 50 zu 37 Prozent in der Mehrheit sind. Zwischen Männern und Frauen gibt es hingegen kaum Unterschiede: Beide liegen bei 43 Prozent Zustimmung, wobei 46 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen dagegen sind.

Experte sieht offene Entwicklung

Der Meinungsforscher und Politik-Experte Peter Hajek ordnet die Zahlen gegenüber Heute vorsichtig ein. „Aktuell gibt es keine Mehrheit für vorgezogene Neuwahlen. Im Gegensatz zu früheren Jahren gibt es aber auch keine klare Mehrheit, die sich für ein Fortsetzen der Regierungsarbeit bis zum Ende der Legislaturperiode ausspricht. Die Stimmung ist aktuell sehr beweglich und kann sowohl in die eine als auch in die andere Richtung kippen.“

Für die Bundesregierung sei das ein klarer Auftrag. „Der viel diskutierte Austausch an den Parteispitzen von SPÖ und ÖVP wird wenig daran ändern. Man muss inhaltlich liefern“, so Hajek.