Der steirische FPÖ-Soziallandesrat Hannes Amesbauer hält nicht lange hinterm Berg: „Asyl ist Schutz auf Zeit und darf kein Daueraufenthaltsticket im Sozialsystem sein“, unterstreicht er gegenüber dem exxpress. „Wenn kein Asylgrund mehr besteht, haben Bundes- und EU-Ebene endlich dafür zu sorgen, dass der Rechtsstaat ernst genommen wird und Rückführungen sowie Abschiebungen stattfinden.“

Und weiter: „Es ist nicht hinzunehmen, dass Syrien europäische Bürger als Urlauber anlocken möchte, während angeblich verfolgte Syrer es sich bei uns in der sozialen Hängematte gemütlich gemacht haben.“

Syrien bemüht sich mittlerweile um europäische Urlauber – der exxpress berichtete.

Syrer weiter Top-Gruppe – Großteil neue Anträge

Laut aktueller Asylstatistik des Innenministeriums zählt Syrien auch 2026 – gemeinsam mit Afghanistan – zu den wichtigsten Herkunftsstaaten (je rund 26 Prozent). Auffällig: Von 468 syrischen Antragstellern sind 444 Erstanträge. Trotz jahrelanger Migration kommen also weiterhin neue Antragsteller nach Österreich.

Steiermark: Tausende im Sozialsystem

Allein in der Steiermark zeigt sich die Dimension deutlich: 2.573 syrische Staatsbürger in staatlicher Unterstützung, davon 395 Asylwerber in Grundversorgung und 2.178 Personen in der Sozialhilfe.

Brisant: 98 Prozent der Sozialhilfe-Bezieher (2.124 Personen) verfügen bereits über einen asylbezogenen Status.

Hannes Amersbauer (FPÖ): Situation nicht länger hinnehmbar.APA/Eva Manhart

Offizielle Linie: Syrien bleibt Hochrisikogebiet

Gleichzeitig bleibt die offizielle Bewertung klar: Österreich führt Syrien weiterhin auf der höchsten Reisewarnstufe. Deutschland warnt ebenfalls unverändert vor Reisen. Begründung: instabile Sicherheitslage, militärische Spannungen und Risiken für Zivilisten.

Mit anderen Worten: Für Touristen gilt Syrien weiterhin als gefährlich.

EU-Bericht bringt Bewegung in die Debatte

Doch genau diese Einschätzung gerät zunehmend unter Druck. Die EU-Asylagentur European Union Agency for Asylum unterstreicht: In keinem Gebiet Syriens werde ein hohes Maß wahlloser Gewalt festgestellt.

Für die Region Damaskus wird sogar ausdrücklich festgehalten, dass für Zivilpersonen „kein reales Risiko“ besteht.

Das ist entscheidend: Über Jahre war die Annahme einer allgemeinen Gefährdung Grundlage für tausende Schutzentscheidungen. Fällt diese weg, wird Asyl wieder stärker zur Einzelfallprüfung.

Über 1,5 Millionen Rückkehrer – aber nicht aus Europa

Parallel dazu zeigen internationale Daten eine massive Rückkehrbewegung: rund 1,55 Millionen Menschen sind seit Ende 2024 aus dem Ausland nach Syrien zurückgekehrt, zusätzlich etwa 1,86 Millionen Binnenvertriebene innerhalb des Landes.

Rückkehr findet also statt – allerdings vor allem aus dem Libanon, der Türkei und Jordanien.  Europa bleibt die Ausnahme.

Der zentrale Widerspruch

Der Konflikt verdichtet sich, und er wird politisch immer brisanter: Syrien wirbt um Touristen, EU-Behörden sehen sinkende allgemeine Gefahren, Millionen Menschen kehren zurück.

Gleichzeitig bleibt das Land offiziell Hochrisikogebiet  und in Österreich zentral im Asyl- und Sozialsystem. Doch wenn Rückkehr möglich ist – und die Gefahrenlage neu bewertet wird –, wie lange kann der bestehende Schutzstatus in dieser Breite noch aufrechterhalten werden?