Linke Forscherin fordert leichteren Zugang zur Staatsbürgerschaft
In Österreich steigt die Zahl der Babys ohne österreichische Staatsbürgerschaft stark an. Laut Statistik Austria hatten 2024 40,5 Prozent der Neugeborenen in Wien keinen Austro-Pass – vor 20 Jahren waren es noch 20 Prozent.
Angesichts dieser Entwicklung fordert Migrationsforscherin Judith Kohlenberger von der WU Wien, Kindern von Eltern, die länger in Österreich leben, arbeiten und Steuern zahlen, die Staatsbürgerschaft stärker zu erleichtern. Sie sieht die demokratische Legitimation gefährdet, wenn in manchen Bezirken mehr als die Hälfte der wahlberechtigten Bevölkerung nicht wählen darf, weil sie keinen Pass hat.
Plakolm vertritt klare Position
Integrationsministerin Claudia Plakolm (ÖVP) lehnt eine automatische Vergabe jedoch ab. „Die Staatsbürgerschaft ist und wird sicher kein Automatismus“, betonte Plakolm gegenüber Heute. Für sie sei die Staatsbürgerschaft „der letzte Schritt gelungener Integration“. Wer Österreicher werden wolle, müsse die Sprache beherrschen, die Werte und Regeln des Landes respektieren und aktiv zum gesellschaftlichen Zusammenleben beitragen. Die Koalition hat daher im Regierungsprogramm vereinbart, die Kriterien insbesondere bei Deutschkenntnissen sowie bei Verständnis von Werten und Regeln weiter zu verschärfen.
Eltern könnten für ihre Kinder einen erleichterten Antrag stellen, der nur ein Fünftel der Kosten eines Erwachsenen-Antrags kostet. 2024 wurden vor allem Syrer (2.241 Personen), Türken (1.389), Afghanen (1.056) und Menschen aus Bosnien und Herzegowina (814) eingebürgert. Die Zahl der ukrainischen Einbürgerungen lag mit 313 Personen überraschenderweise deutlich darunter. Außerdem waren 150 der eingebürgerten Personen zuvor staatenlos.
“Seine vorherige Staatsbürgerschaft abzugeben und die eines anderen Landes anzunehmen, ist eine Lebensentscheidung, das verstehe ich schon. Aber entweder man entscheidet sich irgendwann dafür – mit allen Rechten und Pflichten. Oder man muss aus meiner Sicht damit leben, dass man in dem Land, in dem man lebt, eben auch nicht wählen darf”, konstatierte Plakolm.
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