Kaum wurde das sogenannte Regierungs-Lotto vorgestellt, kracht es politisch – und zwar innerhalb der SPÖ-Familie. Während die Bundesregierung auf digitale Lösungen setzt, übt der rote Pensionistenverband Österreichs scharfe Kritik und stellt die Frage, für wen diese Lotterie eigentlich gedacht ist.

SPÖ gegen SPÖ: Kritik aus den eigenen Reihen

Mit der geplanten „Beleg-Lotterie“ möchte die Bundesregierung Verbraucher dazu motivieren, Barzahlungen konsequent zu verlangen und zu erfassen. Die Teilnahme ist allerdings ausschließlich digital vorgesehen. Genau das stößt dem Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) sauer auf.

PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer spricht von einem erneuten Ausschluss vieler älterer Menschen und findet deutliche Worte: „Schon wieder wird eine neue Maßnahme präsentiert, die Menschen ohne Internetzugang ausschließt.“

Sie kritisiert, dass die Bundesregierung bei mehreren Initiativen – von der Geräte-Retter-Prämie über den Klimabonus bis hin zum Regierungs-Lotto – ausschließlich auf Online-Teilnahme setzt, ohne analoge Alternativen anzubieten.

Online-Glücksspiel mit Hürden

Erst im Detail zeigt sich, worum es in der Kritik tatsächlich geht: Wer beim Regierungs-Lotto mitmachen möchte, muss seinen Kassenbon digital einreichen, beispielsweise über die FinanzOnline-App oder per E-Mail. Für viele ältere Menschen ist das keine Selbstverständlichkeit. „Wer bei diesem Regierungs-Lotto mitmachen will, muss seinen Kassenbon online hochladen – wer das nicht kann, bleibt außen vor. Das ist diskriminierend und ungerecht“, betont Gerstorfer. Das Internet sei für einen beträchtlichen Teil der älteren Generation weder Alltag noch selbstverständlich verfügbar.

Forderung nach analogen Alternativen

Der Pensionistenverband fordert daher ein rasches Umdenken. Gerstorfer verlangt konkrete Alternativen zur digitalen Teilnahme: „Es darf nicht sein, dass das Glück nur im Internet zu finden ist.“ Eine Teilnahme per Post, telefonisch oder über Gemeindeämter und Bürgerservice-Stellen sei laut PVÖ „leicht umzusetzen“ und würde allen Bürgern die gleichen Chancen eröffnen.

Zugleich betont der Verband, dass er die Digitalisierung nicht grundsätzlich ablehnt. „Wir begrüßen Digitalisierungsmaßnahmen, wenn sie das Leben einfacher machen – aber nicht, wenn sie Menschen ausschließen“, so Gerstorfer abschließend.

Was hinter dem Regierungs-Lotto steckt

Die Beleg-Lotterie ist ab Oktober geplant und soll bis Ende 2029 laufen. Monatlich sollen 100 Gewinner jeweils 2.500 Euro erhalten. Zusätzlich sind zweimal jährlich Sonderziehungen mit je 250.000 Euro vorgesehen. Pro Jahr dürfen maximal vier Millionen Euro an Preisgeldern ausgeschüttet werden. Teilnahmeberechtigt sind alle Personen ab 18 Jahren mit Hauptwohnsitz in Österreich. Die Gewinne bleiben steuerfrei.

Kritik kommt jedoch nicht nur vom Pensionistenverband. Auch aus Wirtschaftskreisen gibt es Bedenken: Der Handel fürchtet zusätzlichen Aufwand, etwa durch bewusst aufgeteilte Einkäufe, um mehr Belege zu sammeln. Zudem wird bezweifelt, ob das Modell tatsächlich messbar mehr Steuereinnahmen bringt.