Auch wenn manche Helfer und Freunde Chorherrs auf Twitter schon das Ende des Politkrimis herbeischreiben wollten, sieht’s für den einstigen grünen Polit-Star gar nicht gut aus: Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) hat gegenüber dem eXXpress bestätigt, dass nun bereits gegen 44 Beschuldigte ermittelt werde – im September 2019 waren es nur acht Tatverdächtige.

Von den 44 namentlich genannten Beschuldigten sind 20 Privatpersonen und 24 sogenannte “Verbände”, also juristische Personen wie Firmen oder möglicherweise auch eine Gemeinde. Kommt es zu Anklagen nach § 302 (Missbrauch der Amtsgewalt), § 304 (aktive Bestechung) oder § 307 (Bestechlichkeit) drohen den Beschuldigten bis zu 10 Jahre Haft, da eine Schadenssumme von 50.000 Euro ziemlich sicher überschritten worden sein könnte.

Verbindungen zur Ibiza-Video-Clique?

Der frühere Klubobmann der Wiener Grünen (1997 bis 2004) und Ex-Bundessprecher der Grünen (1996 bis 1997) bestritt stets, “irgendetwas gemacht zu haben, was nicht legal ist.” Trotzdem ist Christoph Chorherr nun schon seit Ende 2017 im Visier der Staatsanwaltschaft: Dem Ex-Planungssprecher der Wiener Grünen wird vorgeworfen, dass für seinen Hilfsverein für ein Schulprojekt in Südafrika auffallend viele Personen hohe Beträge eingezahlt haben, die in der Immobilienbranche tätig sind.

300.000 Euro von einem Hedgefonds in London, 200.000 Euro von einem SPÖ-nahen Immobilienentwickler, 14.700 Euro von einem anderen Wiener Baulöwen sowie 100.000 Euro von einer Bank flossen. Dieses Geldinstitut zahlte auch längerfristig den Schulbetrieb, das Projekt sollte als Burnout-Prophylaxe für die Bank-Mitarbeiter genutzt werden. Auch die Wiener Steuerzahler förderten – ungefragt – Christoph Chorherrs Projekt in Afrika mit 450.000 Euro Steuergeld. Und bei dieser Masse an Spenden-Geldern sollen auch 25.000 Euro von einem den Grünen sehr nahestehenden Immobilien-Tycoon dabei sein.

Zu dieser grünen grauen Eminenz führt übrigens auch eine hochinteressante Spur in der Causa Ibiza: Der Immobilien-Manager ist Geschäftspartner jenes Multimillionärs, der sich kürzlich nach nur fünf Monaten Ehe wieder von der schönen “Ibiza-Immobilienmaklerin” scheiden ließ. Die Unternehmerin spielte in der Vorbereitungsphase des Ibiza-Video-Coups eine nicht unwesentliche Rolle und kannte auch den Haupttatverdächtigen Julian H. gut. Kurz vor ihrer Beziehung mit diesem Millionär war die junge Maklerin und Party-Lady in Serie mit drei prominenten Politikern der FPÖ-Spitze liiert, was natürlich ein außergewöhnlicher Zufall sein könnte. Ihr Instagram-Foto im neuen 284.870 Euro teuren Lamborghini, den sie 2019 wenige Tage nach Veröffentlichung des Ibiza-Videos als Geburtstagsgeschenk bekommen hat, war in Wien noch lange ein Gesprächsthema.

Chorherrs Spender war auch am "Falter" beteiligt

Und der Name dieses grünen Immobilien-Sammlers verbindet aber noch wesentlich stärker den Fall Chorherr mit der Causa Ibiza: Der grüne Mäzen und Ex-Versicherungsvertreter war bis 1999 als Investor beim Wiener Regionalwochenblatt “Falter” beteiligt, ehe auch ein Spross der Auto-Dynastie Porsche Anteile am linken Heft halten wollte. Der “Falter”-Chefredakteur und Mitveröffentlicher des Mini-Zusammenschnitts des berühmten Ibiza-Videos, Florian Klenk, hat – noch ein Zufall – bei Christoph Chorherr im Salzkammergut geurlaubt. Davon natürlich völlig unbeeinflusst fand Klenk nichts Belastendes im Fall Chorherr und erklärte die Causa im Vorjahr per Social-Media-Posting für beendet, weil an den Vorwürfen nichts dran sei.

In Südafrika wurden von Chorherrs Verein tatsächlich einige Schulgebäude finanziert

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft sah das aber anders als der “Falter”-Chefredakteur und hat in der Causa Chorherr weiter ermittelt. Fazit: Die Zahl jener Personen und Unternehmen, die von der Justiz namentlich als Beschuldigte geführt werden, hat sich in nur einem Jahr auf 44 verdoppelt. Ein Zeitpunkt für einen Strafantrag und somit für einen Prozess sei noch nicht zu nennen, heißt es dazu von der Justiz.