Venezuela kippt – Kreml machtlos: Warum Putin jetzt Milliarden verliert
Maduro ist weg – und in Moskau schrillen die Alarmglocken. Für Putin bricht ein wichtiger Vorposten im US-Hinterhof weg: Öl-Deals versiegen, Einfluss schmilzt, Milliarden stehen auf dem Spiel. Die USA halten jetzt den Schlüssel zu Venezuelas Öl-Schatz.
Putin verliert Einfluss: Venezuelas Öl wird blockiert – Moskaus Karibik-Hebel bricht weg.APA/AFP/POOL/KAZAKOV/GETTYIMAGES/ANGEL RAMIREZ
Der Machtbruch in Caracas ist kein Befreiungsschlag für den Ölmarkt, sondern ein Schock. Venezuela besitzt die größten bestätigten Ölreserven der Welt – doch aktuell bringt dieser Reichtum kaum Geld. Der Grund ist simpel: politische Unsicherheit plus Blockade ergeben Stillstand.
Zuletzt förderte Venezuela rund 1,1 Millionen Barrel pro Tag. Noch Ende 2025 wurden davon etwa 950.000 Barrel täglich exportiert. Nach Maduros Sturz brachen die Exporte zeitweise auf unter 500.000 Barrel pro Tag ein. Tanker bleiben aus, Versicherungen ziehen sich zurück, Förderanlagen werden gedrosselt.
Mehr als 45 Prozent der nationalen Lagerkapazität sind bereits gefüllt. Rund 17 Millionen Barrel liegen auf blockierten Schiffen vor der Küste. Öl ist da – aber es bringt kein Geld.
Russlands Problem: Der Karibik-Hebel ist weg
Für Russland war Venezuela weit mehr als ein weiterer Ölstaat. Es war ein strategischer Vorposten im direkten Einflussbereich der USA – ein Beweis dafür, dass Moskau auch im „Hinterhof“ Washingtons mitspielt. Genau dieser Hebel bricht jetzt weg.
Billiges Öl, Grauzonen und Umgehungsrouten
Russland profitierte von venezolanischem Öl über Rabatte, Tauschgeschäfte und verschleierte Lieferketten. Gerade unter westlichen Sanktionen waren diese Kanäle wertvoll. Mit der anhaltenden US-Blockade und einer möglichen Westorientierung in Caracas werden sie enger, riskanter oder verschwinden ganz.
Das heißt konkret: höhere Kosten, weniger Flexibilität, weniger Spielraum für Moskau.
Der OPEC+-Albtraum
Noch schwerer wiegt die mittelfristige Perspektive. Sollte Venezuela politisch stabilisiert werden und wieder auf 1,5 bis 2 Millionen Barrel pro Tag kommen, steigt das globale Angebot spürbar. Das setzt den Ölpreis unter Druck – und damit Russlands wichtigste Einnahmequelle.
Jeder zusätzliche Barrel aus Venezuela ist potenziell ein Preisdämpfer zulasten des Kremls.
Prestige-Schaden: Schutzmacht ohne Schutz
Russland hatte Maduro über Jahre militärisch und politisch gestützt: Waffen, Berater, diplomatische Rückendeckung. Doch am Ende konnte Moskau den Sturz nicht verhindern. Die Signalwirkung ist verheerend: Russischer Schutz ist keine Garantie.
Für andere Partner weltweit ist das eine Warnung – und für Putin ein Verlust an Glaubwürdigkeit.
Beyond Oil: Militär und Netzwerke unter Druck
Mit einem möglichen Kurswechsel in Caracas geraten auch russische Militärkontakte, Sicherheitskooperationen und Geheimdienst-Netzwerke unter Druck. Venezuela war ein Brückenkopf – wirtschaftlich wie strategisch. Fällt er weg, verliert Russland Reichweite in einer Region, die es mühsam aufgebaut hatte.
USA: Sieger mit dem Ölhahn in der Hand
Für Washington ist der Machtbruch eine strategische Gelegenheit. Die USA kontrollieren den Takt: Blockade, Lizenzen, Investitionen. Wer Zugang zu venezolanischem Öl will, muss politische und wirtschaftliche Bedingungen erfüllen.
Sanktionen als Steuerungsinstrument
Die Blockade bleibt – und damit der Hebel. Die Botschaft ist klar: Öffnung erst bei Kurswechsel. Für US-Firmen ist das eine enorme Chance, für geopolitische Rivalen ein Problem.
Energie als Machtinstrument
Sollte es zu einer schrittweisen Öffnung kommen, könnten US-Unternehmen eine Schlüsselrolle beim Wiederaufbau der venezolanischen Ölindustrie spielen. Das würde Washington nicht nur wirtschaftlich, sondern auch geopolitisch stärken – zulasten Russlands.
Das Risiko
Der Sieg ist nicht risikolos. Instabilität, neue Migrationsbewegungen und Narco-Strukturen bleiben reale Gefahren. Ein chaotisches Venezuela wäre auch für die USA ein Problem. Der Unterschied: Washington hält derzeit den Schlüssel – und entscheidet, wann er gedreht wird.
Iran: Ein seltener Ausweichraum bricht weg
Auch für den Iran ist Venezuela ein handfester Verlust. Caracas war einer der wenigen Orte außerhalb des Nahen Ostens, an dem Sanktionsregeln praktisch umgangen werden konnten. Teheran lieferte Treibstoff, Technik und Raffineriehilfe – und erhielt Öl, Gold und politischen Rückhalt.
Mit der Blockade und dem Machtwechsel fällt dieser Raum weg. Keine Tanker, keine Versicherungen, keine sicheren Zahlungswege. Für den Iran bedeutet das: weniger Absatz, weniger Rohölzugang, weniger geopolitische Reichweite. Auch symbolisch schmerzt der Verlust – Venezuela war Teil der iranischen Erzählung einer globalen Anti-USA-Front.
China: Milliarden-Risiko und strategisches Warten
Noch größer, aber leiser ist das Problem für China. Peking ist Venezuelas größter Gläubiger. Über Jahre flossen zig Milliarden Dollar nach Caracas – abgesichert durch Öl-gegen-Kredit-Modelle.
China bezog zuletzt rund 450.000 bis 500.000 Barrel venezolanisches Öl pro Tag, meist stark rabattiert. Gerät dieses Modell ins Wanken, drohen: der Verlust von Sicherheiten für offene Kredite, der Wegfall günstiger Ölimporte, ein strategischer Rückzug aus Lateinamerika.
China verurteilt den Machtbruch, kann ihn aber nicht verhindern. Militärisch machtlos, wirtschaftlich vorsichtig, wartet Peking ab – und hofft auf Stabilität. Ideologie ist zweitrangig. Entscheidend ist, ob am Ende noch Öl fließt und Schulden bedient werden.
Öl-Hebel Venezuela: Öffnung – oder Dauer-Blockade?
Der Sturz Maduros ist kein moralisches Lehrstück, sondern eine geopolitische und ökonomische Rechnung. Russland verliert Einfluss, Öl-Spielräume und Prestige. Die USA gewinnen einen mächtigen Energiehebel. Iran und China zahlen – der eine mit Reichweite, der andere mit Milliarden-Risiken.
Russlands Einfluss ist weg – offen ist nur, ob Venezuelas Öl den Kreml zusätzlich unter Druck setzt oder vorerst ungenutzt bleibt. Die nächsten 30 bis 180 Tage werden es entscheiden.
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