Die EU-Kommission will Desinformation über Europa bekämpfen – und schoss dabei gründlich ins eigene Knie. Der offizielle Account @EU_Commission postete ein klassisches Vier-Panel-Meme: Oben links ein Mann mit normaler Brille — rechts daneben ein sonniges, belebtes Paris mit Eiffelturm. Unten links derselbe Mann, nun mit Alufolie auf dem Kopf und Verschwörungs-Sonnenbrille — rechts daneben dieselbe Pariser Straße, diesmal als apokalyptische Trümmerwelt mit dem Schriftzug „Once Great, Now Ignored”. Die Aussage: Wer Probleme sieht, trägt Aluhut. Das Meme stammte laut eigenem Credit-Hinweis vom Account des französischen Außenministeriums @francediplo. Ausgerechnet Frankreich also lieferte die Vorlage für einen Post, der die Zustände in Paris kleinreden soll. Was folgte, war kein Applaus — sondern ein Sturm aus Videos, Statistiken und Gegenbeispielen, der sich gewaschen hatte.
Was Nutzer in den Kommentaren verlinkten
Wer sich die Kommentarspalten anschaute, sah nicht Verschwörungstheoretiker mit Alufolie, sondern Nutzer mit Belegen. Videos aus Pariser Unterführungen, vollgestellt mit Zelten und Müll. Grafiken zu Gewalt- und Kriminalitätszahlen. Und Daten, die sich nicht einfach wegklicken lassen. Laut einer Analyse auf Basis der Zahlen des französischen Innenministeriums stiegen Tötungsdelikte in Frankreich zuletzt um fünf Prozent, versuchte Morde sogar um 13 Prozent, Vergewaltigungen um zehn Prozent. Die symbolische Marke von 1.000 Morden pro Jahr wurde 2023 überschritten – Tendenz weiter steigend. Auch die Pariser Polizeipräfektur bestätigte Anfang 2026 einen Anstieg bei zwischenmenschlicher Gewalt und Drogenkriminalität.
Paris: Eine Stadt, die schon länger für Schlagzeilen sorgt
Die Zustände in Paris sind keine Erfindung von Verschwörungstheoretikern, sondern seit Jahren Gegenstand handfester Berichte. Wie exxpress bereits berichtete, registrierte das französische Innenministerium allein 2023 über 2.100 Vorfälle von Massenrandalen – ein Plus von mehr als 20 Prozent. Die Polizeigewerkschaft Alliance Police Nationale schlug dabei Alarm: Die Einsatzkräfte stoßen an ihre Grenzen. Und an Silvester 2023 wurden im Großraum Paris allein 900 Autos angezündet. Zur Obdachlosigkeit: Bei der „Nacht der Solidarität” 2026 wurden im Großraum Paris 4.940 Menschen ohne Unterkunft gezählt – fast 700 mehr als im Jahr zuvor. In Saint-Denis allein stieg die Zahl von 203 auf 395 Personen – eine nahezu Verdoppelung innerhalb eines Jahres.
Stefan Embacher Feuerlaune Als Paris Zum Schlachtfeld Wurde
Der größere Zusammenhang
Das Meme ist keine Ausnahme – es ist symptomatisch. Wie eXXpress bereits ausführlich berichtet hat, steht die EU-Kommission seit geraumer Zeit in der Kritik, Meinungen, die von der offiziellen Linie abweichen, nicht zu debattieren, sondern zu delegitimieren. Ob der Digital Services Act, der laut Kritikern Plattformen zu Overblocking verleitet, ob die Sanktionen gegen den Schweizer Analysten Jacques Baud wegen „unerwünschter Positionen”, oder ob der Vorfall in Helsinki, wo ein Zwischenrufer während einer Rede von der Leyens über Meinungsfreiheit von der Polizei abgeführt wurde – das Muster ist erkennbar. Wer Probleme sieht, bekommt einen Alufolie-Hut aufgesetzt. Wer zu laut ruft, wird abgeführt. Und wer Statistiken zitiert, wird als Panikmacher abgetan. Die Kommentarspalte unter dem EU-Post zeigt: Diese Strategie funktioniert nicht mehr.

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