Am Mittwoch nimmt die 13-jährige Michaela bei der Trauermesse Abschied von ihrer Mutter Jamey Carney (43). Die US-Amerikanerin war 2021 mit ihrer Tochter nach Irland gezogen. Dort lernte sie den jordanischen Asylwerber Ahmad Al-Saqar (28) kennen – laut Medien bei einer Pro-Palästina-Demonstration. Später soll er Bekannten erzählt haben, beide hätten in einer Moschee islamisch geheiratet. Nun ist Carney tot: Sie wurde brutal geschlagen und erstickt.
Nach Informationen der Irish Sun ist Al-Saqar in der Zwischenzeit der einzige Verdächtige der Mordermittler. In Jordanien wurde er von den Behörden festgesetzt. Nun melden sich seine Angehörigen zu Wort: Sie lassen soziale Netzwerke überwachen, sichern Screenshots und kündigen Anzeigen bei Jordaniens Cybercrime-Einheit an. Jamey Carney und ihre 13-jährige Tochter werden in der Erklärung mit keinem Wort erwähnt. Die Sorge des Schreibens gilt dem eigenen Sohn, der Würde des jungen Mannes, dem Ruf der Familie und der Ehre des Stammes.
Die Angehörigen berufen sich auf die Unschuldsvermutung. Doch bei einer Mahnung gegen Vorverurteilungen bleibt es nicht. Sie orten Rassismus, drohen Kritikern mit Klagen und Anzeigen – und kündigen zusätzlich eine Verfolgung nach „Stammesbräuchen“ an.
Offenbar der einzige Verdächtige
Al-Saqar war am Abend vor der Tat bei Carney gewesen. In den frühen Morgenstunden des 7. Juli verließ er Killarney mit einem Bus, flog von Dublin nach Istanbul und reiste anschließend nach Jordanien weiter. Wenige Stunden nach seinem Abflug fand Carneys 13-jährige Tochter ihre Mutter tot im gemeinsamen Haus.
Jordanische Sicherheitskräfte setzten Al-Saqar nach seiner Einreise fest. Er ist bisher nicht angeklagt, ein irischer Haftbefehl liegt nicht vor. Es gilt die Unschuldsvermutung.
„Unser junger Sohn Ahmad“
Al-Saqars Bruder und weitere Angehörige verbreiteten in sozialen Netzwerken eine Erklärung. Die Überschrift setzt den Ton: „Scharf formulierte rechtliche und stammesbezogene Erklärung und Warnung.“
Das Schreiben beginnt mit einem unstrittigen Rechtsgrundsatz: „Ein Beschuldigter gilt als unschuldig, bis seine Schuld bewiesen ist – ein weltweit fest verankerter Rechtsgrundsatz.“ Dieser Grundsatz sei allerdings „einigen unbesonnenen Stimmen entgangen, die den Ereignissen in dem derzeit anhängigen Fall um unseren jungen Sohn Ahmad Al-Saqr, der zuvor in Irland lebte, vorgegriffen haben“.
„Gift des Rassismus“
Die Angehörigen erklären, sie hätten zuletzt eine Welle negativer Beiträge beobachtet: „Mit großem Bedauern haben wir in jüngster Zeit eine Welle negativer Kommentare und Beiträge festgestellt, die direkte Beleidigungen und Verhöhnungen enthalten.“ Dann folgt der Vorwurf: „Die Angelegenheit ging sogar so weit, dass erbärmliche und gehässige Versuche unternommen wurden, das Gift des Rassismus und der Zwietracht unter den Angehörigen unseres einen Volkes – Jordaniern und Palästinensern – zu verbreiten.“
Zudem seien Menschen dazu übergegangen, „die Würde der Familie des jungen Mannes und den Ruf des gesamten Stammes Al-Suqour im ganzen Land anzugreifen“.
Konkrete Beispiele für rassistische Äußerungen nennt die Familie nicht. In den sozialen Netzwerken kursieren allerdings beleidigende und frauenfeindliche Beiträge – auch gegen Carney selbst.
Alle Netzwerke unter Beobachtung
Die Angehörigen kündigen an, eigens ein Team eingesetzt zu haben: „Konsequente rechtliche Verfolgung: Es wurde ein umfassendes technisches und juristisches Team mit einer klar umrissenen Aufgabe gebildet.“
Dieses Team soll nicht nur einzelne besonders auffällige Beiträge verfolgen: „Sämtliche sozialen Netzwerke werden überwacht.“ Jede kritische Äußerung, die nach Ansicht der Familie eine Grenze überschreitet, soll gesichert werden: „Jeder Kommentar und jeder Beitrag, der Beleidigungen, Verhöhnungen, Verleumdungen oder rassistische Hetze enthält, wird erfasst, per Screenshot gesichert und dokumentiert.“
Das gesammelte Material werde „als eindeutiges Beweismittel aufbewahrt“.
