UN-Botschafter und Betrugsfirma: Neue Details belasten Somalias Vertreter
Neue Enthüllungen verschärfen den Skandal um den somalischen UN-Botschafter Abukar Dahir Osman. Screenshots, Firmenregister und Aussagen aus den USA zeichnen das Bild enger Verbindungen zu einem Unternehmen, das wegen Medicaid-Betrugs verurteilt wurde.
Der somalische UN-Botschafter Abukar Dahir Osman gerät wegen seiner früheren Rolle bei einem umstrittenen US-Gesundheitsunternehmen unter Druck.YouTube/Die Vereinten Nationen
Was zunächst wie ein politisches Gerücht wirkte, nimmt immer klarere Konturen an. Nach der öffentlichen Bestätigung durch einen hochrangigen US-Gesundheitsbeamten kommen nun weitere Details ans Licht, die den somalischen UN-Botschafter Abukar Dahir Osman massiv unter Druck setzen. Dokumente, Social-Media-Veröffentlichungen und öffentliche Register werfen Fragen zu Nebenrollen, Firmenstrukturen und möglichen Interessenkonflikten auf höchster internationaler Ebene auf.
LinkedIn-Screenshot bringt neue Brisanz
Ein von dem Social-Media-Account „Libs of TikTok“ veröffentlichter Screenshot von Osmans LinkedIn-Profil zeigt, dass der Diplomat von 2014 bis Mai 2019 als „Geschäftsführer“ von Progressive Health Care Services geführt wurde. Brisant dabei ist, dass sich dieser Zeitraum mit seiner Tätigkeit als Ständiger Vertreter Somalias bei den Vereinten Nationen in New York überschneidet.
Der Bericht behauptet zudem, dass Osmans Gesundheitsunternehmen „die gleichen Räumlichkeiten“ wie ein anderes Unternehmen nutzte. Darüber hinaus soll es „mehrere andere Unternehmen mit somalischen Namen unter derselben Adresse“ gegeben haben, was in den sozialen Medien für zusätzliche Spekulationen sorgte.
Firmenregister: „Präsident und CEO“
Auch öffentliche Aufzeichnungen werfen Fragen auf. So wird Abukar Dahir Osman dort als „Präsident und CEO“ von Progressive Health Care Services geführt – und zwar zu dem Zeitpunkt, als das Unternehmen 2009 als Anbieter von häuslicher Gesundheitsversorgung gegründet wurde.
Progressive Health Care Services steht im Fokus, da das US-Gesundheitsministerium (HHS) nach eigenen Angaben bereits Maßnahmen gegen das Unternehmen ergriffen hat, „nachdem es wegen Betrugs im Zusammenhang mit Medicaid verurteilt worden war“. Details zu Art und Umfang dieses Betrugs nannte das Ministerium bislang jedoch nicht.
Anrufe, Verwirrung – und Schweigen des Botschafters
Bei Kontaktversuchen zeigen sich zusätzliche Merkwürdigkeiten. Als The Post die in öffentlichen Verzeichnissen angegebene Telefonnummer von Progressive Health Care Services wählte, meldete sich ein Privatmann, der angab, nichts mit dem Unternehmen zu tun zu haben.
„Sie sind ungefähr der Hundertste, der wegen Progressive Health Care Services anruft“, sagte die Person gegenüber dem Medium und wollte wissen, wo seine persönlichen Kontaktdaten veröffentlicht seien. Weiter erklärte er: „Ich überlege mir jetzt, meine Nummer zu ändern.“
Osman selbst reagierte einem Bericht zufolge nicht auf eine Anfrage von The Post um Stellungnahme.
US-Regierung zieht harte Konsequenzen
Der Fall fällt in eine Zeit erhöhter Sensibilität. Angesichts eines Betrugsskandals im Bereich der Kindertagesstätten im Bundesstaat Minnesota beschloss Jim O’Neill, stellvertretender US-Gesundheitsminister, „alle Zahlungen für Kinderbetreuung an den Bundesstaat Minnesota“ auszusetzen.
In weiterer Folge fror das US-Gesundheitsministerium die Mittel für Kinderbetreuung in allen Bundesstaaten ein – „bis zum Abschluss der Ermittlungen“. Die Affäre um Progressive Health Care Services und die Debatten über den Missbrauch öffentlicher Gelder bilden dabei den politischen Hintergrund.
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