Solche politischen Interviews hat man im ORF noch nie erlebt. Als Klaus Fürlinger am Sonntagabend in der ZIB2 Platz nahm, war nicht seine eigene Stimme zu hören, sondern eine künstlich erzeugte. Der ÖVP-Mandatar tippte seine Antworten auf einem Tablet ein, ein KI-Stimmavatar übernahm das Sprechen – möglich gemacht durch frühere Tonaufnahmen des Politikers. Anlass war eine Erkrankung, die ihm das freie Sprechen erschwert.

KI-Stimme erstmals auch im ORF-Studio

Bereits im Dezember hatte Fürlinger im Nationalrat mit einer KI-generierten Stimme Premiere gefeiert. Nun folgte der nächste Schritt: Ein Live-Interview im ORF. Der Rechtsanwalt und Abgeordnete beantwortete die Fragen von ZiB2-Moderator Martin Thür schriftlich. Die Antworten wurden anschließend von einer KI-Stimme vorgelesen.

Thematisch stand dabei seine Rolle als Justizsprecher der ÖVP im Mittelpunkt. Fürlinger äußerte sich unter anderem zur geplanten Bundesstaatsanwaltschaft, zu Haftfragen und zur Diversion.

Bundesstaatsanwaltschaft: „Wir haben ein funktionierendes System“

Zur von Justizministerin Anna Sporer (SPÖ) angekündigten geplanten Bundesstaatsanwaltschaft erklärte Fürlinger, die Verzögerungen hätten einen Grund. Es müsse eine „deutliche Verbesserung“ gegenüber dem bestehenden System geben. Denn: „Wir haben ein funktionierendes System.“

Zugleich betonte er, dass auch die parlamentarischen Kontrollrechte sichergestellt werden müssten. Sein Idealziel sei ein einstimmiger Beschluss im Parlament. Angesichts der kritischen Haltung der FPÖ räumte Fürlinger jedoch ein, dass man mit allen verhandeln müsse und dann „schauen, was geht“. Für die Umsetzung ist jedenfalls eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich.

Überfüllte Gefängnisse und Diversion

Auch die Situation in den Justizanstalten war Thema. Dass Gefängnisse überbelegt sind, sei „unstrittig“, so Fürlinger. Die Regierung habe bereits die Regeln für elektronische Fußfesseln erweitert. Zudem sollte nicht immer eine Haft verhängt werden, etwa bei kleineren Delikten.

Ausländische Häftlinge sollten seiner Ansicht nach „rascher bedingt entlassen“ und anschließend in ihr Heimatland zurückgeschickt werden. Zum Thema Diversion sagte er: „Man sollte das Thema Diversion losgelöst von aktuellen Fällen diskutieren.“ Und er fügte hinzu: „Das Strafgesetzbuch ist keine periodische Monatszeitschrift, die alle vier Wochen neu erscheint.“

Technik, Politik und Barrierefreiheit

Gegen Ende des Interviews kam die Rolle der Technik in Fürlingers Alltag zur Sprache. Er sagte: »Zurzeit bin ich noch in der Lage, mehr oder weniger verständlich zu reden«, räumte aber ein, dass technische Hilfsmittel für seine Arbeit als Politiker und Anwalt zunehmend wichtiger werden.

Bezüglich der Barrierefreiheit im Parlament wies Fürlinger auf Einschränkungen durch den Denkmalschutz hin. Entscheidend sei jedoch das Verhalten der Menschen: „Alle sind sehr zuvorkommend und hilfsbereit.“ Sein Fazit: „Menschlichkeit macht es barrierefrei.“