Direkt gegenüber dem Westbahnhof wurde Ende Jänner die neue VHS am Sophienpark eröffnet. Auf knapp 2000 Quadratmetern bietet sie 20 moderne Kursräume – für Musik und Bewegung ebenso wie für IT, Kochen und kreatives Arbeiten.

Zwischen all den nüchternen Raumnummern fällt jedoch ein Name besonders auf. Der Vortragssaal A.0.01 heißt offiziell: „Herbert-Schweiger-Saal“. Er befindet sich gleich im Eingangsbereich.

Das schwarze Türschild trägt darunter das Logo der Wiener Volkshochschulen, die Raumnummer und die Bezeichnung „Vortragssaal“. Im Inneren hängt zudem eine Tafel zu Schweigers Person.

Gold auf Schwarz: Der Vortragssaal A.0.01 trägt den Namen „Herbert-Schweiger-Saal“.
Gold auf Schwarz: Der Vortragssaal A.0.01 trägt den Namen „Herbert-Schweiger-Saal“.

Der Chef ehrt seine Ära

Herbert Schweiger steht seit Oktober 2016 an der Spitze der Wiener Volkshochschulen. Ende September geht der Geschäftsführer und SPÖ-Bezirksrat in Pension.

Offenbar hat zumindest einer eine ausgesprochen hohe Meinung von der Ära Schweiger: Herbert Schweiger selbst. Denn noch während seiner Amtszeit trägt in einer der von ihm geführten Volkshochschulen bereits ein Saal seinen Namen.

Dass eine solche Benennung samt Tafel ohne Wissen und Zustimmung des Geschäftsführers erfolgt sein könnte, ist kaum vorstellbar.

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Noch im Amt, schon verewigt

Üblicherweise werden Säle nach Persönlichkeiten benannt, deren Lebenswerk bereits abgeschlossen ist. Nicht selten haben die Geehrten zuvor auch das Zeitliche gesegnet.

Bei Herbert Schweiger wollte man offenbar nicht so lange warten.

Dabei hätte es an würdigen Namensgebern nicht gefehlt. Julius Madritsch, Raimund Titsch und Oswald Bouska retteten während der NS-Zeit im besetzten Polen knapp 800 jüdische Zwangsarbeiter vor Deportation und Tod. Yad Vashem ehrte die drei Wiener bereits 1964 als „Gerechte unter den Völkern“.

Bis heute blieb es in Wien für sie bei drei Gedenktafeln. Für den noch amtierenden VHS-Chef reichte es dagegen gleich zu einem ganzen Saal.

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Zuletzt Wirbel um geförderte Wohnung

Schweiger selbst zog erst Anfang Juli eine äußerst positive Bilanz seiner Amtszeit. Mehr als 270.000 Kurse und rund 2,4 Millionen Teilnahmen zeigten „eindrucksvoll“ den Stellenwert der Wiener Volkshochschulen, erklärte er.

Überschattet wurde diese Bilanz wenige Tage später durch einen Bericht des Wochenmagazins profil: Schweigers Frau erhielt eine geförderte Wohnung in der Donaustädter Wohnanlage „Rote Emma“. Ausgerechnet im selben Gebäude hatte Schweiger zuvor einen neuen Standort der VHS Donaustadt eingemietet.

Bei dessen Eröffnung soll er mehreren Gästen launig erklärt haben: „Wenn ich in die neue VHS will, muss ich nur mit dem Lift runterfahren.“

Schweigers Einkommen liegt allerdings deutlich über den Obergrenzen für geförderten Wohnbau. Auf profil-Anfrage erklärte er, ausschließlich seine Frau sei die Mieterin. Er selbst werde nicht einziehen. Einen persönlichen Vorteil bestritt Schweiger, räumte aber ein: „Ich gebe zu, dass die Optik nicht gut ist.“

Wer beschloss den Schweiger-Saal?

Der exxpress wollte von der Pressestelle der Wiener Volkshochschulen wissen, wer die Benennung des Vortragssaals beschlossen oder veranlasst hat und aus welchem Anlass der noch amtierende Geschäftsführer auf diese Weise geehrt wurde.

Die Anfrage blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Auch das Büro von Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) beantwortete die Fragen bisher nicht.

Fest steht nur: Manche bekommen zum Abschied einen Blumenstrauß. Herbert Schweiger hat bereits vor seiner Pensionierung einen ganzen Saal.