Eine brisante Verlautbarung des US-Finanzministeriums sorgt international für Aufsehen – sie betrifft maßgeblich auch Österreich. Im Zentrum steht eine Organisation, die laut den USA direkt von der palästinensischen Terrororganisation Hamas kontrolliert wird. Ein in Österreich lebender Aktivist, der als „einer der prominentesten Hamas-Vertreter in Europa“ bezeichnet wird, soll in ihr eine „Schlüsselposition“ inne gehabt haben.

Hamas-Tarnorganisation: Flottillen, Provokation – und Greta Thunberg

Nach Angaben des Amts für die Kontrolle ausländischer Vermögenswerte (OFAC) ist die „Volkskonferenz der Palästinenser im Ausland“ (Popular Conference for Palestinians Abroad, PCPA) keine unabhängige Diaspora-Organisation der Palästinenser, sondern eine von der Hamas gesteuerte Struktur. In der aktuellen Mitteilung heißt es, die PCPA handle „im Auftrag der Hamas“ und sei „Hauptorganisator“ mehrerer Flottillen, die im Sommer 2025 darauf abzielten, Israels Sicherheitsabsperrung um den Gazastreifen zu durchbrechen. An Bord eines dieser Konvois befand sich auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg.

Die „Volkskonferenz der Palästinenser im Ausland“ weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet die US-Sanktionen als politisch motiviert.

Bereits im September 2025 hatte der exxpress unter Berufung auf das israelische Außenministerium berichtet: die PCPA fungiere „als Vertretungskörper der Hamas im Ausland“. Wörtlich hieß es damals: „De facto agiert sie wie ‚Botschaften‘ der Hamas. Sie mobilisiert im Auftrag der Hamas gegen Israel – von gewalttätigen Demonstrationen bis hin zu Provokationsflottillen.“

Harte Konsequenzen: Sanktionen, eingefrorene Vermögen, Risiko für Banken

Mit der OFAC-Einstufung gilt die PCPA offiziell als von der Hamas kontrollierte Organisation. Vermögenswerte in den USA oder unter Kontrolle von US-Personen werden eingefroren, jede finanzielle oder organisatorische Unterstützung durch US-Bürger oder US-Unternehmen ist verboten.

Auch internationale Banken und Partnerorganisationen riskieren sekundäre Sanktionen, sollten sie weiterhin mit der PCPA zusammenarbeiten.

Im Gazastreifen ansässige Organisationen geben vor, palästinensische Zivilisten medizinisch zu versorgen, in Wahrheit unterstützen sie den militärischen Flügel der Hamas, die Izz-al-Din-al-Qassam-Brigaden, schreibt das US-Finanzministerium.GETTYIMAGES/Majdi Fathi/NurPhoto

Österreich im Fokus: US-Behörden nennen Adel Doghman

Besonders brisant für Österreich: In der US-Mitteilung nennen die Behörden den hier lebenden Aktivisten Adel Doghman (englische Schreibweise: Adel Saad al-Din Hassan Doughman). Nach Angaben der OFAC habe Doghman „eine Schlüsselposition innerhalb der PCPA“ innegehabt. Er wird als „einer der prominentesten Hamas-Vertreter in Europa“ bezeichnet; zudem heißt es, er habe „die Hamas-Aktivitäten in Österreich“ geleitet.

Auf seinem Facebook-Account veröffentlichte Adel Doghman wiederholt politische Inhalte. „Unsere Augen richten sich jeden Tag auf dich“, schrieb er etwa zu einem Foto von der Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem. Den heimischen Sicherheitsbehörden gilt er schon länger als amtsbekannt – und nicht nur ihnen.

Ermittlungen, Vereine, Auftritte: Doghman und Österreich

Auch für die US-Behörden ist Doghman kein neuer Name. Bereits im Herbst 2024 nahm das US-Finanzministerium den in Wien aktiven Palästinenser offiziell ins Visier. In einer damaligen OFAC-Presseaussendung wurde er als jene Person bezeichnet, die „für die Aktivitäten der Hamas in Österreich zuständig“ sei – und ebenfalls als „einer der prominentesten Hamas-Vertreter in Europa“.

