Auch aus der Haft gelang es dem russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny (47) immer wieder, Nachrichten auszusenden. Eine seiner letzten galt seiner Frau Julia. Am Valentinstag war auf Nawalnys Konto im Onlinedienst X zu lesen: „Liebling, mit uns ist es wie in einem Song: Zwischen uns liegen Städte, die Lichter von Flughäfen, Schneestürme und Tausende von Kilometern. Aber ich fühle, dass Du mir in jeder Sekunde nahe bist, und ich liebe Dich immer mehr“.

Nach Angaben der russischen Gefängnisbehörden starb Nawalny in einer Strafkolonie in der russischen Polarregion. Die Gründe für seinen Tod würden untersucht, hieß es.

8. September 2013: Putins Gegenspieler Alexej Nawalny hält seinen Stimmzettel in einem Wahllokal während der Bürgermeisterwahlen in Moskau in der Hand. Mit dabei: seine Familie, Tochter Dascha (r.), Sohn Zakhar (l.) und Ehefrau Julia (r).APA/AFP/Vasily MAXIMOV

Julia Nawalnaja: Putin ist schuld am Tod meines Mannes

Überschattet von der Todesnachricht des inhaftierten Kremlgegners hat in der Zwischenzeit die 60. Sicherheitskonferenz in München begonnen. Gleich zu Beginn betrat überraschend Julia Nawalnaja die Bühne, obgleich sie nach eigenen Angaben noch keine eigene Bestätigung des Todes ihres Mannes hatte. Sollte die Nachricht stimmen, müsse sich der russische Präsident Wladimir Putin für den Tod ihres Mannes verantworten, sagte Nawalnaja sichtlich angespannt. Die Konferenz quittierte ihren Auftritt mit Standing Ovations.

Standing Ovations für Nawalnys Witwe bei der Münchner SicherheitskonferenzAPA/AFP/POOL/KAI PFAFFENBACH

Nawalnaja rief die Weltgemeinschaft überdies auf, gegen Putin und sein Regime zusammenzustehen und es zu besiegen. „Dieses Regime und Wladimir Putin persönlich sollten zur Verantwortung gezogen werden für all diese Gräueltaten, die sie in den vergangenen Jahren in meinem Land, in unserem Land Russland verübt haben“, sagte sie. Eine eigene Bestätigung für den Tod ihres Mannes habe sie nicht. Sie riet zu Skepsis gegenüber den Moskauer Angaben.

Nawalny einen Tag zuvor anscheinend wohlauf

Der BBC-Journalist Francis Scarrr veröffentlichte mittlerweile ein Video von dem Internetportal “Sota.vision”. Möglicherweise sind es die letzten Aufnahmen des Oppositionspolitikers. Es soll bei einer Online-Gerichtsanhörung am Donnerstag, den 15. Februar, aufgenommen worden sein. Einen Tag vor seinem Tod scheint Nawalny vergleichsweise wohlauf zu sein und lacht sogar. Einen Tag später soll er sich nach einen Spaziergang unwohl gefühlt und unmittelbar danach das Bewusstsein verloren haben. Wiederbelebungsmaßnahmen seien erfolglos gewesen.

Mitarbeiter: Nawalny „höchstwahrscheinlich“ tot

Mitarbeiter Nawalnys haben Berichte über dessen Tod mittlerweile als sehr glaubwürdig eingestuft. „Wir verstehen, dass es höchstwahrscheinlich so passiert ist, dass Alexej Nawalny getötet wurde. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“, sagte der im Exil lebende Direktor von Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung, Iwan Schdanow, am Freitagabend während einer Liveschaltung auf Youtube.

„Wir werden euch keine Lügen erzählen darüber, dass es irgendeine Hoffnung gibt, dass sich morgen herausstellt, dass das nicht wahr ist“, sagte der bekannte Nawalny-Unterstützer. „Eine solche Chance ist geringfügig.“ Schdanow fügte hinzu: „Derzeit deutet alles darauf hin, dass sich tatsächlich ein Mord ereignet hat– der Mord an Alexej Nawalny im Gefängnis. Und getötet hat ihn (Wladimir) Putin.“

Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch betonte, dass das Team nach wie vor keine eigene Bestätigung für den Tod Nawalnys habe. Ein Anwalt sei gemeinsam mit Verwandten auf dem Weg zum Straflager im hohen Norden Russlands, werde dort aber voraussichtlich erst am Samstagmorgen eintreffen. „Bis zu diesem Moment können wir keine Bestätigung bekommen. Deshalb können wir die Berichte all der Kreml-Nachrichtenagenturen darüber, dass Nawalny tot ist, offiziell nicht bestätigen oder dementieren.“