„Wahlbeeinflussung“ - FPÖ attackiert ORF
Kurz vor der Ungarn-Wahl eskaliert die Debatte: Die FPÖ wirft Medien gezielte Einflussnahme vor – und nimmt den ORF frontal ins Visier.
Vor der ungarischen Parlamentswahl verschärft sich auch in Österreich der politische Ton. FPÖ-Generalsekretär und Mediensprecher Christian Hafenecker erhebt schwere Vorwürfe gegen den ORF und weitere Medien. Sein Vorwurf: Statt ausgewogener Information werde rund um Viktor Orbán und die Wahl in Ungarn ein politisch gefärbtes Bild verbreitet.
Hafenecker sprach von einer „orchestrierten Meinungskampagne“ und erklärte, dass nahezu ausschließlich Umfragen verbreitet würden, die die Tisza-Partei vorne sehen, während Ministerpräsident Viktor Orbán systematisch schlechtgeschrieben werde. Für den Freiheitlichen ist klar: Das sei „einseitig, tendenziös und letztlich ein Versuch der Wahlbeeinflussung“.
ORF besonders im Visier
Besonders der ORF steht im Zentrum der Kritik. Hafenecker stößt sich unter anderem an der ZiB2-Schlagzeile „Orbán vor Wahl unter Druck“. Für ihn ist das kein neutraler Zugang, sondern die Bedienung eines politischen Wunschbilds.
Der FPÖ-Politiker betonte, der ORF werde von österreichischen Steuerzahlern und Gebührenzahlern finanziert und habe daher eine besondere Verpflichtung zur unparteiischen Berichterstattung. Genau dieser Pflicht komme er bei der Ungarn-Wahl aus Sicht der FPÖ nicht nach.
Streitpunkt Umfragen
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehen die teils stark voneinander abweichenden Umfragen. Hafenecker argumentiert, dass ein nüchterner Blick auf die gesamte Umfragenlandschaft ein weit weniger eindeutiges Bild zeige, als es in vielen Medien dargestellt werde.
Er verweist auf McLaughlin & Associates, wo Fidesz/KDNP mit 43 zu 37 Prozent vorne liege. Auch das Center for Fundamental Rights habe in Erhebungen von Oktober und November 2025 Fidesz mit 47 beziehungsweise 48 Prozent vor Tisza mit 42 beziehungsweise 41 Prozent ausgewiesen. Dem stünden allerdings oppositionsnahe Institute wie Medián oder IDEA Intézet gegenüber, die deutliche Vorteile für Tisza sehen.
Für Hafenecker ist gerade diese Spannbreite der zentrale Punkt. Sie zeige, dass es keinen wissenschaftlichen Konsens über den Wahlausgang gebe. Wer in der Berichterstattung nur jene Zahlen hervorhebe, die ins gewünschte Narrativ passen, betreibe aus seiner Sicht „Propaganda, keinen Journalismus“.
Schwere Vorwürfe gegen POLITICO
Besonders brisant ist der Vorwurf in Richtung POLITICO. Laut Hafenecker seien Ende November 2025 Daten von „Magyar Társadalomkutató“ und vom „Center for Fundamental Rights“ ohne methodisch nachvollziehbare Begründung aus dem POLITICO-Umfragenpool entfernt worden. Gleichzeitig sei das Institut „Publicus Intézet“ aufgenommen worden, das bei den Parlamentswahlen 2022 besonders weit vom tatsächlichen Ergebnis entfernt gelegen sei.
Die Folge sei laut FPÖ unmittelbar sichtbar gewesen: Vor der Umstrukturierung habe die POLITICO-Aggregation einen knappen Fidesz-Vorsprung von 44 zu 43 Prozent gezeigt. Danach sei plötzlich ein deutlicher Tisza-Vorsprung von 46 zu 39 Prozent ausgewiesen worden.
Hafenecker spricht deshalb von „handfester Umfragenmanipulation mit dem Ziel, ein politisches Ergebnis medial herzustellen“. Zusätzlich verweist er auf jüngste Zahlen des Instituts Nézőpont von Mitte März, das Fidesz einen Vorsprung von sechs Prozentpunkten prognostiziere.
Einfluss auf Auslandsungarn?
Aus Sicht der FPÖ bleibt diese Berichterstattung nicht folgenlos. Hafenecker verweist darauf, dass rund 100.000 Auslandsungarn in Österreich leben. Wer hier über Wochen hinweg ein verzerrtes Bild vermittle, greife aktiv in die Meinungsbildung dieser Wähler ein. Das sei demokratiepolitisch höchst bedenklich.
Der FPÖ-Mediensprecher sieht bereits das nächste mediale Narrativ am Horizont. Sollte Orbán die Wahl gewinnen, werde rasch von angeblicher Einflussnahme, russischer Manipulation oder anderen Verschwörungstheorien die Rede sein. Für Hafenecker ist das „Drehbuch“ längst vorbereitet.
Er sieht darin ein europaweites Muster: Wer nicht auf Linie der EU oder des medialen Mainstreams sei, werde systematisch delegitimiert. Der Fall POLITICO zeige seiner Meinung nach exemplarisch, wie unbequeme Daten aus dem Verkehr gezogen würden. Dass der ORF dabei als Verstärker fungiere, mache die Sache besonders brisant.
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