Im Juni eröffnete die Stadt auf dem Meidlinger Friedhof eine ungewöhnliche Fitnessanlage. Während Friedhöfe-Wien-Chefin Renate Niklas das Projekt als „Innovation“ feiert und SPÖ-Bezirksvorsteher Wilfried Zankl keinen Widerspruch zur Würde des Ortes sieht, sprechen Kritiker von einem Tabubruch. Ihr Argument: Friedhöfe seien Orte der Trauer, des Gedenkens und der Ruhe – und keine Freizeitparks, berichtete auch der

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Drei Fitnessgeräte kosteten mehr als 11.000 Euro

Nun sorgt die Rechnung für neuen Zündstoff. Insgesamt flossen mehr als 35.000 Euro in die Umgestaltung. Allein drei sogenannte „Mobilitäts- und Gleichgewichtstrainingsgeräte“ kosteten stolze 11.110 Euro, schreibt die Krone. Dazu kamen 2000 Euro für drei „Plauderbankerl“ und weitere 500 Euro für einen Rundweg. Zwei neue „Friedhofswäldchen“ mit insgesamt 140 Bäumen, Sträuchern und anderen Pflanzen schlugen mit rund 13.500 Euro zu Buche. Weitere 8500 Euro wurden für 60 neue Urnengräber ausgegeben. Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Kassen dürfte die Rechnung die ohnehin hitzige Debatte zusätzlich befeuern.

ÖVP wettert gegen Fitness zwischen Gräbern

Scharfe Kritik kommt von der Wiener ÖVP. Gemeinderat Lorenz Mayer erklärt: „Für uns bleibt klar: Friedhöfe sind Orte des Gedenkens, der Trauer und der Ruhe. Sie dürfen nicht Schritt für Schritt zu Freizeitflächen umfunktioniert werden.“ Die Volkspartei hat deshalb eine Petition angekündigt, die derzeit noch von der zuständigen Magistratsabteilung geprüft wird. Bemerkenswert ist auch die Reaktion des Meidlinger Bezirksvorstehers Wilfried Zankl. Er erklärte, lediglich zu einem Fototermin eingeladen worden zu sein, und führt die heftige Aufregung um das Projekt auf die mediale Berichterstattung zurück.

Deutschland als Vorbild für Wiens Friedhofs-Fitness

Die Idee für das ungewöhnliche Projekt kommt offenbar aus Deutschland. Auf dem Hauptfriedhof in Dortmund gibt es bereits seit 2019 einen Mehrgenerationenspielplatz mit Fitnessgeräten – direkt neben den letzten Ruhestätten. Dort wirbt die Stadt sogar mit dem Motto: „Bewegung, wo sonst Stille herrscht.“ Damit nicht genug: Auf dem Gelände sind auch Hunde erlaubt, und Besucher dürfen sogar Brombeeren pflücken.

Ob Wien diesem Vorbild weiter folgen und künftig auch auf anderen Friedhöfen Fitnessanlagen errichten wird? Vorerst offenbar nicht.