Beim weltberühmten Schloss Neuschwanstein – im 19. Jahrhundert nach Vorstellungen des bayerischen Königs Ludwig II. (1845 bis 1886) errichtet – ereignete sich ein schrecklicher Angriff. Auf der Marienbrücke soll ein Mann (30) zwei Frauen (21 und 22) erst sexuell belästigt und dann über das Geländer in die Schlucht geworfen haben. Eine der beiden Frauen, eine Touristin, starb.

Bereits Mittwochnachmitttag soll die Tat stattgefunden haben, berichtete Oberstaatsanwalt Thomas Hörmann. Es folgte ein Großeinsatz der Polizei rund um das Allgäuer Märchenschloss von Bayernkönig Ludwig II. Dabei wurde der Mann von der Polizei geschnappt. Ein Video davon kursiert im Netz.

Mann lotste beide Frauen auf einen Trampelpfad

Die junge Frau war nach ersten Ermittlungen mit ihrer ein Jahr älteren Freundin unweit der Marienbrücke in Schwangau unterwegs. Die historische Brücke ist ein beliebter Treffpunkt von Urlaubern, weil es von dort einen guten Blick auf das Schloss gibt.

Dabei sollen die Frauen auf einen 30 Jahre alten Besucher aus den USA getroffen sein. Es sei eine Zufallsbegegnung gewesen, erläuterte Hörmann. In der Folge ging das Trio gemeinsam weiter. “Der Mann lotste die beiden dann unter einem Vorwand auf einen schwer einsehbaren Trampelpfad, der zu einem Aussichtspunkt führt”, berichteten die Ermittler.

Der bayerische König Ludwig II. ließt das Scholl nach idealisierten Vorstellungen einer mittelalterlichen Ritterburg errichten.APA/AFP/Christof STACHE

Dort soll der Mann die 21-Jährige angegriffen haben. Als ihre 22 Jahre alte Freundin einschreiten wollte, würgte der Täter nach den bisherigen Erkenntnissen diese und stieß die 22-Jährige dann einen steilen Abhang in Richtung der Pöllat hinab. Die Pöllat ist ein Wildbach und verläuft in einer Schlucht unterhalb von Neuschwanstein.

Das jüngere Opfer verstarb in der Klinik

Dann soll es zu einem versuchten Sexualdelikt an der 21-Jährigen gekommen sein. “Das ist aber noch nicht belastbar”, sagte Hörmann. Auch die 21-Jährige soll der Amerikaner dann den Abhang hinabgestoßen haben. Etwa 50 Meter tiefer kamen beide Opfer nebeneinander zum liegen. Die Bergwacht musste gerufen werden, um die beiden verletzten Frauen zu bergen.

Die 22-Jährige war ansprechbar und kam in ein Krankenhaus. Ihre jüngere Freundin musste schwer verletzt mit einem Hubschrauber in eine Klinik gebracht werden. In der Nacht zum Donnerstag starb sie. Angaben zur Herkunft der Freundinnen machten die Ermittler nicht.

Schloss Neuschwanstein wolkenverhangen am frühen MorgenAPA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Der Verdächtige floh, die Ermittlungen laufen

Der mutmaßliche Täter konnte zunächst flüchten. Die Polizei leitete eine umfangreiche Fahndung rund um das Schloss ein. Beamte aus mehreren Orten fuhren zum Einsatzort, ein Spürhund und ein Polizeihubschrauber unterstützten die Suche. Der 30-Jährige konnte kurze Zeit später in der Nähe festgenommen werden. Er blieb einen Tag in Gewahrsam, ehe am Donnerstag Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde. Die Ermittlungen gegen den Verdächtigen laufen wegen Mordes und versuchten Mordes sowie wegen eines Sexualdelikts.

Die Kriminalpolizei hat mittlerweile die Untersuchung übernommen. Bei der Arbeit am Tatort wurde sie wegen des steilen Geländes dort von speziellen Kräften der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei unterstützt. Laut Hörmann steht weiterhin die Spurensicherung im Vordergrund. “Wir sind am Anfang der Ermittlungen.” Es müsse noch genau herausgefunden werden, was geschehen ist.

Polizei hofft auf Hinweise von Besuchern

Die Polizei hofft nun darauf, dass andere Besucher des Schlosses Hinweise geben können, um die Tat rekonstruieren zu können. Zeugen, welche die Tat beobachtet oder im Vorfeld etwas gesehen haben, sollen sich melden. Zudem können Fotos oder Videos, die am Mittwoch im Umfeld des Schlosses gemacht wurden, über eine Internetseite an die Polizei geschickt werden. Die Beamten wollen dann prüfen, ob auf den Bildern die Frauen oder der US-Amerikaner zu sehen sind.

Noch ist der Tathergang in der Nähe von Schloss Neuschwanstein nicht restlos geklärt.APA/AFP/Christof STACHE

Schloss Neuschwanstein zählt zu den berühmtesten und meist besuchten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. In der Vergangenheit kamen mitunter fast eineinhalb Millionen Besucher pro Jahr zu der Sehenswürdigkeit. Im Sommer würden sich im Durchschnitt täglich mehr als 6000 Besucher durch Räume des Schlosses drängen, berichtet die Bayerische Schlösserverwaltung.