Österreich und die Bierkrise: Konsum ist stark rückläufig
Österreich gilt als Land mit ausgeprägter Bierkultur. Vom Wirtshaus bis zum Dorffest ist das Getränk fest im gesellschaftlichen Alltag verankert. Doch die Zahlen für 2025 zeichnen ein anderes Bild: Der Durst auf Bier lässt nach. Und nicht nur das – insgesamt greifen die Österreicher seltener zu alkoholischen Getränken.
Wie der Verband der österreichischen Brauereien bei seinem Jahresrückblick bekanntgab, ist der Absatz im gesamten Getränkesektor rückläufig. Besonders deutlich trifft es jedoch das Bier – und hier vor allem eine Verpackungsform: Dad Dosenbier.
2025 wurden rund 100 Millionen Dosen weniger verkauft als im Jahr zuvor. In Hektolitern gerechnet entspricht das einem Produktions-Minus von etwa 503.000 Hektolitern.
Für Karl Schwarz, Obmann des Brauereiverbandes, liegt ein wesentlicher Grund im seit 2025 geltenden Einwegpfand auf Getränkedosen. Der Absatz sei in diesem Segment „regelrecht implodiert“, so die Einschätzung aus der Branche. Man hoffe nun auf eine mittelfristige Stabilisierung – ähnlich wie es auf dem deutschen Markt nach der Einführung eines vergleichbaren Pfandsystems zu beobachten gewesen sei. Doch das Pfand allein erklärt den Rückgang nicht.
Sparsamkeit prägt das Konsumverhalten
Die allgemeine Kaufzurückhaltung wirkt sich ebenfalls spürbar aus. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten halten sich viele Haushalte bei Ausgaben zurück – und das betrifft nicht nur Bier. Auch Wein, Mineralwasser und Fruchtsäfte verzeichnen Absatzrückgänge. Gleichzeitig verändern sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Demografische Verschiebungen, ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein und neue Freizeitgewohnheiten prägen das Konsumverhalten stärker als noch vor wenigen Jahren.
Alkoholfrei im Aufwind
Während klassische Biersorten unter Druck stehen, gewinnt ein Geschäftsfeld an Bedeutung: alkoholfreies Bier. Derzeit ist laut Branchenangaben etwa jedes 25. in Österreich gebraute Bier alkoholfrei – das entspricht rund vier Prozent Marktanteil.
Florian Berger, Geschäftsführer des Brauereiverbandes, sieht hier Entwicklungspotenzial. In den kommenden Jahren könne der Anteil alkoholfreier Varianten auf bis zu zehn Prozent steigen.
Allerdings reicht das Wachstum dieses Segments bislang nicht aus, um den Rückgang bei traditionellen Sorten vollständig auszugleichen.
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