Martin Fieder spricht öffentlich aus, was viele nur hinter vorgehaltener Hand sagen. Der Professor an der Universität Wien kritisiert die zunehmende woke-linke Ideologisierung an Universitäten und den sozialen Druck auf junge Wissenschaftler, wenn es etwa zu Themen wie Gendern oder Zweigeschlechtlichkeit kommt. Im Interview mit exxpress erzählt der Biologe von seinen Erfahrungen mit dem „Woke Mind Virus“ und über Moral, „die das ganze definiert“.

Er ist Biologe und assoziierter Professor für evolutionäre Demografie an der Universität Wien – und er scheut die Konfrontation nicht. Martin Fieder spricht im exxpress-Interview offen über das, was er an österreichischen und internationalen Universitäten beobachtet: eine zunehmende woke-linke Ideologisierung, sozialen Druck und das Ende der echten Meinungsvielfalt.

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„Mit dem Genderstern kam etwas irrationales rein“

Der Auslöser für Fieders Engagement auf der Plattform „X“ war, dass er eine wachsende Ideologisierung wahrnahm. Als konkrete Beispiele nennt er im Interview die Gender- und Postkolonialismus-Theorie. Diese seien „sehr ideologisch, sehr moralisch, sehr normativen Theorien“.

„Mit dem Genderstern kam etwas Irrationales rein, nämlich viele Geschlechter. Und das gibt es in der Biologie einfach nicht.”, beschreibt der Wissenschaftler in Situation an der Universität Wien.

Der langjährige Uni-Professor Martin Fieder im exxpress-Studio.
Der langjährige Uni-Professor Martin Fieder im exxpress-Studio.

Besonders absurd empfindet er Situationen wie diese: Studenten präsentierten in Bachelorarbeiten Konzepte wie „menstruierende Männer“ oder „gebärende Männer“. Für den promovierten Zoologen ist das schlicht unwissenschaftlich.

Seinen Widerstand äußert Fieder vor allem auf der Plattform X – bewusst, denn: „Wenn Sie es versuchen im Bluesky, werden Sie sehr schnell gecancelt. Auf X gibt es die Möglichkeit, das zu tun.“

Der Biologe bemerkt, dass sich immer mehr Menschen trauen, die Zustände beim Namen zu nennen. Als Beispiele nennt er den Evolutionsbiologen Richard Dawkins, die deutsche Islamexpertin Susanne Schröter und das „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“.

Sozialer Druck und Konformismus

Konsequenzen von der Universitätsleitung hatte Fieder bisher keine zu befürchten. Lediglich einige Studenten hätten ihn bei der Studienprogrammleitung angeschwärzt – ohne Ergebnis. Seinen Freimut erklärt er pragmatisch: „Ich habe einen unbefristeten Vertrag, ich bin 61 Jahre alt. Was soll mir schon passieren?“

Für jüngere Kollegen sieht die Situation jedoch anders aus: „Junge Kollegen in der Biologie fürchten sich davor, über Geschlecht zu sprechen, weil sie Angst haben, dass sie Druck bekommen.“ Das System funktioniere vor allem durch sozialen Druck und Konformismus, so Fieder.

Woher kommt die Ideologisierung?

Die Wurzeln des Problems sieht Fieder in den USA – genauer gesagt im Poststrukturalismus und der Postmoderne, in Denkern wie etwa Foucault und Butler. Diese Theorien stellten objektive Wahrheit grundsätzlich in Frage: „Es gibt keine objektivierbaren Tatsachen, das ist eine Frage der Macht und der Norm.” Für einen Naturwissenschaftler sei das „der komplette Gegensatz zur Naturwissenschaft.”

Eine Pro-Palästina-Demonstration an der Georgetown Universität in der US-Hauptstadt Washington D.C.
Eine Pro-Palästina-Demonstration an der Georgetown Universität in der US-Hauptstadt Washington D.C.

Über die sozialen Medien und Universitäten habe sich dieses Denken wie ein Virus verbreitet – Fieder stimmt dem Begriff „Woke Mind Virus” zu: „Hat sich einfach ausgeprägt über ganz westliche Gesellschaften und hat letztlich alle Universitäten damit infiziert.”

Eine aktuelle Studie belegt: 90 Prozent von mehreren hunderttausend untersuchten sozialwissenschaftlichen Aufsätzen im englischsprachigen Raum wurden dem linken Spektrum zugeordnet.

Moral und Politik: Genetisch verankert

Interessant sind auch Fieders Aussagen zur Moralpsychologie, angelehnt an den Sozialpsychologen Jonathan Haidt. Linke Moralvorstellungen seien stark auf Gerechtigkeit und Fürsorge fokussiert, während rechte Moralvorstellungen zusätzlich Autorität, Loyalität und kulturelle Zugehörigkeit betonten. Und: „Moral hat auch einen starken genetischen Hintergrund. Das ist stark angeboren. Ungefähr 50 bis 70 Prozent.“ Auch politische Einstellungen seien zu „zwischen 55 und 60 Prozent genetisch“ bestimmt.

Uni-Einsparungen und Studiengebühren

Zu den geplanten Einsparungen von einer Milliarde Euro an österreichischen Universitäten bis 2028 äußert sich Fieder zurückhaltend. Sein größtes Bedenken gilt jungen Wissenschaftlern: Befristete Verträge und Karriereprogramme seien bei harten Sparmaßnahmen zuerst gefährdet.

Beim Thema Studiengebühren hingegen ist der Zoologe klar positioniert – allerdings mit einem Modell nach US-Vorbild: Studiengebühren kombiniert mit Krediten, die später zurückgezahlt werden müssen. Sein Argument für Studiengebühren: „Was nichts kostet, ist nichts wert.“