"Teamkoch könnte fahren": Verstappen, Hamilton & Alonso hadern mit neuer Formel 1
Die Boliden mit deutlich höherem Elektro-Anteil sorgen beim Red-Bull-Star für Frust statt Fahrspaß. „Es macht mir nicht viel Spaß“, erklärte der Niederländer am Rande der Testfahrten in Bahrain – und zog einen brisanten Vergleich: Die neuen Autos fühlten sich eher an wie „Formel E auf Steroiden“ als nach echter Formel 1.
In der vollelektrischen Formel E gehe es um Energie, Effizienz und das Management von all dem. “Als ein purer Rennfahrer mag ich es aber, Vollgas zu fahren, und im Moment kann man das nicht tun”, erklärte Verstappen seine Vorbehalte. “Alles, was man als Fahrer tut, hat massive Auswirkungen auf die Energie-Seite. Für mich ist das einfach nicht Formel 1.”
Per Knopfdruck können die Fahrer in den Autos der neuesten Generation zusätzliche Batterie-Power aktivieren. Der “Boost Button” kann auf einmal oder über die gesamte Runde verteilt eingesetzt werden. Dazu kommt noch der zusätzliche “Overtake Mode” – nur möglich, wenn ein Pilot innerhalb einer Sekunde an einen vorausfahrenden Konkurrenten ist. Dann wird kurzzeitig mehr elektrische Leistung abgerufen, sofern sie vorhanden ist. Der Fahrer kann das Aufladen direkt nur dadurch steuern, wenn er vom Gas geht.
Alonso und Hamilton schließen sich Verstappen an
Auch Fernando Alonso und Lewis Hamilton kritisieren die neue Formel 1 laut Bild. „Früher brauchte man hier in Bahrain in Kurve 12 wirklich fahrerisches Können. Heute fahren wir da mit rund 50 km/h weniger durch als früher. Nur, um Energie für die Gerade zu sparen. Seien wir ehrlich – sogar unser Teamkoch könnte diese Autos fahren“, witzelte der Spanier.
Rekord-Weltmeister und aktueller Ferrari-Pilot Lewis Hamilton schließt sich den Worten von Alonso an: „Ich hatte vor kurzem ein Meeting mit den Ingenieuren. Du brauchst ein Diplom, um alles zu verstehen. Die Fans werden es nicht kapieren, wie viel von dem Energiemanagement dem Fahrer und der Software überlassen ist.“
Weltmeister Norris anderer Meinung
Verstappen erscheint das alles zu kompliziert – dabei spulte er in Bahrain ein großes Pensum ab und war zum Auftakt am Mittwoch hinter Weltmeister Lando Norris im McLaren die zweitschnellste Runde gefahren. Am zweiten Tag verwies Ferrari-Pilot Charles Leclerc in Sakhir Norris auf Platz zwei. Letzterer drehte am Donnerstag nicht weniger als 149 Runden und konnte Verstappens Kritik nicht wirklich nachvollziehen. “Es ist eine Herausforderung, aber eine gute Herausforderung”, sagte Norris. Man müsse auf eine etwas andere Art und Weise fahren.
Norris hatte Verstappen in der vergangenen Saison um zwei Punkte die WM-Krone abgejagt. “Mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Also ja, wenn er zurücktreten will, kann er zurücktreten”, wurde der Engländer nach dem zweiten Testtag vom Fachmagazin Autosport zitiert. “Die Formel 1 verändert sich die ganze Zeit. Wir bekommen Unsummen bezahlt, um zu fahren, also gibt es nichts, über das man sich am Ende des Tages wirklich beschweren kann.” Jedem Fahrer stehe es frei, etwas anderes zu machen.
Nach einem dritten Testtag am Freitag stehen kommende Woche noch einmal dreitägige Tests auf dem Wüstenkurs in Sakhir auf dem Programm. Die Saison beginnt am 8. März mit dem Grand Prix von Australien in Melbourne.
Kommentare