Drohung mit „Stammesbräuchen“
Die Angehörigen des Hauptverdächtigen wollen die jordanischen Behörden einschalten und Belege für beleidigende, verleumderische oder rassistische Online-Kommentare „unverzüglich der Einheit zur Bekämpfung von Cyberkriminalität im Haschemitischen Königreich Jordanien“ übermitteln. Man wolle „in keinem Fall Nachsicht üben“. Und: „Neben den rechtlichen Schritten nach dem Zivilrecht des Königreichs wird jeder, der es wagt, Angehörige des Stammes oder die Familie zu beleidigen, auch auf stammesbezogener Ebene und gemäß den geltenden Bräuchen zur Verantwortung gezogen.“
Der Schlusssatz: „Wer gewarnt hat, hat seiner Pflicht Genüge getan.“ Mit anderen Worten: Die Warnung wurde ausgesprochen; niemand könne später behaupten, nicht gewarnt worden zu sein.
Kein Wort über Jamey Carney
Jamey Carney wird in dem Schreiben nicht ein einziges Mal namentlich erwähnt. Es gibt kein Wort der Trauer über ihren gewaltsamen Tod. Kein Bedauern. Keine Beileidsbekundung an ihre Mutter, ihre Schwester oder ihre 13-jährige Tochter. Unabhängig von Al-Saqars möglicher Schuld steht fest: Die Amerikanerin wurde brutal angegriffen und erstickt. Die Obduktion ergab Asphyxie nach einer Gewalttat.
Sollten die Berichte über eine religiöse Eheschließung zutreffen – Al-Saqar selbst bezeichnete Carney in sozialen Netzwerken als „meine Braut und meine Prinzessin“ –, war die US-Amerikanerin zumindest nach der behaupteten islamischen Trauung seine Ehefrau. Al-Saqar wäre damit heute, zumindest in religiösem Sinn, ihr Witwer.
Umso bemerkenswerter ist, dass die Familie ausführlich den Sohn und den Stamm verteidigt, aber kein Wort über die Frau verliert, die er nach Darstellung seines eigenen Umfelds geheiratet hatte.
Das Forum der Jordanier in Irland reagierte anders. Es verurteilte Carneys Tötung ausdrücklich als brutales Verbrechen, das allen religiösen, menschlichen und moralischen Werten widerspricht.
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5000 Euro und mögliche Trennung
Seit Carneys Tod wurden weitere Hinweise auf eine Beziehungskrise bekannt. Etwa eine Woche vor der Tat soll sie einer Freundin eine Nachricht gezeigt haben, in der Al-Saqar 5000 Euro von ihr verlangte. Wofür er das Geld wollte, ob Carney zahlte und ob die Forderung mit der Tat zusammenhing, ist nicht geklärt.
Anonymen Quellen zufolge sei Al-Saqar zunehmend besitzergreifend und bedürftig geworden. Carney habe die Beziehung beenden wollen. Die Ermittler sollen Eifersucht als mögliches Motiv prüfen. Diese Angaben sind bislang nicht offiziell bestätigt.
Al-Saqar hatte in Irland internationalen Schutz beantragt. Sein Antrag war nach Medienberichten abgelehnt worden. Gegen die Entscheidung lief ein Rechtsmittel, dessen Erfolgsaussichten aber als gering galten.
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Auslieferung im Einzelfall möglich
Zwischen Irland und Jordanien besteht kein reguläres Auslieferungsabkommen. Das bedeutet aber nicht, dass Al-Saqar keinesfalls nach Irland gebracht werden kann.
Eine Interpol-Quelle erklärte dem „Irish Examiner“, Jordanien könne im Einzelfall auch ohne bestehenden Vertrag einer Auslieferung zustimmen. Dafür müsste Al-Saqar in Irland jedoch zunächst angeklagt werden.
Die Gardaí – die irischen Polizisten – arbeiten an einem Akt für den Director of Public Prosecutions. Erst wenn die Staatsanwaltschaft eine Anklage anordnet, könnte ein Haftbefehl ausgestellt und seine Übergabe beantragt werden.
Bis dahin bleibt Al-Saqar in jordanischem Gewahrsam – allerdings nicht aufgrund eines irischen Festnahmeersuchens.
Tochter nimmt Abschied
Am Mittwoch um 12 Uhr findet in der St. Mary’s Cathedral in Killarney die Trauermesse für Jamey Carney statt. Der Gottesdienst wird live übertragen, damit auch Freunde und Angehörige in den USA teilnehmen können. Danach ist eine private Einäscherung vorgesehen.
In ihrer Todesanzeige wird Carney von ihrer „angebeteten und innig geliebten Tochter Michaela“, ihrer Mutter Kathleen, ihrer Schwester Devon und zahlreichen Freunden betrauert.
Während ihre Angehörigen die 43-Jährige beisetzen, warnt die Familie des einzigen Verdächtigen vor Angriffen auf die Würde ihres Sohnes und den Ruf ihres Stammes. Die getötete Frau erwähnt sie nicht.
Warum Jamey Carney sterben musste, ist weiterhin unklar. Medienberichten zufolge wollte sie die Beziehung beenden; bestätigt ist das nicht. Der im Libanon geborene kanadische Verhaltenswissenschaftler Gad Saad Der im Libanon geborene kanadische Verhaltenswissenschaftler Gad Saad kommentierte die Debatte um den Fall mit trockenem Sarkasmus: „Ihr Mord war eine Folge von Islamophobie.“

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