Zwölf Jahre Haft wegen versuchten Mordes. Doch der Fall eines 23-jährigen Mannes aus Tirol ist weit mehr als ein Kriminalprozess. Vor dem Landesgericht Innsbruck wurde eine Lebensgeschichte offengelegt, die von jahrelanger psychischer Gewalt, schwerer Erkrankung und einer früh bewilligten, irreversiblen Geschlechtsumwandlung geprägt ist. Viele Medien berichten weiterhin von einer Täterin obwohl sich der Täter längst nicht mehr als Trans identifiziert – berichtet die Tiroler Tageszeitung.

Die Tat: Hammerangriff auf die schlafende Mutter

Im Juni 2025 eskalierte ein familiärer Konflikt dramatisch. Ein damals 23-jähriger Mann schlug mit einem rund 510 Gramm schweren Hammer auf den Hinterkopf seiner schlafenden Mutter ein. Das Opfer wurde durch Platzwunden verletzt, konnte flüchten und sich in Sicherheit bringen.

Vor Gericht gestand er die Tat ohne Einschränkungen. Ein Schwurgericht verurteilte ihn zu zwölf Jahren Haft wegen versuchten Mordes. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Aufgrund fortbestehender Gefährlichkeit gegenüber der Mutter und massiver psychischer Probleme erfolgt der Strafvollzug vorerst in einer forensisch-therapeutischen Einrichtung.

Der Blick hinter die Tat: Ein Bub, dem seine Identität abgesprochen wurde

Der Fall zeichnet ein Bild, das weit über die Tatnacht hinausreicht. Der Täter wurde biologisch als Bub geboren. Schon in der Kindheit soll ihm die Mutter wiederholt vermittelt haben, dass sie sich eigentlich ein Mädchen gewünscht habe. Laut Gutachten folgten jahrelanger Liebesentzug und psychische Gewalt.

Der bekannte Gerichtspsychiater Reinhard Haller ordnete frühe körperliche Symptome – etwa eine bereits im Kindesalter auftretende Neurodermitis – als psychosomatische Zeichen ein. Für ihn deutete vieles darauf hin, dass sich der Bub „nicht mehr wohl in seiner Haut“ fühlte und sich emotional nicht geliebt sah.

Psychische Erkrankung und soziale Isolation

Die Belastungen blieben nicht folgenlos. Der Mann litt früh an Depressionen, stand jahrelang in psychiatrischer Behandlung und unternahm Suizidversuche. In seiner Aussage schilderte er eine Kindheit und Jugend voller Isolation: eingesperrt zu Hause, während die Mutter feiern ging, beschimpft und erniedrigt, ohne Beruf, ohne soziales Umfeld. „Niemand weiß eigentlich, dass ich existiere“, sagte er vor Gericht. Aggressionsdelikte waren bis zur Tat keine bekannt – der Mann galt als ruhig, unbescholten und intelligent.

Mit 17 Jahren irreversibel operiert

Trotz dieser massiven psychischen Vorbelastung wurde dem Jugendlichen mit 17 Jahren eine medizinische Geschlechtsumwandlung bewilligt – hormonell und operativ, unwiderruflich. Vor Gericht erklärte der Verurteilte, der Wunsch zur Umwandlung sei nicht aus eigenem inneren Antrieb entstanden, sondern unter massivem Druck der Mutter, für die er „immer schon ein Mädchen“ gewesen sei. Heute identifiziert sich der Mann nicht mehr als trans. Er versucht laut eigener Aussage, wieder als Mann zu leben und geht hormonell gegen den weiblichen Status vor. Die frühere Geschlechtsumwandlung bezeichnete er als Fehler und als einen zentralen Faktor für die Eskalation.

Das Gericht sprach den Angeklagten als Frau an, gestützt auf das aktuelle Personenstandsregister. Die Verteidigung hingegen bezeichnete ihn konsequent als Mann, entsprechend biologischer Geburt und aktueller Identifikation. Für Faika El-Nagashi stellt sich hier die Frage wieso Medien von einer jungen Frau als Straftäterin bei dem Gewaltverbrechen berichten, wenn es sich um einen Mann handelt?

Faika El-Nagashi kritisierte insbesondere die Berichterstattung von krone.at, die durchgehend von einer „jungen Frau“ als Täterin sprach.X @el_nagashi/Screenshot

Der Wendepunkt: Nähe, Abhängigkeit – und der Ausbruch

Als der Mann später selbstständig werden wollte und den Geschlechtswechsel offenbar bereute, habe sich das Verhalten der Mutter weiter verschärft. Sie habe ihm eingeredet, er könne ohne sie nicht leben. „Ich war wie in einem schwarzen Loch gefangen“, sagte er. Der unmittelbare Auslöser der Tat war laut eigener Aussage ein Moment körperlicher Nähe: Die Mutter kuschelte sich im Bett an ihn, während sie gemeinsam einen Film sahen. „Sie ist meine Mutter und nicht meine Freundin“, erklärte er. In diesem Moment brach jahrelang Angestautes hervor. Kurz darauf griff er zum Hammer.

Besonders verstörend wirkte im Prozess eine geschilderte Szene nach der Attacke. Die Mutter habe die Tat verharmlost und in der Küche gesagt: „Wenn du mich schlägst, dann mach mir jetzt wenigstens ein Zitronenwasser.“ Für das Gericht und den Gutachter ein weiteres Indiz für eine tief gestörte Beziehung, in der Grenzen über Jahre hinweg verwischt wurden.

Psychiater Haller: Deutliche Kritik an frühem Eingriff

Gerichtspsychiater Reinhard Haller zeichnete vor den Geschworenen ein eindringliches Bild. Er sprach von einer nachhaltigen, therapiebedürftigen psychischen Störung, ohne Unzurechnungsfähigkeit. Besonders deutlich wurde seine Kritik an der frühen Geschlechtsumwandlung. Haller verwies darauf, dass irreversible Eingriffe in einer Phase erfolgt seien, in der die Persönlichkeitsentwicklung nicht abgeschlossen war. Seine klare Empfehlung: Bei nicht rückgängig zu machenden medizinischen Maßnahmen solle mindestens bis zum 25. Lebensjahr zugewartet werden.

Auch die ehemalige Grüne Nationalratsabgeordnete Faika El-Nagashi äußert gegenüber dem exxpress offene Fragen die es zu klären gilt: Wer hat die chirurgische Genitalentfernung an einem psychisch belasteten jungen Menschen durchgeführt? Wo haben diese Eingriffe stattgefunden und wer hat die Kosten dafür übernommen? Nach welchen medizinischen und ethischen Behandlungskriterien wurde dabei vorgegangen?

Faika El-Nagashi sieht einen dringenden Handlungsbedarf auf mehreren Ebenen.IMAGO/Eibner

“Nach so einem Fall kann nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werde.”, sagt Faika El-Nagashi. “Es braucht auch abseits der schweren Gewalttat, die vor Gericht verhandelt wurde, Transparenz und Verantwortung. Es besteht dringender Handlungsbedarf. Sollte all dies in Österreich stattgefunden haben, müsste die Staatsanwaltschaft von sich aus tätig werden. Es gibt einen therapeutisch-medizinischen Bereich, der bereit ist, diese Eingriffe an jungen Menschen durchzuführen. Die Politik sollte endlich Klarheit schaffen und sich für eine EU-weite Altersgrenze von 25 Jahren einsetzen.” Aber auch die Politik ist dringend aufgerufen zu handeln: “Wieso setzt das Gesundheitsministerium keine klaren Altersgrenzen für derartige Eingriffe fest, die allesamt unumkehrbar sind?”