Olympia-Abfahrt: Gold für Johnson – Schocksturz von Vonn überschattet Rennen
Gold für Breezy Johnson, Schock um Lindsey Vonn: Die Olympia-Abfahrt in Cortina d’Ampezzo wurde von einem schweren Sturz der US-Ikone überschattet. Vonn kam bereits vor der ersten Zwischenzeit zu Fall, überschlug sich und blieb liegen. Das Rennen musste lange unterbrochen werden.
Der Sturz von Lindsey Vonn (USA) ist auf einem Bildschirm zu sehen, aufgenommen am Sonntag, 08. Februar 2026, im Rahmen der Abfahrt der Frauen in Cortina d'Ampezzo.APA/Hans Klaus Techt
Breezy Johnson hat auf die Abfahrts-Goldene bei der WM in Saalbach Olympia-Gold in Cortina d’Ampezzo folgen lassen. Die US-Amerikanerin setzte sich am Sonntag auf der Olimpia delle Tofane um 0,04 Sekunden vor der Deutschen Emma Aicher durch. Bronze ging an die Italienerin Sofia Goggia, der undankbare vierte Platz an die Steirerin Cornelia Hütter. Das Renngeschehen rückte angesichts eines Sturzes von Johnsons Landsfrau Lindsey Vonn allerdings etwas in den Hintergrund.
Die 41-jährige US-Amerikanerin kam schon vor der ersten Zwischenzeitmessung zu Fall, überschlug sich und blieb liegen. Das Rennen war danach für längere Zeit unterbrochen. Vonn fuhr mit einer Teilprothese im rechten Knie, im linken Knie hatte sie sich vor etwas mehr als einer Woche laut eigenen Angaben einen totalen Riss des Kreuzbandes zugezogen. Über ihren Zustand gibt es noch keine gesicherten Angaben, Vonn wurde in ein Krankenhaus gebracht.
Rot-weiß-rote Durststrecke
Die Medaillen-Durststrecke des ÖSV bei olympischen Frauen-Abfahrten setzte sich indes fort. Zuletzt hatte Elisabeth Görgl 2010 in Vancouver Bronze gewonnen – seitdem wartet der heimische Verband auf Nachschub. Ariane Rädler (+1,10 Sek.) belegte den achten Platz, Vizeweltmeisterin Mirjam Puchner (+1,55) wurde Elfte. Nina Ortlieb blieb bei einem Sturz ohne schwere Verletzungen.
“Um die Bronzene hätte ich mich, glaube ich, mit der Sofia schon duellieren können, das tut weh. Ich habe einen Fehler gemacht – meine Schuld”, sagte Hütter. “Ich habe schon gewusst, dass es nicht reichen wird, weil ich gewusst habe, wer noch oben steht. Aber es ist Skifahren, ich werde mich nach meinen ganzen Verletzungen einfach nicht so auseinanderreißen lassen.” Am Vortag hatte mit Skispringerin Lisa Eder bereits eine ÖOC-Athletin einen vierten Platz gemacht.
Rädler erklärte, ihre Fahrt sei nicht perfekt gewesen. “Ich wollte nicht zurückziehen und habe echt alles gegeben, aber vielleicht war es einmal zu viel. Es zählt nur 1,2,3 – von dem her ist es echt schade.” Puchner, die nach Vonn lange warten musste, meinte, sie müsse den heutigen Tag abhaken. “Ein Hubschrauber lässt einen nie ganz kalt. Aber das soll nicht irgendwie eine Ausrede sein, es liegt doch noch am Skifahren.” Ortlieb sagte, ihr fehle körperlich nichts. “Aber die Enttäuschung war da. Man sieht leider immer wieder, in der Abfahrt ist gar kein Spielraum für Fehler”, so die Vorarlbergerin.
Packendes Duell von Johnson und Aicher
Unter die Ski-Fans auf der Tribüne hatten sich auch der österreichische Bundeskanzler Christian Stocker oder Rap-Legende Snoop Dogg gemischt, ebenso Vonns Vater Alan Kildow. Rädler legte als erste der Österreicherinnen mit Nummer 2 eine passable Zeit vor, die bis zu Johnson hielt. Die Weltmeisterin ging mit Nummer 6 auf die Strecke und stieß in eine neue Dimension vor. Vor allem im Schlussabschnitt imponierte die Fahrt der 30-Jährigen mit kompromissloser Attacke. Doch Aicher ließ die Uhr nur eine Winzigkeit später stoppen. Die vier Hundertstel könnte sie schon irgendwo finden, sollte sie später sagen.
Hütter dahinter kam nach starkem Mittelteil einmal zu oft von der Ideallinie ab und lag am Ende 0,86 Sekunden hinter Johnson. Danach ging mit Nummer 13 Vonn ins Rennen und stürzte bereits nach etwa 15 Fahrsekunden. Als erste nach der folgenden, knapp 20-minütigen Unterbrechung war Puchner an der Reihe, nach ihr Lokalmatadorin Goggia (+0,59). Mit Startnummer 17 kam die US-Amerikanerin Jacqueline Wiles auf die gleiche Zeit wie Hütter, ging also knapp leer aus.
Johnson wie Vonn Olympiasiegerin
Freuen durfte sich das Medaillen-Trio. Johnson ist nach Vonn, die 2010 in Vancouver triumphiert hatte, erst die zweite US-Olympiasiegerin in der Abfahrt. “Ich hatte heute ein gutes Gefühl, aber ich kann es irgendwie immer noch nicht glauben. Ich weiß noch nicht, wann es mir bewusst werden wird”, sagte Johnson. “Ich musste supersauber sein, und ich hatte das Gefühl, dass mir das gelungen ist.”
Ihre erste Olympia-Medaille sei “noch ein bissl unfassbar”, meinte Aicher. “Das dauert wahrscheinlich auch noch eine Weile, bis ich gecheckt habe, dass es passiert ist. Aber ich freue mich riesig natürlich”, ergänzte die 22-Jährige, die bei Olympia in allen Alpin-Bewerben starten könnte. Die 33-jährige Goggia hatte 2018 in Pyeongchang Gold und vor vier Jahren in Peking Silber gewonnen, sie machte ihren Satz damit komplett.
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