Adel Doghman traf Hamas-Chef Ismail Hanija (r.), den man im Bild wiederum gemeinsam mit Yahya Sinwar (r.) sieht, dem Drahtzieher des Massakers vom 7. Oktober 2023.GETTYIMAGES/Momen Faiz/NurPhoto

Nach Darstellung des US-Finanzministeriums stand Doghman in engem Kontakt mit hochrangigen Hamas-Führern, bekleidete leitende Funktionen in Hamas-nahen Institutionen und nahm im Namen der Hamas an Konferenzen und Delegationen teil. Er habe zudem mit weiteren Organisationen kooperiert, die von den USA wegen ihrer Nähe zur Hamas sanktioniert wurden, darunter die „Union of Good“ sowie die al-Quds International Institution.

Die Einstufung erfolgte gemäß Executive Order 13224 im Rahmen von US-Sanktionen gegen ein internationales Netzwerk von Hamas-Finanzierern.

Knapp 50 Schiffe der Gaza-Flottille sammelten sich vor Koufonisi auf dem Weg nach Gaza.APA/AFP/Eleftherios ELIS

Nähe zur Hamas-Führung

Auch in Österreich taucht Doghmans Name seit Jahren im Zusammenhang mit Spendensammlungen, Vereinsstrukturen und Ermittlungsverfahren auf. 2021 rückte er im Umfeld der „Operation Luxor“ gegen mutmaßliche Mitglieder der Muslimbruderschaft – die Hamas ist ihr palästinensischer Arm – ins Blickfeld der Behörden. Es kam zu Hausdurchsuchungen, auch in einer Wiener Wohnung. Die Staatsanwaltschaft Graz ging von einem dringenden Verdacht aus, Doghman könne eine führende Persönlichkeit der Hamas in Europas ein. Die Ermittlungen wurden später eingestellt; es kam zu keiner Verurteilung.

In den vergangenen Jahren wurden Doghmans Kontakte zur Hamas-Führung auch öffentlich dokumentiert. Auf seinen Social-Media-Kanälen finden sich Beiträge, die ihn gemeinsam mit Hamas-Chef Ismail Hanija zeigen – Foto inklusive. Dazu schreibt er: „Mit Präsident Ismail Hanija und dem Berater des ägyptischen Präsidenten, Dr. Ayman Ali, bei einem Besuch in Gaza.“ Ayman Ali wurde nach dem Sturz von Präsident Mursi verhaftet und sitzt seither im ägyptischen Gefängnis.

Gerade das schließt den strategischen Kreis zur PCPA: Laut US-Behörden geht die internationale Rolle der Organisation auf eine langfristige Hamas-Strategie zurück. Am 19. April 2018 hielt ausgerechnet Ismail Hanija in einem Schreiben an das Politbüro fest, dass neben der Eskalation der Gewalt gegen Israel auch der systematische Ausbau internationaler Aktivitäten voranzutreiben sei – die PCPA sei dabei als zentrales Instrument identifiziert worden. Israel stellte dieses Schreiben sicher.

Hamas-Führer Ismail Hanija schrieb dem Generalsekretär der „Volkskonferenz der Palästinenser im Ausland“ (PCPA)Israelisches Außenministerium/X

Der exxpress ersuchte Adel Doghman vor Veröffentlichung mehrfach um Stellungnahme. Bis Redaktionsschluss ging keine Antwort ein. In allen Vorwürfen gilt für ihn die Unschuldsvermutung.

Auch das Bundesministerium für Inneres (BMI) bestätigte gegenüber dem exxpress: „Die genannten Einstufungen sind der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) bekannt. Erkenntnisse wie diese fließen – sofern relevant – in die Aufgabenerfüllung des Verfassungsschutzes mit ein. Für Österreich sind allerdings jeweils die nationalen und sowie die Sanktionsverordnungen der EU relevant.“