Das US-Finanzministerium geht erneut gegen ein internationales Hamas-Netzwerk vor – und erhebt massive Vorwürfe. Die Sanktionsbehörde OFAC setzte vier Organisationen auf die schwarze Liste, „die direkt den militärischen Arm der Hamas finanzieren“ und so Terroroperationen ermöglichen.

Die Methode laut US-Behörden: Tarnung als Hilfe. Hamas verstecke „Einnahmequellen hinter zivilen Organisationen“ und nutze humanitäre Strukturen gezielt zur Finanzierung.

Finanzminister Scott Bessent wird deutlich: „Die Hamas finanziert ihren militärischen Arm weiterhin, indem sie Schein-Wohltätigkeitsorganisationen ausnutzt.“ Im Zentrum steht ein „verdecktes globales Netzwerk“, das Geld an die Izz ad-Din al-Qassam-Brigaden schleust.

US-Finanzminister Scott Bessent kündigt hartes Vorgehen gegen mutmaßliche Hamas-Finanznetzwerke an: „Wir werden nicht zulassen, dass der gemeinnützige Sektor für gewaltsame Zwecke missbraucht wird.“APA/AFP/ANDREW CABALLERO-REYNOLDS

Besonders brisant: Darunter ist die Organisation Hayat Yolu – laut USA eine „Bank- und Finanzdrehscheibe der Muslimbruderschaft“. Die radikalislamische Terrororganisation Hamas ist der palästinensische Zwei der Muslimbruderschaft.

Spur nach Wien: Partnerorganisation im Fokus

Der Fall bekommt eine österreichische Dimension: Der in Wien ansässige Verein Rahma Austria nennt Hayat Yolu selbst als Partnerorganisation. In einem Facebook-Posting ist von Hilfseinsätzen „mit unserer Partnerorganisation Hayat Yolu“ die Rede, auch auf der Website wird die Organisation als Kooperationspartner bei einem Projekt in der Türkei genannt.

Damit rückt auch Österreich in den Fokus. Rahma Austria beschreibt sich als humanitäre NGO, die Hilfs- und Entwicklungsprojekte in Krisenregionen organisiert und über Spenden finanziert wird. Allerdings stand der Verein in der Vergangenheit bereits unter Terrorverdacht und geriet ins Visier der heimischen Behörden.

Jahrelange Ermittlungen gegen Rahma

Im Zuge der polizeilichen „Operation Luxor“ wurden 2020 auch bei Rahma Austria Hausdurchsuchungen durchgeführt. Schon damals ging es um den Verdacht auf Terrorismusfinanzierung und mögliche Hamas-Unterstützung. Dieses Verfahren wurde später eingestellt.

2024 ermittelte die Staatsanwaltschaft Graz dann wegen Betrugs, Veruntreuung und Abgabenhinterziehung. Im Raum standen vereinsfremde Reisen, nicht gemeldete Personen und fragwürdige Ausgaben. Zudem wurden 593.000 Euro Bargeld sichergestellt.

Vereinsobmann Taher Hassan (r.) wies die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Graz gemeinsam mit den Anwälten Andreas Schweitzer und Leonhard Krejcik zurück.Rahma Austria/Rahma Austria

Rahma wies alle Vorwürfe als „haltlos“ zurück. Das Geld sei lediglich bar verwahrtes Spendengeld gewesen. Am Ende hob das Oberlandesgericht Graz eine Beschlagnahme auf; Hinweise auf eine Täuschung von Spendern sah das Gericht nicht. Laut Verein und Medienberichten wurden alle Ermittlungen 2025 eingestellt.

Netzwerk mit System

Die US-Vorwürfe gegen Hayat Yolu, die von Rahma Austria als Partnerorganisation genannt wird, treffen auf ein Milieu, das seit Jahren als problematisch gilt. Im Zentrum steht UNIW (Union of NGOs of the Islamic World), ein 2005 in Istanbul gegründeter NGO-Dachverband. Analysen zufolge dient die Struktur dazu, islamistische NGOs weltweit zu koordinieren; der Analyst Steven Merley ordnet sie dem türkischen Netzwerk der Muslimbruderschaft zu.

Hayat Yolu ist Teil dieser Struktur.

Der Dachverband führt Hayat Yolu ausführlich als Mitglied an.www.idsb.org/Screenshot

Wie belastet dieses Umfeld ist, zeigen konkrete Beispiele. Die UNIW-nahe Organisation FIDDER empfing laut Recherchen hochrangige Hamas-Mitglieder. Zugleich beschreiben Analysen die Türkei als operatives Zentrum, in dem Gelder gesammelt, investiert und weitergeleitet werden. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Hamas-Funktionär Zaher Jabarin, der internationale Finanzströme der Organisation koordiniert.

Noch brisanter ist eine konkrete personelle Überschneidung: Laut der Analysefirma Kharon ist Wala Abu Musabah, ein Vorstandsmitglied der von den USA sanktionierten Gaza-Organisation Qawafil Al-Khair, zugleich Gaza-Manager von Hayat Yolu. Qawafil Al-Khair wurde vom US-Finanzministerium als angebliche Wohltätigkeitsorganisation eingestuft, deren Finanzierung den Terror der Hamas ermögliche.

Damit geht es um direkte personelle Verflechtungen. Hinzu kommt laut Kharon: Hayat Yolu arbeitet mit Organisationen in Europa und Südostasien zusammen, deren Führung sich mit bereits sanktionierten Hamas-Strukturen überschneidet.

Humanitäre Hilfe im Dienste der Hamas-Mörderbande: So lautet der Vorwurf. GETTYIMAGES/Majdi Fathi/NurPhoto

In das weitere Netzwerk reichen auch politische Kontakte hinein: Laut Recherchen sind Treffen zwischen Hamas-Vertretern und politischen Akteuren dokumentiert. NGOs, Geldflüsse und politische Netzwerke greifen damit ineinander. Die Summe dieser Verbindungen ergibt ein konsistentes und hochproblematisches Gesamtbild.

Schweigen – trotz brisanter Fragen

Der exxpress stellte Rahma Austria bereits am Freitag zentrale Fragen: Wie eng war die Zusammenarbeit mit Hayat Yolu? Besteht sie noch? Wie bewertet der Verein die US-Vorwürfe? Gab es interne Prüfungen?

Bis Dienstag blieb jede Antwort aus.

Sanktionen mit globaler Wirkung

Die Folgen der US-Sanktionen sind erheblich: Vermögenswerte werden eingefroren, Geschäftsbeziehungen verboten, Banken und Partner geraten unter Druck. Im Extremfall droht sogar der Ausschluss vom US-Finanzsystem.

Damit ist klar: Es geht nicht um Symbolpolitik. Es geht um Geld, Netzwerke, internationale Verflechtungen – und eine Spur, die nach Wien führt.