Der Himmel über dem Nahen Osten füllt sich – und Washington sendet ein Signal, das an 2003 erinnert. Zwei Flugzeugträger, modernste Stealth-Jets, fliegende Gefechtsstände, verstärkte Luftabwehr. Laut Wall Street Journal handelt es sich um die größte US-Luftmachtkonzentration in der Region seit Beginn des Irak-Kriegs.

Noch gibt es keinen Einsatzbefehl. Doch die militärische Option liegt einsatzbereit auf dem Tisch.

US-Flugzeuge werden weiterhin auf Stützpunkten in Europa und im Nahen Osten stationiert.GETTYIMAGES/Yilmaz Yucel/Anadolu

Zweiter Träger unterwegs

Das Pentagon entsendet eine zweite Carrier Strike Group. Die USS Gerald R. Ford – modernster Flugzeugträger der US Navy – soll zur bereits in der Region operierenden USS Abraham Lincoln stoßen.

Trump selbst bestätigte den Zweck offen: „Falls wir keine Einigung erzielen, werden wir sie brauchen.“ Kommt es zu einem Abkommen, könnten die Schiffe wieder abziehen. Kommt es nicht dazu, stehen sie bereit.

Die Abraham Lincoln operiert derzeit im Indischen Ozean. Zuletzt befand sie sich rund 500 Meilen vor der iranischen Südküste. Nach US-Angaben schoss sie dort eine iranische Drohne ab – ein Vorfall, der die Lage weiter verschärfte.

Flugzeugträger der US Navy im Heimathafen – die maritime Schlagkraft Washingtons.IMAGO/piemags

Massive Luftbewegungen

Neben den Trägergruppen werden zusätzliche Kampf- und Unterstützungsflugzeuge verlegt. Berichte sprechen von weiteren F-35- und F-22-Stealthjets sowie verstärkten Command-and-Control-Kapazitäten.

Open-Source-Beobachter meldeten AWACS-Aufklärer und Spezialflugzeuge auf dem Weg Richtung Nahost. Solche Systeme sind zentrale Bausteine jeder größeren Luftoperation: Luftraumüberwachung, Zielzuweisung, Koordination.

USS George H.W. Bush – einer der modernsten Flugzeugträger der US Navy.GETTYIMAGES/Greg Meland

Einzelne Zahlen aus sozialen Netzwerken sind nicht unabhängig bestätigt. Doch mehrere etablierte Medien berichten übereinstimmend von einer ungewöhnlichen Bündelung amerikanischer Luftmacht. Strategisch heißt das: Washington schafft sich die Fähigkeit, innerhalb kürzester Zeit einen umfassenden Luftschlag gegen iranische Nuklear- oder Raketenanlagen zu beginnen – ohne wochenlange Vorlaufzeit.

Stille Kriegs-Vorsorge im Hintergrund

Während die Träger die Schlagzeilen dominieren, laufen im Hintergrund Maßnahmen, die meist erst bei ernster Lage aktiviert werden. Bereits im Jänner eröffnete CENTCOM in Katar eine neue multinationale Koordinationszelle für integrierte Luft- und Raketenabwehr im Combined Air Operations Center von Al Udeid. Frühwarnung, Raketenabwehr, Koordination mit Partnerstaaten – ein System für den Ernstfall.

Übersetzt: Man plant nicht nur den Angriff. Man plant auch den Gegenschlag.

Parallel dazu die konsularischen Warnungen: Die US-Vertretung rief US-Bürger wiederholt auf, Iran „jetzt“ zu verlassen. Auch Deutschland reduzierte vorsorglich Personal in Erbil im Nordirak. Zudem berichtete CBS, das Pentagon verlege Personal aus der Region nach Europa oder in die USA.

US-Präsident Trump setzt auf maximalen Druck auf den Iran – doch offiziell sind die Gespräche noch nicht beendet.APA/AFP/Mandel NGAN

Diplomatie unter Hochdruck

Trotz des massiven Aufmarschs laufen Gespräche weiter. Delegationen trafen sich zuletzt im Oman. Aus den indirekten Gesprächen wurde zwar nur „begrenzter Fortschritt“ gemeldet, doch beide Seiten sprachen von allgemeinen „guiding principles“ – ein Zeichen, dass der diplomatische Kanal noch nicht abgerissen ist.

Trump erklärte, er hoffe „innerhalb des nächsten Monats“ auf eine Einigung – warnte jedoch, die Konsequenzen bei einem Scheitern wären „sehr steil“.

Der republikanische Senator Lindsey Graham formulierte es schärfer: Für eine gemeinsame Aktion von USA und Israel werde geplant. Eine offizielle Entscheidung sei nicht verkündet – doch „all diese Schiffe kommen nicht hierher, weil es zu dieser Jahreszeit so schön ist“.

Auch in Israel gibt es erhöhte Bereitschaftssignale – eine landesweite Umstellung der offiziellen Zivilschutz-Regeln wurde bislang jedoch nicht verkündet, was gegen einen bereits fixierten Starttermin spricht. Strategen nennen das „coercive diplomacy“: maximaler militärischer Druck bei offener Verhandlungstür.

Parallel verschärft Washington den Druck auch jenseits der Militärschiene: neue Iran-Sanktionen und der fortgeschriebene nationale Notstandsrahmen liefern die politische Grundlage für ein „Deal – oder Schlag“-Szenario.

Drittstaaten schlagen Alarm

Ein weiteres drastisches Signal kommt aus Europa. Polens Premier Donald Tusk forderte seine Landsleute auf, Iran „sofort“ zu verlassen. Eine offene militärische Konfrontation sei „sehr real“. Eine Evakuierung könne „in Stunden“ unmöglich werden. Solche öffentlichen Warnungen erfolgen selten ohne belastbare Lageeinschätzung.

Polens Premier Tusk (Bild) weist seine Landsleute bereits an, den Iran „sofort“ zu verlassen.APA/AFP/Wojtek RADWANSKI

Hormus als Zündschnur

Auch Teheran sendet Signale. Die zeitweise Teil-Schließung der Straße von Hormus und Live-Fire-Übungen wurden als „hochgradig ungewöhnlich“ bewertet. Wer am globalen Öl-Nadelöhr scharf schießt, erhöht das Risiko von Zwischenfällen.

Am 19. Februar starteten Iran und Russland zudem ein gemeinsames Marinemanöver im Golf von Oman – ein geopolitisches Signal. Parallel warnen Sicherheitsplattformen vor erhöhter Gefahr im iranischen Luftraum durch aktivierte Luftabwehr und mögliche Fehlidentifikation. Das Risiko von Fehlkalkulationen steigt.

Märkte reagieren

Auch die Finanzmärkte registrieren die Entwicklung. Der Ölpreis zog an. Ein Konflikt rund um die Straße von Hormus würde unmittelbare Auswirkungen auf Energiepreise weltweit haben. Noch herrscht kein Panikmodus – aber ein klarer Risikoaufschlag.

Sicher ist: Zwei einsatzbereite Trägergruppen plus landgestützte Jets ermöglichen eine mehrwöchige Luftkampagne – nicht nur einen symbolischen Schlag. Defensive Systeme deuten auf die Erwartung iranischer Gegenschläge. Drittstaaten beginnen mit Vorsorgemaßnahmen. Kurz: Die militärische Infrastruktur für einen größeren Schlag steht so bereit wie seit Jahren nicht mehr.