Die Kluft zwischen politischer Erzählung und öffentlicher Wahrnehmung war selten so groß. Eine neue europaweite YouGov-Umfrage offenbart ein tiefes Misstrauen gegenüber Migration, Integration und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Besonders brisant: Die Skepsis richtet sich längst nicht mehr nur gegen illegale Zuwanderung – sondern auch gegen legale.

Europäer glauben, dass irreguläre Zuwanderung überwiegt

In Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien glaubt eine klare Mehrheit, dass es mehr irreguläre als reguläre Zuwanderung gibt. In Italien sind es sogar rund 60 Prozent.

YouGov/Screenshot

„Zu hoch“: Europäer lehnen das aktuelle Migrationsniveau ab

In allen untersuchten Ländern hält die Mehrheit das Niveau irregulärer Zuwanderung für zu hoch – in der Summe aus „viel zu hoch“ und „etwas zu hoch“ liegt der Wert je nach Land bei rund 68 bis 81 Prozent. Auch reguläre Zuwanderung wird in Deutschland (57 Prozent) und Frankreich (52 Prozent) mehrheitlich als zu hoch bewertet. Ein klares „Weiter wie bisher“ ist damit politisch kaum mehrheitsfähig.

In der Umfrage wurden die Bürger außerdem gefragt, welchen Kurs sie für die Zukunft unterstützen würden. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Europäer einer Ausweitung der Zuwanderung skeptisch gegenüberstehen und den Status quo häufig ablehnen. Besonders hohe Zustimmungswerte erhalten Szenarien, die einen Stopp oder eine deutliche Reduktion der Zuwanderung vorsehen.

YouGov/Screenshot

Auffällig ist vor allem ein Punkt: In jedem befragten Land unterstützt etwa rund die Hälfte der Befragten (zwischen 45 und 53 Prozent) ein besonders striktes Szenario, bei dem nicht nur keine neue Zuwanderung zugelassen wird, sondern auch Menschen, die erst kürzlich ins Land gekommen sind, wieder das Land verlassen müssen – notfalls durch Abschiebung.

Integration unter Druck: Mehrheit sieht geringe Erfolge bei Zuwanderung

Auch bei der Frage nach der Integration zeigt sich ein klares Muster. Irreguläre Zuwanderung wird in allen abgefragten Ländern überwiegend als nicht erfolgreich integriert wahrgenommen. In Deutschland sagen 80 Prozent der Befragten, die Integration sei „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ erfolgreich gewesen, in Frankreich 75 Prozent, in Italien 75 Prozent und in Spanien 73 Prozent.

Bei regulär Zugewanderten fällt das Urteil etwas differenzierter aus, bleibt aber skeptisch: In Deutschland halten 54 Prozent die Integration für eher oder überhaupt nicht erfolgreich, in Frankreich 57 Prozent, in Italien 49 Prozent. Spanien und Polen bewerten die Integration regulärer Zuwanderung etwas positiver, dennoch zeigt auch dort nur eine Minderheit ein klar positives Bild.

YouGov/Screenshot

Viele Europäer zweifeln daran, dass Zugewanderte ihre Werte teilen

Die Daten zeigen weiters, dass in vielen europäischen Ländern Zweifel daran bestehen, ob Zugewanderte die gleichen Werte wie die einheimische Bevölkerung teilen. Diese Skepsis betrifft sowohl irregulär als auch regulär Zugewanderte, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung.

Bei irregulär Zugewanderten ist das Bild eindeutig: In allen abgefragten Ländern glaubt eine klare Mehrheit, dass diese nicht die gleichen Werte teilen.

Auch bei regulär Zugewanderten überwiegt in mehreren Ländern die Skepsis. In Deutschland sagen 53 Prozent, dass regulär Zugewanderte nicht die gleichen Werte teilen, in Frankreich 57 Prozent, in Italien 54 Prozent und in Polen 47 Prozent.

YouGov/Screenshot