Zoff um neue Schul-Apps: Bildungsministerium unter Druck
Noch bevor der Probebetrieb startet, kracht es gewaltig: Der geplante „Marktplatz Lernapps“ sorgt für heftige Kritik. Während Schulbuchverlage vor zu laschen Qualitätsregeln warnen, wiegelt das Bildungsministerium ab.
Eigentlich soll er das digitale Lernen revolutionieren, doch noch bevor der „Marktplatz Lernapps“ an den Start geht, ist er politisch und fachlich stark umstritten. Ab Herbst 2026 sollen Schulen erstmals qualitätsgesicherte digitale Lernprogramme mit staatlicher Finanzierung über eine Plattform des Bildungsministeriums beziehen können. Laut der Krone prallen jedoch bereits jetzt die Positionen von Ministerium, Schulbuchverlagen und Bildungsmedien-Anbietern frontal aufeinander.
Digitale Lernapps: Start mit Misstönen
Nach den Semesterferien startet der Probebetrieb des „Marktplatz Lernapps“. Über die Plattform sollen Schulen künftig digitale Lernprogramme auswählen und einkaufen können. Das Projekt wird beim Österreichischen Bundesverlag Schulbuch (ÖBV) grundsätzlich begrüßt, doch die Art der Qualitätssicherung sorgt für deutliche Warnungen.
ÖBV-Geschäftsführer Philipp Nussböck sprach von einer „sehr erfreulichen Nachricht“ für Mittelschulen, AHS sowie berufsbildende mittlere und höhere Schulen. Gleichzeitig pochte er darauf, dass für digitale Lernprogramme dieselben Maßstäbe gelten müssten wie für gedruckte Schulbücher.
Schulbücher: Strenge Prüfung über Jahre
Derzeit müssen Schulbücher einen aufwendigen Approbationsprozess durchlaufen. Dieser dauert oft eineinhalb Jahre und prüft, ob die Inhalte fachlich korrekt sind und den Lehrplänen entsprechen. Erst danach können sie von Schulen kostenfrei bestellt werden.
Beim geplanten Marktplatz sieht der ÖBV genau hier ein Problem: Fachliche Kriterien würden dort gleichrangig mit Merkmalen wie Personalisierung oder Berührungs- und Bewegungsintensität bewertet. Dadurch könnte auch eine App mit inhaltlichen Mängeln zugelassen werden. Nussböck kritisierte dies scharf: „Das ist aus meiner Sicht inakzeptabel.“
Ministerium kontert: „Gravierende Fehler ausgeschlossen“
Das Bildungsministerium weist diese Vorwürfe zurück. Eine App mit „gravierenden fachlichen Fehlern“ könne das Zulassungsverfahren nicht erfolgreich abschließen, betonte das Ressort. Voraussetzung für die Aufnahme ist, dass mindestens 65 Prozent der Gesamtpunkte sowie zumindest die Hälfte der Punkte in allen drei Hauptkategorien erreicht werden.
Die fachliche Richtigkeit wird dabei gezielt in der Kategorie „Pädagogische/didaktische Konzepte” geprüft. Damit sei aus Sicht des Ministeriums sichergestellt, dass keine inhaltlich mangelhaften Lernprogramme staatlich finanziert werden.
Streit um Standards und Verantwortung
Für den ÖBV bleibt dennoch ein „nicht verständliches Ungleichgewicht“ bestehen. Digitale Bildungsmedien müssen geringere Anforderungen erfüllen, um staatlich finanziert zu werden. Nussböck forderte daher gleiche Vorgaben für gedruckte und digitale Bildungsmedien oder alternativ eine Vereinfachung des Approbationsprozesses für Schulbücher.
Unterstützung für den Marktplatz kommt hingegen von der Allianz Bildungsmedien. Der Zusammenschluss aus klassischen Schulbuchverlagen und digitalen Anbietern verteidigt die bewusst „niederschwellige” Qualitätssicherung. Das Ziel bestehe darin, mehr Verantwortung an Schulen und Lehrkräfte zu übertragen und die Schulautonomie zu stärken. Gleichzeitig betont die Allianz: „Gravierende fachliche Fehler dürfen keinen Platz haben.“
Das Bildungsministerium zufolge bringt der „Marktplatz Lernapps“ erstmals ein klares Finanzierungsmodell für digitale Bildungsmedien. Schulen erhalten einen Förderbetrag, der je nach Zahl der Schülerinnen und Schüler gestaffelt ist und gezielt für Lernprogramme eingesetzt werden kann. Damit sollen individualisiertes und KI-gestütztes Lernen gefördert und der Bedarf an Nachhilfe reduziert werden.
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