Was als lockerer Rückblick auf eine Diskussionsrunde der Kleinen Zeitung gedacht war, entwickelte sich zum politischen Donnerwetter: Markus Marterbauer schilderte seinen Besuch bei der Landeshauptleutekonferenz im November in der Steiermark mit ungewöhnlich scharfen Worten. „Das war der skurrilste Abend meiner Amtszeit. Dort wird weniger verhandelt als gegessen und getrunken“, sagte der Finanzminister. Eine Aussage, die bei den Länderchefs für massive Verstimmung sorgt und die Debatte um die Zusammenarbeit im Rahmen der Reformpartnerschaft neu anheizt.

„Unfassbare Entgleisung“: Kunasek kontert scharf

Besonders deutlich reagiert der steirische Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ), der das Treffen ausrichtet. „Die flapsigen Aussagen des Finanzministers sind unwahr“, stellt er klar. Nach dem Abendessen hätten die Landeshauptleute und Regierungsvertreter noch lange an einem Papier zur Reformpartnerschaft gearbeitet, während Marterbauer „nach der Nachspeise zurück nach Wien gereist“ sei. Für Kunasek ist die Wortmeldung des Ministers „eine unfassbare Entgleisung“ und „eine Respektlosigkeit gegenüber den Vertretern der Bundesländer“.

Mattle: „Bärendienst“ für die Reformpartnerschaft

Mit seiner Kritik steht Kunasek nicht allein da. Auch Tirols Landeshauptmann Anton Mattle zeigt sich irritiert: „Der Finanzminister ist bei einer zweitägigen Länderkonferenz zur Vorspeise angereist und nach dem Dessert wieder abgereist. Nun beschwert er sich, dass er statt zu verhandeln nur gegessen und getrunken hat.“ Mattle ist überzeugt, Marterbauer habe der guten Zusammenarbeit in der Reformpartnerschaft damit einen „Bärendienst“ geleistet.

Auch der oberösterreichische Landeschef Thomas Stelzer legt nach: „Wenn etwas skurril ist, dann diese Wortmeldung des Ministers.“ Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner spricht von einem „sehr respektlos“ wirkenden Auftritt – „zumal Marterbauers Verhalten verwundert hat“.

Etwas milder fallen die Reaktionen aus den eigenen Reihen aus. Doch selbst Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser richtet dem Finanzminister aus: „Wie heißt es so schön in Österreich? Beim Reden kommen die Leut’ zamm.“