Denn Weltcup-Dominator Domen Prevc behielt am Sonntag in Innsbruck die Nerven und baute seinen Vorsprung auf das rot-weiß-rote Verfolger-Duo Jan Hörl und Stephan Embacher weiter aus. Vor dem finalen Dreikönigsspringen in Bischofshofen am Dienstag (16.30 Uhr/live ORF 1) hat der Slowene einen Respektabstand von 41,4 Punkten auf Hörl.

Embacher liegt weitere 0,3 Zähler hinter Hörl. Die beiden ÖSV-Adler müssten in den verbleibenden zwei Durchgängen umgerechnet fast 24 Meter aufholen, um Prevc doch noch abzufangen. Ob es deshalb mehr als ein Wunder benötigt? “Ja, schon”, entgegnete Hörl nach seinem vierten Platz am Bergisel. “Ich bin Realist. Es wird schwer werden.” Embacher will sich nach einer für ihn bisher traumhaften Tournee nicht mit Rechenspielen beschäftigen. “Ich hätte mir nicht gedacht, dass es für so weit vorne in der Gesamtwertung reicht”, sagte der 19-Jährige.

Allerdings könne immer etwas passieren, betonte Hörl und gab die kleine Hoffnung auf seiner Heimschanze nicht auf. “Wir werden schauen, dass wir in Bischofshofen noch einmal angreifen.” Der in den vergangenen Wochen so konstant springende Prevc müsste allerdings schlimm abstürzen, um seinen ersten Tourneesieg doch noch aus der Hand zu geben. In den jüngsten neun Weltcup-Bewerben feierte der Skiflug-Weltrekordler sieben Siege und wurde zweimal Zweiter.

Kein Grand Slam für Prevc

Am Bergisel fand Prevc nach einer Schrecksekunde in der Qualifikation, als er wegen starken Rückwindes nicht über Platz 30 hinausgekommen war, schnell wieder in die Spur. Am Ende musste sich der Großschanzen-Weltmeister um nur 0,5 Punkte dem japanischen Premierensieger Ren Nikaido geschlagen geben. “Ich war etwas nervös”, gab Prevc zu. Der 26-Jährige verpasste damit den Grand Slam bei der Tournee, das Kunststück eines Vierfachsieges gelang bisher nur dem Deutschen Sven Hannawald (2001/02), dem Polen Kamil Stoch (2017/18) und dem Japaner Ryoyu Kobayashi (2018/19).

Embacher fehlten in einem Herzschlagfinale nur 0,7 Punkte auf seinen ersten Weltcupsieg. Der Tiroler freute sich nach der knappsten Entscheidung in Innsbruck seit 1982 dennoch über den dritten Platz und seinen insgesamt dritten Weltcup-Podestplatz. “Es waren wieder zwei Topsprünge, ich kann überglücklich sein”, sagte der Youngster. Auch die Vorfreude auf das Tournee-Finale ist bei Embacher groß. “Ich bin super in Form und mag Bischofshofen sehr gerne. Ich werde mein Bestes geben, den Flow mitnehmen und dann angreifen.”

ÖSV-Cheftrainer Widhölzl zufrieden

Andreas Widhölzl hofft wie im Vorjahr auf einen erfolgreichen Abschluss. “Bischofshofen kennen wir gut, wir können um den Sieg mitspringen”, sagte der ÖSV-Cheftrainer, der zufrieden auf das Bergiselspringen zurückblickte. In Innsbruck fand nämlich auch Tournee-Titelverteidiger Daniel Tschofenig mit einem sechsten Platz wieder zu seiner Form. Der Kärntner blickt aber argwöhnisch Richtung Bischofshofen, wo er vergangenes Jahr triumphiert hatte. “Bi’hofen ist immer ein eigenes Pflaster mit dem Anlauf und der Flugkurve. Oft funktionieren die normalen Sachen dort nicht”, betonte der Gesamtweltcupsieger. Die schönen Erinnerungen aus dem Vorjahr werde er sich aber noch einmal in die Gedanken rufen. “Hoffentlich pusht es mich ein bissl.”

Prevc könnte den goldenen Adler genau zehn Jahre nach dem Triumph seines Bruders Peter, der aktuell als Chef der Materialentwicklung im slowenischen Team tätig ist, wieder in die Familie holen. Dass die Paul-Außerleitner-Schanze seinem Flugstil entgegenkommt, spricht ebenfalls für den überlegenen Gesamtweltcupführenden. “Ich muss es einfach nur genießen, entspannen und wie ein Kind an die Sache herangehen”, nahm sich Prevc für das Finale vor.