Van der Bellens Kopftuch-Sager geht viral – US-Gouverneur reagiert scharf
Was für eine Blamage: Ein sieben Jahre altes Video von Bundespräsident Alexander Van der Bellen sorgt wieder für Aufregung. Seine umstrittene Kopftuch-Aussage aus 2017 verbreitet sich mit englischen Untertiteln rasant auf X. Sogar Floridas Gouverneur Ron DeSantis schüttelt den Kopf.
Ein sieben Jahre alter Satz von Bundespräsident Alexander Van der Bellen entfaltet plötzlich internationale Sprengkraft. Ein Video aus dem Jahr 2017, versehen mit englischen Untertiteln, verbreitet sich seit dem 8. Jänner rasant auf X – und sorgt weltweit für Empörung, Spott und Fassungslosigkeit.
🚨PRESIDENT OF AUSTRIA ASKS ALL WOMEN TO WEAR A HIJAB
— Basil the Great (@BasilTheGreat) January 8, 2026
“With increasing Islamophobia - the day will come where we have to ask ALL Women to wear a head scarf to show solidarity with those who do so for religious reasons”
Why are European leaders so mental? pic.twitter.com/FaEYINTf4t
In dem Mitschnitt ist Van der Bellen bei einer Diskussionsveranstaltung vor Jugendlichen zu hören. Er spricht über Islamophobie – und sagt jenen Satz, der nun wieder hochkocht: „Wenn das so weitergeht (…) bei dieser tatsächlich um sich greifenden Islamophobie, wird noch der Tag kommen, wo wir alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen – alle, als Solidarität gegenüber jenen, die es aus religiösen Gründen tun.“
Was damals als zugespitzte Bemerkung gemeint war, wird heute international als Sinnbild für politische Naivität, kulturelle Kapitulation und elitäre Realitätsferne gesehen.
US-Gouverneur greift Van der Bellen scharf an
Die Debatte reicht nun über Europa hinaus. Floridas republikanischer Gouverneur Ron DeSantis teilte das Video auf X und übte offene Kritik. Er kommentierte: „Die Verantwortungslosigkeit so vieler politischer Führungen in ganz Europa ist wirklich ein erschreckender Anblick.“
Dass ein amtierender US-Gouverneur einen österreichischen Bundespräsidenten öffentlich angreift, verleiht dem Video zusätzliche internationale Wucht.
The fecklessness of so many leaders throughout Europe is really a sight to behold… https://t.co/BbRPHRGgfl
— Ron DeSantis (@RonDeSantis) January 9, 2026
Spott, Wut, Empörung: Das Netz explodiert
Auf X überschlagen sich die Reaktionen. Das Spektrum reicht von scharfer Kritik über Sarkasmus bis hin zu blankem Entsetzen.
Ein Nutzer erläutert zunächst: „Zur Einordnung: Das ist keine aktuelle Aussage. Der Clip stammt aus März 2017, kurz nach Van der Bellens Amtsantritt, bei einer Diskussion mit Schülern in Wien.“ Doch Verständnis dafür zeigen nur wenige. Die meisten reagieren ablehnend oder empört:
„Das ist Wahnsinn.“
„Unglaublich.“
„Kein gesunder Menschenverstand.“
„Was zur Hölle?“
Besonders häufig taucht der Vorwurf der Doppelmoral auf. Caroline Franssen, eine niederländische Unternehmerin und Coach, schreibt: „Er fordert Solidarität von Frauen – aber nicht von Männern. Das sagt eigentlich alles.“
Iran-Vergleich sorgt für zusätzliche Brisanz
Internationale Nutzer ziehen zudem Vergleiche zu Ländern, in denen Frauen gegen den Kopftuchzwang kämpfen. Alan D. Miller, ein US-amerikanischer Arzt, schreibt: „Während Frauen im Iran buchstäblich auf der Straße protestieren, um sich vom Zwang zum Kopftuch zu befreien, ist das hier atemberaubend beleidigend.“ Der Vergleich wird tausendfach geteilt – und verstärkt den Eindruck einer westlichen Doppelmoral.
Nicht nur aus den USA, auch aus Europa kommt scharfer Widerspruch. Der Nutzer „Grumpy Tyrolean“, der sich selbst als Österreicher bezeichnet, schreibt: „Ich schäme mich für diese widerwärtigen Worte des Präsidenten meines geliebten Österreichs.“
Andere Kommentare zielen auf die politische Führungsebene insgesamt:
„Den Begriff ‚Führung‘ verwendet man hier wohl sehr großzügig.“
„Sie liefern Führung – nur nicht für ihre eigene Bevölkerung.“
Ein weiterer Nutzer fasst die Stimmung knapp zusammen: „Das ist eine Tragödie.“
Schweigen heute – Rechtfertigung damals
Aktuell bleibt der Bundespräsident stumm. Auf Anfrage eilte die Präsidentschaftskanzlei mit, dass man zu der Angelegenheit keine Stellungnahme abgeben werde.
Nach der ursprünglichen Aufregung im Jahr 2017 hatte Van der Bellen seine Aussage jedoch verteidigt. Damals erklärte er, er sei „kein großer Freund des Kopftuchs“, betonte jedoch, dass in Österreich Meinungsfreiheit herrsche. Sein Umfeld argumentierte, die Aussage sei bewusst zugespitzt gewesen, um auf die Stigmatisierung kopftuchtragender Frauen aufmerksam zu machen.
Später räumte Van der Bellen selbst ein, dass „nicht jedes Wort mit der nötigen Bedacht gewählt“ gewesen sei. Sieben Jahre später zeigt sich: Der Satz ist geblieben – und holt den Bundespräsidenten nun mit voller internationaler Wucht wieder ein.
Schon 2017 massive Kritik
Bereits unmittelbar nach der Aussage im Jahr 2017 hatte Van der Bellens Kopftuch-Sager in Österreich heftige Reaktionen ausgelöst. In sozialen Medien dominierten Empörung, Spott und scharfe Ablehnung. Zahlreiche Kommentare sprachen von Realitätsferne, einige forderten sogar politische Konsequenzen.
Aus der Politik kam massiver Gegenwind. FPÖ-Politiker Herbert Kickl bezeichnete die Aussage als „integrationspolitischen Amoklauf“. Auch der damalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache forderte eine Entschuldigung und warf Van der Bellen vor, mit sensiblen historischen und gesellschaftlichen Fragen leichtfertig umzugehen. Die Wortwahl des Bundespräsidenten sei „völlig daneben“, hieß es damals.
Unterstützung erhielt Van der Bellen hingegen von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ). Dort wurde die Aussage als wichtiges Signal gegen zunehmende Islamfeindlichkeit verteidigt. Man müsse Frauen schützen, die aufgrund ihres Kopftuchs angefeindet würden, argumentierte die IGGÖ.
Scharfe Kritik kam wiederum von Frauenrechtlerinnen, darunter auch Ex-Musliminnen. In offenen Briefen warfen sie Van der Bellen Sexismus und eine Verharmlosung religiöser Unterdrückung vor. Gerade in Ländern, in denen Frauen zum Tragen des Kopftuchs gezwungen würden, sei eine solche Aussage ein fatales Signal, hieß es schon damals.
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